Monday, May 27, 2013

Promi Suche Startups

Deutsche Promis wollen sich für hiesige Start-ups engagieren. Doch die Resonanz aus der Branche ist mau.


Berlin - Til Schweiger und Jürgen Vogel hatten Lust drauf. Die Sänger von „Boss Hoss“ auch. Und Sami Khedira, Mesut Özil und Mario Götze wollten zumindest ihre Manager vorbeischicken. Für vergangenen Freitag hatte die Marketingagentur Kaiorize in Berlin zu „Celebrity for Equity“ eingeladen, einem Event, das Prominente und Start-ups zusammenbringen sollte.
Gut 20 Stars – Entertainer, Schauspieler, Sportler – hatten ihr Kommen angekündigt. Zehn Plätze waren für Start-ups reserviert. Doch kurzfristig wurde das Stelldichein wieder abgesagt. Es hätten sich zwar etliche Unternehmen beworben, sagt Kaiorize-Chef Henner Ceynowa, doch die Qualität der Start-ups sei unbefriedigend gewesen: „Viele Businesspläne waren einfach too early stage.

Das Konzept der Veranstaltung sah vor, in lockerer Runde Start-ups und Stars zusammenzubringen. Die Prominenten können dann die Unternehmen auf verschiedenen Wegen unterstützen: sei es als „Business Angel“, um einem Start-up finanziell oder ideell beizustehen. Oder als Shareholder, der seine Öffentlichkeit gegen Beteiligungen tauscht. Kaiorize hatte ursprünglich eine Startgebühr von 500 Euro von den Start-ups verlangt, die Bezahlschranke jedoch nach Kritik wieder zurückgenommen.
In den USA gehört das Balzen zwischen Stars und Start-ups zum Alltag: So schuf der Getränkehersteller Glaceau eine eigene Brause für den Rapper 50 Cent, der bekam zehn Prozent der Unternehmensanteile. Schauspieler Ashton Kutcher hingegen betätigt sich direkt als „Engel“: Er hat schon viele Start-ups gefördert, unter anderem den Berliner Internetdienst Amen. Im Netz gibt es mittlerweile Tipps, wie man Kutcher für sich begeistern kann: „Zeig, dass du Social Media verstanden hast!“ Doch genau das ist es, was Kaiorize-Mann Ceynowa an deutschen Unternehmen kritisiert: „Vielen Start-ups fehlt es schlicht an Fantasie.“ So seien Konzepte, Stars ins Unternehmen einzubinden oder deren Social-Media-Netzwerke zu nutzen, schlicht zu konservativ gedacht.
Dana Schweiger vermisst den Mut am deutschen Markt. Die Moderatorin ist selbst Mitgründerin von Kaiorize sowie des Modelabels Bellybutton. „Viele Start- ups sehen ihr Unternehmen zu sehr als Liebhaberprojekte“ – das gehe zulasten des Geschäftssinns. Anstatt prominente Anteilseigner an Bord zu holen, verschlössen sich die Gründer. Dabei seien es ja gerade die Stars, die „in Vorleistung gingen“ – mit ihrem Namen. Dennoch glaubt Schweiger an den deutschen Markt. Gerade Berlin sei mittlerweile „das Silicon Valley Europas“ mit Ideen, die auch internationales Potenzial hätten. Zugleich, sagt auch Kaiorize-Chef Ceynowa, stünden die Prominenten schon bereit: „Die wollen jetzt Start-ups pushen.“
Obwohl das Förderevent „Celebrity for Equity“ vorerst geplatzt war, habe Kaiorize einige Start-ups mit interessierten Stars zusammengebracht. Unternehmen aus dem Modebereich sind darunter, auch eine Fußball-App. Und in einem halben Jahr soll es einen neuen Anlauf für das Kuppel-Event geben. Ceynowa hofft, dass die jetzigen Bewerber dann ihre Businesspläne ausgereift haben. Denn davon hängt auch der Erfolg von Kaiorize selbst ab: Das Start-up verdient sein Geld mit Celebrity-Marketing. Marc Röhlig

300 Festnahmen bei einer Demonstration gegen Homosexuell Ehe

Gegen die Einführung der Homo-Ehe gingen am Sonntag zehntausende Menschen auf die Straße - die Demonstration endet mit Unruhen und Krawallen.

