Eins ist klar: Die Galerie C/O Berlin muss aus dem alten Postfuhramt an der Oranienburger Straße in Mitte ausziehen, und das bald. Ein aussichtsreicher Kandidat scheint das Amerika-Haus in Charlottenburg zu sein. Das aus den 50er Jahren stammende Baudenkmal am Bahnhof Zoo wird zum Jahreswechsel frei, weil der dreijährige Nutzungsvertrag des Regionalmanagements City West ausläuft. Für die Fotogalerie C/O bestätigte am Donnerstag deren Sprecher Mirko Nowak das Interesse an dem Standort. Es handele sich allerdings „um eine Option unter vielen“.
Noch im August hatte sich C/O-Leiter Stefan Erfurt, wie berichtet, gegen einen Standort am Bahnhof Zoo und generell gegen einen Umzug in einen anderen Bezirk ausgesprochen: Man benötige die „Besucheranbindung“ in Mitte.
Nach wie vor ist die renommierte Fotogalerie auch am ehemaligen Kunsthaus Tacheles an der Oranienburger Straße interessiert. Die schwierige Suche nach neuen Ausstellungshallen habe inzwischen aber auch dazu geführt, dass unter anderem ein Umzug nach Charlottenburg, nach Kreuzberg oder in die alte Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg erwogen werde, sagt Sprecher Nowak. Die Senatskulturverwaltung unterstütze die Bemühungen, Staatssekretär André Schmitz sei „stark engagiert“.
Der Sprecher der Senatskulturverwaltung, Günter Kolodziej, bestätigte „konstruktive Gespräche“ über einen Umzug ins Amerika-Haus. Wie der Tagesspiegel aus mehreren anderen Quellen erfuhr, hat sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vorbehalten, im Erfolgsfall den Durchbruch zu verkünden. Deshalb gibt es aus den beteiligten Landesinstitutionen derzeit nur spärliche Auskünfte. Der Liegenschaftsfonds teilte mit, die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Amerika-Hauses sei noch nicht gefallen.
Nach wie vor ist geplant, die bisher nahe der Urania ansässige Landeszentrale für politische Bildung im Amerika- Haus anzusiedeln. Dem Vernehmen nach könne dieser rund ein Drittel der Fläche genügen. Die C/O-Galerie könnte das Foyer, den größten Teil des Veranstaltungsaals, die zweite Etage und wohl auch Kellerräume als Lager nutzen. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Kulturstadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) zeigte sich überrascht, aber erfreut über die Idee. „Das passt“, sagte er und wies auf die Nachbarschaft zum Museum für Fotografie der Helmut-Newton-Stiftung in der Jebensstraße am Bahnhof Zoo hin.
Das Amerika-Haus war einst ein Informations- und Kulturzentrum der USA. Der derzeitige Mieter, das Regionalmanagement City West, zieht provisorisch in das nahe Bürogebäude „City Light House“ um und sucht noch einen dauerhaften neuen Standort.
Im Postfuhramt hat der neue Eigentümer, der Medizintechnikhersteller Biotronik aus Neukölln, sowohl der Galerie C/O als auch dem Club „Department“ zum Jahresende gekündigt. Doch die Galerie will erst im Frühjahr 2013 ausziehen: „Der Mietvertrag gilt aus unserer Sicht bis Ende März“, sagt Sprecher Nowak. Dementsprechend sollen die laufende Joel-Sternfeld-Retrospektive und die Ausstellung zum „Deutsche Börse Photography Prize 2012“ bis zum 13. Januar gezeigt werden. Anschließend sind zwei weitere Ausstellungen geplant.
Seit dem Jahr 2000 hat C/O jährlich bis zu 15 Ausstellungen gezeigt, darunter etwa Fotos von Annie Leibowitz, Karl Lagerfeld und Robert Mapplethorpe.Rund 70 mögliche Ersatzstandorte haben die drei Gründer erfolglos geprüft. Ihr Favorit war die Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße. Zuletzt wollten sie alte Atelierhäuser im Monbijoupark nutzen. Dafür gab es einen einstimmigen Beschluss der BVV Mitte, aber dann stoppte das Bezirksamt das Vorhaben wegen eines fehlenden Bebauungsplans.