Bei gewaltsamen Ausschreitungen nach einer Großdemonstration gegen die Homo-Ehe in Paris sind 293 Menschen festgenommen worden. Wie die Polizei mitteilte, gab es die meisten Festnahmen am Sonntagabend nach der Auflösung einer Kundgebung nahe dem Invalidendom im Zentrum, wo sich Gegner der Homo-Ehe stundenlange Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert hatten. Sechs Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt, darunter vier Polizisten, ein Pressefotograf und ein Demonstrant.

Innenminister Manuel Valls machte rechte Gruppen für die Ausschreitungen verantwortlich.

Mehr als 150 000 Menschen gehen in Paris auf die Straße

Zehntausende Menschen sind am Sonntag gegen die Einführung der Ehe von Schwulen und Lesben auf die Straßen gegangen. Rund um den Invalidendom protestierten nach Polizeiangaben mehr als 150 000 Menschen gegen die rechtliche Gleichbehandlung homosexueller Mitbürger bei der Trauung.

Die Veranstalter sprachen von rund einer Million Teilnehmern. Die Kampagne gegen die Ehe von Schwulen und Lesben wird inzwischen nicht mehr nur von der katholischen Kirche und den oppositionellen Konservativen der UMP unterstützt. An den Protesten beteiligen sich mittlerweile auch rechts-radikale Gruppen, die grundsätzlich die sozial-liberale Agenda der regierenden Sozialisten ablehnen.

Präsident Francois Hollande hatte in der vergangenen Woche mit seiner Unterschrift unter das Gesetz den Weg frei für die “Ehe für alle“ gemacht und damit ein Wahlversprechen eingelöst. Nach der Nationalversammlung hatte zuvor der Verfassungsrat als letzte Instanz grünes Licht für Hochzeiten unter Schwulen und Lesben gegeben und eine Klage der Opposition abgewiesen.

Ein Gesetz spaltet Frankreich

Gegner der Homo-Ehe, die wiederholt gewaltsam gegen das Gesetz demonstriert hatten, kündigten weitere Proteste an. Das neue Gesetz gilt als die größte Sozialreform seit Abschaffung der Todesstrafe im Jahr 1981 durch Präsident Francois Mitterrand, dem großen Vorbild Hollandes. Die erste Eheschließung eines gleichgeschlechtlichen Paares ist am Mittwoch in Montpellier geplant. Bürgermeisterin Helene Mandroux sprach von einem großen gesellschaftlichen Fortschritt. Frankreich ist das 14. Land, das Schwulen und Lesben die Heirat gestattet.

Die Homo-Ehe ist unter anderem in Kanada, Dänemark, Schweden sowie Uruguay und Neuseeland möglich. In Deutschland hingegen gibt es die eingetragene Lebensgemeinschaft. In den USA ist sie in der Hauptstadt Washington sowie zwölf Bundesstaten erlaubt. (DPA, Reuters)

Ermittlungen gegen Piratenfraktion Sprecherin

Kürzlich erst geriet Chris Linke, Sprecherin der Berliner Piratenfraktion, in die Schlagzeilen, als Fraktionschef Lauer eine Affäre um Denunziationsvorwürfe und vermeintliche Vetternwirtschaft öffentlich machte. Nun berichtet der Spiegel, gegen Linke werde in einem anderen Zusammenhang wegen Bestechung ermittelt.


Im Rahmen eines Verfahrens wegen des Verdachts auf Untreue und Bestechlichkeit, das bei der Staatsanwaltschaft Bonn gegen einen PR-Berater und ehemaligen Bundeswehr-Offizier läuft, soll nach Recherchen des „Spiegel“ auch gegen die Pressesprecherin der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Chris Linke, ermittelt werden. Wie das Nachrichtenmagazin berichtete, soll der heutige PR-Mann in den Jahren 2010 und 2011 als damaliger Leiter von „Bundeswehr TV“ eine Berliner Produktionsfirma mit Aufträgen versorgt haben, für die keine Gegenleistung erfolgt sei. An ihn sollen Honorare zurückgeflossen sein.
Laut „Spiegel“ vermute die Staatsanwaltschaft, dass Chris Linke hinter der Produktionsfirma stehe und ermittle gegen sie wegen möglicher Bestechung.

Chris Linke habe über ihren Anwalt den Vorwurf der Bestechung zurückgewiesen, aber nicht detailliert dazu Stellung nehmen wollen.

Um die Piraten-Sprecherin hatte es kürzlich einige Aufregung gegeben. Ihre Tochter, persönliche Mitarbeiterin der Piraten-Abgeordneten Susanne Graf, ist seit Weihnachten mit Fraktionschef Christopher Lauer liiert. Es gab Gerüchte um Vetternwirtschaft, die Lauer lautstark publik gemacht und mit Denunziationsvorwürfen gegen nicht namentlich genannte Fraktionskollegen verbunden hatte. Von der Fraktionssitzung, auf der dies anschließend diskutiert wurde, blieb die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Tuesday, May 21, 2013

Steuerpolitik in den Vereinigten Staaten wirft Apple-Tricks - Koch verteidigt sich

Apple-Chef Tim Cook muss sich vor dem US-Senat gegen den Vorwurf wehren, den Fiskus um Milliarden geprellt zu haben. Der US-Konzern verteidigt sich damit, lediglich legale Spielräume genutzt zu haben.

Berlin - Der Einfallsreichtum von Apple ist Legende – nun jedoch gerät der US- Konzern wegen seiner kreativen Ideen bei der internationalen Steuervermeidung immer stärker unter politischen Druck. Apple-Chef Tim Cook musste sich am Dienstagabend vor einem Unterausschuss des US-Senats gegen einen schweren Vorwurf wehren: Der kalifornische Technologiekonzern soll im großen Umfang Steuerschlupflöcher genutzt haben. Dadurch seien dem Fiskus Milliarden von Dollar entgangen, hieß es in einem 40-seitigen Ausschussbericht, der am Vorabend veröffentlicht worden war.
Apple habe durch eine geschickte Konstruktion seiner Konzernstandorte Gewinne und Dividenden zwischen verschiedenen Steueroasen so verbucht, dass die Steuerschuld – trotz Milliardenerlösen – minimiert wurde, heißt es in dem Bericht.


Die europäische Hauptvertretung in Irland, über die die Apple-Läden in ganz Europa geführt werden, soll in den vergangenen fünf Jahren sogar gar keine Unternehmenssteuern abgeführt haben. Apple hat seinen weltweiten Gewinn seit 2002 von 65 Millionen Dollar auf 41,7 Milliarden Dollar vervielfacht (siehe Grafik).
Apple-Chef Cook wies die Kritik vor dem Senatsausschuss zurück. „Wir sind stolz darauf, ein amerikanisches Unternehmen zu sein und unseren Beitrag zur Gesellschaft zu leisten“, sagte Cook. Der Konzern habe Mitarbeiter in allen Bundesstaaten. „Wir haben uns dafür entschieden, das Design und die Entwicklung der Geräte hier in den USA zu lassen.“ Apple sei der größte Steuerzahler unter allen US-Unternehmen, wiederholte er frühere Aussagen. Er räumte aber auch ein, dass 70 Prozent der Geldreserven im Ausland lägen. „Wir nutzen das Geld, um unser Auslandsgeschäft zu betreiben.“ Es sei zu teuer, das Geld bei einem Steuersatz von 35 Prozent in die USA zu holen. „Unser Steuersystem benachteiligt uns gegenüber unseren ausländischen Konkurrenten.“
„Der Fakt, dass unsere Tochterfirmen in Irland nicht steuerpflichtig sind, hat keinen Einfluss auf unsere US-Steuern“, sagte Finanzchef Peter Oppenheimer in der gleichen Anhörung. Die Firmenstruktur mache es schlicht einfacher, das Geschäft zu führen. „Unser Unternehmen ist etwas größer als das, was Steve Jobs vor vierzig Jahren in der Garage seiner Eltern gegründet hat“, sagte Cook.
In dem Senatsbericht heißt es, an die Apple-Vertretung mit einer Post-Adresse in Cork seien allein zwischen 2009 bis 2012 Dividenden in Höhe von knapp 30 Milliarden Dollar geflossen. Es wurden drei Apple-Vertretungen in Irland genannt, die dort keinen Steuersitz hätten. „Apple hat den Unterschied zwischen irischen und US-Regelungen für Steuersitze ausgenutzt“, hieß es in dem Bericht.
Die Anhörung im US-Senat ist der vorläufige Höhepunkt in den Bemühungen verschiedener Regierungen, die umstrittene Steuerpraxis von US-Konzernen wie Apple, Google, Starbucks oder Amazon politisch in den Griff zu bekommen. Auch Vertreter der Technologiekonzerne Hewlett-Packard und Microsoft mussten bereits vor dem US-Ausschuss aussagen.
Wie Apple verteidigen sich die Unternehmen mit dem Hinweis, sie nutzten keine Tricks, sondern legale Möglichkeiten der Steueroptimierung. Auch Mitglieder des Senatsausschusses erklärten, Apple habe nicht gegen Gesetze verstoßen und bei den Untersuchungen in der Angelegenheit kooperiert. In Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die zu den wichtigsten Absatzmärkten der US-Konzerne zählen, regt sich ebenfalls zunehmender Widerstand. Die Organisation für Wirtschaft und Zusammenarbeit in Europa (OECD) will in den nächsten Monaten einen Maßnahmenkatalog vorlegen, um Steuertricks großer Unternehmen zu verhindern. Auch auf dem anstehenden EU-Gipfel diese Woche ist die Bekämpfung von Steuerflucht ein wichtiges Thema.
Ungeachtet der Steuerdebatte behauptet sich Apple als weltweit wertvollste Marke. Nach einer Erhebung des Marktforschers Millward Brown trägt der Konzern den Titel zum dritten Mal in Folge. Die Rangliste „BrandZ“ schätzt den Markenwert von Apple auf 185,1 Milliarden Dollar.mit rtr,dpa