Im „Department“ dreht sich die Discokugel nur noch an vier Wochenenden, anders als die Galerie muss der Club wohl zum Jahresende schließen. Geschäftsführer Felix Brandts rechnet damit, „dass wir Silvester hier die letzte große Party feiern“. Die Hoffnung auf eine Verlängerung hätten er und sein Geschäftspartner Tawan Tehrani aufgegeben. Der Club in dem großen Kuppelsaal gehörte zu einer der beliebtesten Party-Locations in Berlin.
Erst vor knapp einem Jahr hatten Tehrani und Brandt das „Department“ eröffnet, das früher als „Rodeo“ bekannt war. Bereits die vormaligen Betreiber Martin Hötzl und Daniel Bertzen erlebten ein ewiges Hin und Her, weil nie klar war, wann mit dem Umbau des Postfuhramts begonnen wird. Alle paar Monate wurde eine neue Abschiedsparty gefeiert. Doch Silvester, so scheint es, wird es tatsächlich die letzte sein.
Auch Tehrani und Brandts begeben sich nun wieder auf die Suche nach einer neuen Location.
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Thursday, December 6, 2012
Cleared den Ring, kommt das Christkind
Hereinspaziert zum Staunen, Lachen und Träumen: Traditionell zur Adventszeit beginnt die Saison der großen und kleinen Weihnachtszirkusse in Berlin.
Information zum DatenschutzWenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter oder Google in die USA übertragen und unter Umständen auch dort gespeichert.Soziale Netzwerke dauerhaft einschaltenDauerhaft aktivieren und Datenübertragung zustimmen oder deaktivieren:Facebook aktivierenTwitter aktivierenGoogle+ aktivierenWeihnachtszirkus, Roncalli,William,CabuwaziKeine Geburtstagsparty ohne Flaschendrehen, das Spiel kennt jedes Kind. Doch wer kann über die gläsernen Hälse aufrechtstehender Bierflaschen einmal rundherum im Kreis spazieren und tanzen? Diesen Flaschenlauf bringt derzeit – angeblich als Einziger weltweit – nur Michael Ortmeier fertig. Und dabei hat der 27-jährige Bayer ein berühmtes historisches Vorbild. Schon im frühen 19. Jahrhundert verblüffte der französische Artist Jean-Baptiste Auriol im Pariser Cirque Olympique sein Publikum mit dieser Balancenummer. Kaum einer hat’s nach dem Franzosen erneut perfekt vorgeführt – bis zur Adventssaison 2012. Ab 19. Dezember zeigt Michael Ortmeier das Kunststück fast täglich in der Manege des Roncalli-Weihnachtszirkus im Tempodrom.
Herrreinspaziert! Was für ein Zirkus, was für ein Spektakel! In der Adventszeit und über die Feiertage bis zur ersten Januarwoche kann man wieder staunen, lachen und träumen in Berlin. Immer wenn das Christkind naht, beginnt die Saison der großen und kleinen Weihnachtszirkusse in der Stadt. Schließlich gehört das Manegenvergnügen für viele Familien so selbstverständlich zum Fest wie der Weihnachtsbraten. Man hat allerdings die Qual der Wahl. Insgesamt sieben Zirkusshows sind im Angebot.
Beim Zirkus Roncalli, der zum neunten Male in Berlin gastiert, kehrt der 65-jährige Unternehmensgründer und Direktor Bernhard Paul zurück in die Manege, setzt seine Knollennase auf und spielt nach einer längeren Auszeit wieder seine Paraderolle: den Clown Zippo. Und zwar gemeinsam mit dem belgischen Clownstar Jan van Dyke. Keine Frage: Auch den Klassiker „Bienchen, Bienchen, gib mir Honig“ geben die beiden zum Besten.
Was zaubert Roncalli-Chef Paul während der Show noch aus seiner Wundertüte? Etliche neue Artisten hat er verpflichtet, so den Schweizer Claude Criblez, der wundersame Flugobjekte durch die Luft steuert. Oder die Kolumbianer Los Nablos auf dem Teufelsrad, Pony-Flüsterer Karl Trunk mit Shetty „Chocolate“, Leonid Beljakow mit seinem dressierten Boxer-Weibchen „Klitschko“ – und eben Flaschenläufer Michael Ortmeier. Den hat Bernhard Paul vom Fleck weg engagiert, als der junge Kunstturner und Geograf sein Können vor einem Jahr in der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ erstmals öffentlich zeigte. Noch während der Sendung rief Paul Showmaster Thomas Gottschalk an und verkündete, dass er auf einen Nachfolger von Jean-Baptiste Auriol schon lange gewartet habe. Ortmeier hatte den Job.
Die zweite zirzensische Weihnachtsbescherung ist ab 14. Dezember am Olympiastadion zu sehen. Dort hat der „Berliner Weihnachts-Circus“ bereits zum 18. Mal sein großes Zelt aufgebaut. Erneut stehen, bunt gemixt mit Artistik, außergewöhnliche Tierdressuren im Mittelpunkt. Elefanten, Giraffen, Nashörner, Kamele und Flusspferde marschieren auf, eine Provokation für manche Tierschützer. Doch der Zirkus geht in die Offensive, verweist auf seine „artgerechte Tierhaltung“. Was noch zum Programm gehört? Pferdedressuren, ulkige Hundenummern, Stunts in der Motorradkugel, fliegende Akrobaten, das Live-Orchester.
Die Nummern drei und vier im Manegenreigen heißen „Menschen, Tiere, Sensationen“, kurz: MTS, und Zirkus Williams. „MTS“ hat Tradition, gehört seit Jahrzehnten zum Berliner Advent und wird vom Zirkus Berolina ab 22. Dezember in Waltersdorf bei Schönefeld präsentiert. Große Pferdedressuren wie einst zur Kaiserzeit sind zu bewundern, auch viel Artistik vom Salto Mortale am Trapez bis zu Hochseilradlern. Die Williams-Show „Zirkusträume“ startet mit einem Mix aus Dressuren und Artistik am 20. Dezember in Hohenschönhausen.
Aber Zirkus macht auch im kleineren Rahmen Laune. So bei den Kinder- und Jugendzirkussen „Schatzinsel“ und „Cabuwazi“. Im Kreuzberger Schatzinsel-Zelt kann man einen „wundersamen Weihnachtsmarkt“ erleben, in den Cabuwazi-Zelten in Friedrichshain, Treptow, Altglienicke und Marzahn gibt es jeweils verschiedene Programme – in Treptow beispielsweise droht ein Weihnachtsmuffel das Fest zu vermiesen. Und die Nachwuchskünstler von Cabuwazi in Marzahn spielen sogar auf einer ganz großen Bühne mit: bei der Adventsshow des Wintergarten-Varietés „Zimt & Zauber“.
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Herrreinspaziert! Was für ein Zirkus, was für ein Spektakel! In der Adventszeit und über die Feiertage bis zur ersten Januarwoche kann man wieder staunen, lachen und träumen in Berlin. Immer wenn das Christkind naht, beginnt die Saison der großen und kleinen Weihnachtszirkusse in der Stadt. Schließlich gehört das Manegenvergnügen für viele Familien so selbstverständlich zum Fest wie der Weihnachtsbraten. Man hat allerdings die Qual der Wahl. Insgesamt sieben Zirkusshows sind im Angebot.
Beim Zirkus Roncalli, der zum neunten Male in Berlin gastiert, kehrt der 65-jährige Unternehmensgründer und Direktor Bernhard Paul zurück in die Manege, setzt seine Knollennase auf und spielt nach einer längeren Auszeit wieder seine Paraderolle: den Clown Zippo. Und zwar gemeinsam mit dem belgischen Clownstar Jan van Dyke. Keine Frage: Auch den Klassiker „Bienchen, Bienchen, gib mir Honig“ geben die beiden zum Besten.
Was zaubert Roncalli-Chef Paul während der Show noch aus seiner Wundertüte? Etliche neue Artisten hat er verpflichtet, so den Schweizer Claude Criblez, der wundersame Flugobjekte durch die Luft steuert. Oder die Kolumbianer Los Nablos auf dem Teufelsrad, Pony-Flüsterer Karl Trunk mit Shetty „Chocolate“, Leonid Beljakow mit seinem dressierten Boxer-Weibchen „Klitschko“ – und eben Flaschenläufer Michael Ortmeier. Den hat Bernhard Paul vom Fleck weg engagiert, als der junge Kunstturner und Geograf sein Können vor einem Jahr in der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ erstmals öffentlich zeigte. Noch während der Sendung rief Paul Showmaster Thomas Gottschalk an und verkündete, dass er auf einen Nachfolger von Jean-Baptiste Auriol schon lange gewartet habe. Ortmeier hatte den Job.