In Berlin können Sie zum Schwimmen fast überall sicher gehen

Die Europäische Umweltagentur meldet, dass Meere, Seen und Flüsse immer sauberer werden. Deutschlands Wasserqualität liegt über dem EU-Durchschnitt. Auch die Berliner Badestellen schneiden hervorragend ab. Doch es gibt einige wenige Orte, an denen vor dem Baden gewarnt wird.


Der Badespaß an Stränden, Seen und Flüssen ist fast überall in Europa ungetrübt. Bei der großen Mehrheit (94 Prozent) der Badestellen ist die Wasserqualität passabel bis ausgezeichnet. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Brüsseler EU-Kommission und die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen am Dienstag vorstellten. An den deutschen Küsten bekamen fast vier von fünf Badestellen das Gütesiegel „exzellent“. Bei Deutschlands Binnengewässern war die Qualität im Testjahr 2012 an fast neun von zehn Stellen sehr gut.
Danach reihen sich die Badestellen Berlins und Brandenburgs in Deutschlands hervorragende Quote ein: 88 Prozent der Badegewässer hierzulande haben eine Wasserqualität, die über dem EU-Durchschnitt liegt.
Übertroffen wird das nur von Malta (97 Prozent), Kroatien (95 Prozent) und Griechenland (93 Prozent). Am saubersten ist das Wasser in Zypern und Luxemburg. In den beliebten Ferienländern Spanien, Italien und Portugal ist der Badespaß ebenfalls völlig unbedenklich. „All diese Urlaubsziele erfüllen die Vorgaben mit exzellenter Qualität“, sagte die Chefin der Europäischen Umweltagentur, Jacqueline McGlade. „Und sie liegen alle über dem EU-Durchschnitt.“ Die Schlusslichter der Studie bilden Belgien (zwölf Prozent), die Niederlande (sieben Prozent) und Großbritannien (sechs Prozent).
Der Grund für die vielerorts als „exzellent“ eingestufte Wasserqualität ist laut Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) die gute Lage der EU-Badestellen. Diese befänden sich an Gewässern, die kaum von Verunreinigungen betroffen seien. Die Europäische Umweltagentur führt Verschmutzungen vor allem auf überlastete Kläranlagen, Fäkalien aus der Landwirtschaft und Wildvögel oder frei laufende Hunde zurück.
Europaweit werden jährlich etwa 22 000 Badestellen untersucht. Dabei werden während der Badesaison regelmäßig Wasserproben entnommen und auf Ecoli-Bakterien und andere Darmkeime getestet. In Deutschland kamen 2295 Badestellen auf den Prüfstand, davon 366 am Meer. Ausgesprochen schlechte Wasserqualität fanden die Tester nur an acht Stellen, darunter die „Kleine Badewiese“ an der Unterhavel, die Badestelle am Campingplatz Siersburg im saarländischen Rehlingen-Siersburg und das Strandbad Eriskirch am Bodensee.