Die zweite zirzensische Weihnachtsbescherung ist ab 14. Dezember am Olympiastadion zu sehen. Dort hat der „Berliner Weihnachts-Circus“ bereits zum 18. Mal sein großes Zelt aufgebaut. Erneut stehen, bunt gemixt mit Artistik, außergewöhnliche Tierdressuren im Mittelpunkt. Elefanten, Giraffen, Nashörner, Kamele und Flusspferde marschieren auf, eine Provokation für manche Tierschützer. Doch der Zirkus geht in die Offensive, verweist auf seine „artgerechte Tierhaltung“. Was noch zum Programm gehört? Pferdedressuren, ulkige Hundenummern, Stunts in der Motorradkugel, fliegende Akrobaten, das Live-Orchester.
Die Nummern drei und vier im Manegenreigen heißen „Menschen, Tiere, Sensationen“, kurz: MTS, und Zirkus Williams. „MTS“ hat Tradition, gehört seit Jahrzehnten zum Berliner Advent und wird vom Zirkus Berolina ab 22. Dezember in Waltersdorf bei Schönefeld präsentiert. Große Pferdedressuren wie einst zur Kaiserzeit sind zu bewundern, auch viel Artistik vom Salto Mortale am Trapez bis zu Hochseilradlern. Die Williams-Show „Zirkusträume“ startet mit einem Mix aus Dressuren und Artistik am 20. Dezember in Hohenschönhausen.
Aber Zirkus macht auch im kleineren Rahmen Laune. So bei den Kinder- und Jugendzirkussen „Schatzinsel“ und „Cabuwazi“. Im Kreuzberger Schatzinsel-Zelt kann man einen „wundersamen Weihnachtsmarkt“ erleben, in den Cabuwazi-Zelten in Friedrichshain, Treptow, Altglienicke und Marzahn gibt es jeweils verschiedene Programme – in Treptow beispielsweise droht ein Weihnachtsmuffel das Fest zu vermiesen. Und die Nachwuchskünstler von Cabuwazi in Marzahn spielen sogar auf einer ganz großen Bühne mit: bei der Adventsshow des Wintergarten-Varietés „Zimt & Zauber“.
Sunday, November 25, 2012
Triebwerksausfall nach der Kollision mit einem Schwarm Gänse
Schäden durch Zusammenstöße mit großen Vögeln bleiben ein Problem der Fliegerei. Doch einen ähnlich schweren Zwischenfall wie jetzt hat es an Berlins Flughäfen seit Jahren nicht gegeben.
Ein Gänseschwarm war die Ursache für den Triebwerkausfall an einem Airbus A321 kurz nach dem Start in Tegel. Wie berichtet, hatten die 199 Passagiere des Lufthansa-Fluges LH 195 am Sonnabend bange Minuten erlebt, als die Maschine nach Tegel zurückkehrte. Die Piloten konnten den auch mit einem Triebwerk voll flugfähigen Jet aber sicher landen.
Kurz nach dem Start um 17.43 Uhr waren offenbar mehrere bis zu vier Kilo schwere Graugänse in eines der beiden Triebwerke geraten. Die Piloten entschlossen sich, das beschädigte Aggregat abzustellen und eine Notlage zu erklären, um möglichst schnell landen zu können. In knapp 1000 Metern Flughöhe drehte der Jet über Pankow eine Linkskurve und flog am nördlichen Stadtrand vorbei, um sich südlich von Nauen wieder auf den Landekurs zu begeben.
Weil der Lufthansa-Flug Vorrang erhielt, musste ein Airbus von Turkish Airlines aus Istanbul seinen Landeanflug abbrechen und eine Warterunde drehen.
Die Berliner Feuerwehr startete nach der Alarmierung durch die Flughafenwehr um 17.59 Uhr einen Großeinsatz. Auf das Stichwort „Notlandung droht“ fuhren 17 Fahrzeuge nach Tegel. In der Vergangenheit ist mehrfach die Kooperation geübt worden. Bei einem Einsatz hätte ein „Follow me“-Fahrzeug des Airports die Berliner Rettungswagen über das Areal zum richtigen Flugzeug gebracht. Doch am Sonnabend mussten die Helfer nicht eingreifen.
Der Jet rollte mit eigener Triebwerkskraft zurück ans Gate, sagte Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde. Der Umfang des Schadens wird noch untersucht. Die Mehrzahl der Passagiere flog gegen 20 Uhr mit einer Ersatzmaschine nach Frankfurt. Rund 20 Personen verzichteten auf einen erneuten Start.
Einen Zwischenfall mit Vögeln dieser Größe hat es laut Flughafen-Sprecher Lars Wagner in den letzten Jahren an Berlins Flughäfen nicht gegeben. Im Juli 2010 waren Reifen und Bremsen einer Maschine von EasyJet beschädigt worden, als die Piloten in Schönefeld wegen eines nahenden Vogelschwarms den Start abbrachen. Schäden durch Zusammenstöße mit größeren Vögeln sind ein großes Problem der Fliegerei. Nach der Statistik des Deutschen Ausschusses zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr (DAVVL) gab es 2010 mit deutschen Flugzeugen 1298 festgestellte Kollisionen. Dabei kam es statistisch gesehen täglich – in 367 Fällen – zu Schäden. Geschäftsführer Christoph Morgenroth hat hochgerechnet, dass allein den deutschen Airlines so jährliche Kosten zwischen 18 und 45 Millionen Euro entstehen.
In Berlin gibt es wie an den meisten Flughäfen einen Vogelschlagbeauftragten. Zwischen Startbahnen und Rollwegen lässt man das Gras hoch wachsen, weil die Vögel dann kein Futter sehen, Feinde am Boden befürchten und die Bereiche meiden. Zusätzlich werden Vögel mit Böllern vertrieben, in Schönefeld gibt es sogar drei fest installierte „Schreckknallanlagen“. Gegen Schwärme im Umfeld der Flughäfen sei man aber machtlos, sagt Lars Wagner. Graugänse sind in Flughöhen bis zu einem Kilometer anzutreffen.
Piloten werden vom DAVVL durch regelmäßige Vorhersagen gewarnt. Besonders gefährlich sind die Zugzeiten im Frühjahr und im Herbst. Zwar hat der saisonale Vogelzug seinen Höhepunkt überschritten, doch ist das Risiko nach wie vor hoch, teilte der Ausschuss kürzlich mit. Größere Tiere können schwere Schäden hervorrufen, nicht immer geht es so glimpflich aus wie Samstagabend. So zertrümmerte eine Blässgans im April 2010 ein Cockpitfenster einer Boeing 737 der Air Berlin, die sich im Landeanflug auf Hamburg befand. Der Flugkapitän wurde durch Splitter verletzt. Im wohl spektakulärsten Fall musste im Januar 2009 ein Airbus A320 von US Airways in New York auf dem Hudson River notwassern, nachdem Kanadagänse beide Triebwerke demoliert hatten.
Ein Gänseschwarm war die Ursache für den Triebwerkausfall an einem Airbus A321 kurz nach dem Start in Tegel. Wie berichtet, hatten die 199 Passagiere des Lufthansa-Fluges LH 195 am Sonnabend bange Minuten erlebt, als die Maschine nach Tegel zurückkehrte. Die Piloten konnten den auch mit einem Triebwerk voll flugfähigen Jet aber sicher landen.
Kurz nach dem Start um 17.43 Uhr waren offenbar mehrere bis zu vier Kilo schwere Graugänse in eines der beiden Triebwerke geraten. Die Piloten entschlossen sich, das beschädigte Aggregat abzustellen und eine Notlage zu erklären, um möglichst schnell landen zu können. In knapp 1000 Metern Flughöhe drehte der Jet über Pankow eine Linkskurve und flog am nördlichen Stadtrand vorbei, um sich südlich von Nauen wieder auf den Landekurs zu begeben.
Weil der Lufthansa-Flug Vorrang erhielt, musste ein Airbus von Turkish Airlines aus Istanbul seinen Landeanflug abbrechen und eine Warterunde drehen.
Die Berliner Feuerwehr startete nach der Alarmierung durch die Flughafenwehr um 17.59 Uhr einen Großeinsatz. Auf das Stichwort „Notlandung droht“ fuhren 17 Fahrzeuge nach Tegel. In der Vergangenheit ist mehrfach die Kooperation geübt worden. Bei einem Einsatz hätte ein „Follow me“-Fahrzeug des Airports die Berliner Rettungswagen über das Areal zum richtigen Flugzeug gebracht. Doch am Sonnabend mussten die Helfer nicht eingreifen.
Der Jet rollte mit eigener Triebwerkskraft zurück ans Gate, sagte Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde. Der Umfang des Schadens wird noch untersucht. Die Mehrzahl der Passagiere flog gegen 20 Uhr mit einer Ersatzmaschine nach Frankfurt. Rund 20 Personen verzichteten auf einen erneuten Start.