"Die Unterhavel ist unterhalb der Spreemündung besonders nach Starkregenfällen mikrobiologisch stärker belastet", sagt Silvia Kostner vom Lageso. Die Gründe dafür seien derzeit noch unklar. Das Amt arbeite zusammen mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt an einer Ursachenklärung. Denn die Resultate waren nicht nur im vergangenen Sommer schlecht. Die Ergebnisse der Wasseruntersuchungen der letzten vier Jahre wiesen erhöhte Darmbakterien-Werte auf. Deshalb rät das Landesamt für Gesundheit hier ganz vom Baden ab.
Dass sonst aber alles ziemlich klar mit dem Wasser ist, können auch Tauchsportler bestätigen. „Die Qualität ist ganz schön geworden“, sagt Roland Knuth, Inhaber des Reinickendorfer Tauchclubs „Dive’n“. Er hat jahrelange Erfahrung in der Säuberung von Berliner Seen und wurde 2006 für sein Engagement sogar von Bundestagspräsident Norbert Lammert ausgezeichnet. Knuth und sein Tauchteam sammeln groben Schmutz wie Flaschen, Einkaufswagen und Schusswaffen aus den Gewässern. „Ab und an fischen wir auch mal ein Ölfass raus, aber das kommt eher selten vor“, so Knuth.

Selbst die Algenplage, die in Berlin und Brandenburg häufig im Sommer auftritt, stellt kein unmittelbares hygienisches Risiko dar. Die Pflanzenteppiche sind zwar für Schwimmer nicht besonders angenehm. Im Endeffekt beeinträchtigten sie aber nur die Sicht oder erschweren die Rettung von Verunglückten, sagen Experten. Und irgendwann findet jede Algenblüte ihr Ende.

Das war einmal in der Stadt Moore

Die Warnung kam nur eine Viertelstunde, bevor der gigantische Tornado zuschlug. Mit Tempo 300 rast er über einen Vorort von Oklahoma City. Viele Menschen sterben, unter ihnen Grundschulkinder.


Es war kurz vor 15 Uhr, als sich aus dem dunkelgrauen Himmel über Oklahoma ein Windrüssel langsam zur Erde schob. Auf dem wackligen Video, das ein Mann aus seinem Auto schoss und das nun im Internet kursiert, sieht das Schauspiel irgendwie poetisch aus. Und im religiösen „Bible Belt“ der USA wird es manchem erscheinen, als wollte Gott die Erde berühren. Doch ein Segen war es nicht: Der Windrüssel, der sich am Montagnachmittag mit 300 Stundenkilometern durch die Vororte von Oklahoma City fraß, brachte Tod und Zerstörung.
Die Bewohner von Newcastle und Moore hatten keine Chance. Erst 16 Minuten vor dem Tornado hatte es eine Warnung gegeben, an Flucht war nicht zu denken.
Einmal am Boden blies der Tornado 40 Minuten lang. Er hinterließ eine dreißig Kilometer lange Schneise, mehr als drei Kilometer breit – in dem Gebiet ist alles zerstört. Autos wurden wie Spielzeug durch die Luft gewirbelt, Häuser zertrümmert, Strommasten abgeknickt.
In dem regelmäßig von Wirbelstürmen heimgesuchten Gebiet retteten sich zahlreiche Menschen in ihre Keller. Andere suchten Schutz in allem was irgendwie stabil aussah – oft erfolglos. Rettungskräfte fanden eine Mutter mit ihrem sieben Monate alten Baby, die sich in einer großen Gefriertruhe versteckt hatten und das Unglück nicht überlebten. Sarah Johnson raste mit ihrer vierjährigen Tochter Shellbie in ein nahes Krankenhaus, nachdem die kleine eine Asthma-Attacke erlitten hatte. „Im Krankenhaus lagen alle auf dem Boden. Da haben wir uns auch auf den Boden gelegt.“ Sie habe eine Matratze über ihre Tochter gezogen. Nachdem sich der Sturm verzogen hatte, habe überall medizinisches Gerät herumgelegen. „Aber uns ist nichts passiert“, so Johnson, die am Dienstag allerdings noch auf der Suche nach ihrem Mann war.

Nach derzeitigem Stand gebe es mindestens 24 bestätigte Todesopfer, erklärte Amy Elliott von der Gerichtsmedizin des Bundesstaates. Zuvor hatte sie gesagt, sie gehe von bis zu 91 Todesopfern aus: 51 Todesopfer seien gemeldet worden, danach sei die Gerichtsmedizin aufgefordert worden, sich auf die Aufnahme von 40 weiteren Todesopfern vorzubereiten.

Am schlimmsten traf der Tornado die Plaza Towers Elementary School im Stadtteil Moore, wo Dutzende Grundschüler getötet oder verletzt wurden. Bis zum Anbruch der Dunkelheit am Montag hatten die Behörden das ganze Ausmaß der Katastrophe noch gar nicht erfassen können. Über Nacht suchte man mit Taschenlampen panisch nach Überlebenden. Etwas mehr Licht gab es zeitweise aus den Scheinwerfern der Helikopter, die über der gespenstischen Szene knatterten. Das örtliche Stromnetz war bereits seit Landgang des Wirbelsturms zusammengebrochen.

Sharlyn des Dorfes Heller - fehlt, entführt, gerettet

Das achtjährige Mädchen aus Hellersdorf, das am Montag elf Stunden vermisst worden war, wurde in die Wohnung eines Mannes gelockt. Als Beamte sich Zugang zu der Wohnung verschafften, wollte dieser sterben.
Es ist der Albtraum aller Eltern. Ein Kind spielt ganz in der Nähe seines Zuhauses und wird entführt. Genau das hat sich am Pfingstmontag in Hellersdorf ereignet. Die achtjährige Sharlyn, die elf Stunden lang vermisst worden war, bevor sie von selbst wieder zu ihren Großeltern zurückkehrte, ist von einem fremden, 25-jährigen Mann in dessen Parterrewohnung gelockt worden. Dort hat der Entführer dem Kind aber nach den bisherigen Ermittlungen nichts angetan, sondern es später wieder freigelassen. Am Dienstag sprachen Polizeiexperten mit dem Mädchen, danach führte es die Beamten zu der Wohnung des Mannes.
Als dieser nicht öffnete, brachen sie die Tür auf. Der Verdächtige lag verletzt im Bad. Er hatte kurz zuvor einen Suizidversuch unternommen.
Der 25-Jährige liegt seither in einer Klinik. Er soll keine lebensgefährlichen Verletzungen haben, war laut Polizei bis Dienstagabend aber noch nicht ansprechbar. Ob er bereits wegen früherer Delikte polizeibekannt ist, konnten die Ermittler noch nicht sagen. Er soll am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden.
Wie berichtet, hatte das Mädchen am Montagvormittag die Wohnung seiner Großeltern verlassen, bei denen es nach der Trennung der Eltern seit zwei Monaten lebt. Gemäß seiner Erzählung hatte der mutmaßliche Entführer das Kind auf dem Spielplatz angesprochen und offenbar derart eingeschüchtert, dass es seinem Willen nachkam und ihm in seine Wohnung in der Nachbarschaft folgte. Dort habe sie stundenlang mit dem Mann vor dem Fernseher gesessen, dieser habe sie nicht angefasst und nicht körperlich bedrängt, aber am Abend dann „der Wohnung verwiesen“, berichtete die Achtjährige. In dieser Zeit wurde sie von der Polizei bei einer spektakulären Aktion mit einem Großaufgebot gesucht. Auch Hundestaffeln und ein Hubschraubern waren im Einsatz. Außerdem veröffentlichte die Polizei ein Foto des Mädchens im Internet.
Ein Polizeisprecher sagte am Dienstag, der Bericht des Mädchens sei „völlig glaubwürdig“. Psychologisch geschulte Kollegen der Vermisstenstelle hätten Sharlyn „sehr eingehend“ befragt, sie sei sexuell nicht missbraucht worden. Deshalb sei auch nicht vorgesehen, dies medizinisch zu überprüfen. Die Beamten hätten die Achtjährige als zurückhaltend und ruhig beschrieben. Gesundheitlich gehe es dem Kind nach seiner Rückkehr gut.
Seine Oma war vor Erleichterung zusammengebrochen, als die Kleine gegen 22 Uhr wieder an der Wohnungstür klingelte.

Die Wohnung des mutmaßlichen Täters liegt an der Ernst-Bloch-Straße. Der 25-Jährige ist nach den bisherigen Erkenntnissen der Mieter. Weshalb er kurz vor dem Eindringen der Polizei versuchte, sich die Pulsader aufzuschneiden, war bis Redaktionsschluss noch unklar.
Die Ermittlungen bei Kindesentführungen koordiniert die Vermisstenstelle der Polizei. In Berlin und Brandenburg gab es in den vergangenen Jahren aber nur wenige solcher Fälle. Die meisten Schlagzeilen machte im Februar 2011 die Entführung der vierjährigen Carolina in Kleinmachnow. Der Täter, ein hoch verschuldeter Zehlendorfer Geschäftsmann, hatte die Mutter vor der Kita mit einer Sense bedroht, das Kind an sich gerissen und war im Auto davongerast. Dann erpresste er von den Eltern 60 000 Euro. Später wurde der Mann zu neun Jahren Haft verurteilt.