Einen Zwischenfall mit Vögeln dieser Größe hat es laut Flughafen-Sprecher Lars Wagner in den letzten Jahren an Berlins Flughäfen nicht gegeben. Im Juli 2010 waren Reifen und Bremsen einer Maschine von EasyJet beschädigt worden, als die Piloten in Schönefeld wegen eines nahenden Vogelschwarms den Start abbrachen. Schäden durch Zusammenstöße mit größeren Vögeln sind ein großes Problem der Fliegerei. Nach der Statistik des Deutschen Ausschusses zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr (DAVVL) gab es 2010 mit deutschen Flugzeugen 1298 festgestellte Kollisionen. Dabei kam es statistisch gesehen täglich – in 367 Fällen – zu Schäden. Geschäftsführer Christoph Morgenroth hat hochgerechnet, dass allein den deutschen Airlines so jährliche Kosten zwischen 18 und 45 Millionen Euro entstehen.
In Berlin gibt es wie an den meisten Flughäfen einen Vogelschlagbeauftragten. Zwischen Startbahnen und Rollwegen lässt man das Gras hoch wachsen, weil die Vögel dann kein Futter sehen, Feinde am Boden befürchten und die Bereiche meiden. Zusätzlich werden Vögel mit Böllern vertrieben, in Schönefeld gibt es sogar drei fest installierte „Schreckknallanlagen“. Gegen Schwärme im Umfeld der Flughäfen sei man aber machtlos, sagt Lars Wagner. Graugänse sind in Flughöhen bis zu einem Kilometer anzutreffen.
Piloten werden vom DAVVL durch regelmäßige Vorhersagen gewarnt. Besonders gefährlich sind die Zugzeiten im Frühjahr und im Herbst. Zwar hat der saisonale Vogelzug seinen Höhepunkt überschritten, doch ist das Risiko nach wie vor hoch, teilte der Ausschuss kürzlich mit. Größere Tiere können schwere Schäden hervorrufen, nicht immer geht es so glimpflich aus wie Samstagabend. So zertrümmerte eine Blässgans im April 2010 ein Cockpitfenster einer Boeing 737 der Air Berlin, die sich im Landeanflug auf Hamburg befand. Der Flugkapitän wurde durch Splitter verletzt. Im wohl spektakulärsten Fall musste im Januar 2009 ein Airbus A320 von US Airways in New York auf dem Hudson River notwassern, nachdem Kanadagänse beide Triebwerke demoliert hatten.
Thursday, November 22, 2012
Berlin testet Blaulicht Fußgängerzone
Mit mehreren Modellprojekten will der Senat Fußgängern den Weg durch die Stadt erleichtern: Ampeln mit Blinklicht und Countdown gehören ebenso dazu wie "Begegnungszonen" mit Tempo 20 in mindestens zwei Bezirken.
Wo präsentiert man eine neuartige Fußgängerampel? Im Rotlichtviertel. Am Donnerstag nahm Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Stuttgarter Platz in Charlottenburg die erste von zunächst sechs Ampeln in Betrieb, die Fußgängern helfen sollen, Straßen sicherer und komfortabler als bisher zu überqueren. Weitere Ampeln mit neuartigen Schaltungen sollen demnächst folgen. Außerdem werden mindestens zwei Straßen modellhaft zu „Begegnungszonen“ umgestaltet, in denen Autos zum Langsamfahren gezwungen werden sollen. Alle Vorhaben sollen zunächst exemplarisch getestet werden. Ob sie ausgeweitet werden, wird erst später entschieden.
Mit den Modellprojekten wird die 2011 vom rot-roten Vorgängersenat beschlossene „Fußverkehrsstrategie“ umgesetzt, mit der die umweltfreundlichste und billigste Art der Fortbewegung erleichtert, aber auch die Alterung der Bevölkerung berücksichtigt werden sollen.
Die Ampel an der Kreuzung von Lewishamstraße, Kaiser-Friedrich-Straße und Stuttgarter Platz ist eine von dreien, an denen mit dem Ende der Grünphase das rote Licht für Fußgänger zunächst einige Sekunden lang blinkt. Es signalisiert Fußgängern, die Fahrbahn zu verlassen und nicht mehr zu starten. Ebensolche Schaltungen wurden an der Französischen / Charlottenstraße in Mitte und der Lietzenburger / Joachimstaler Straße in Wilmersdorf aktiviert. Sie sollen Fußgängern das ungute Gefühl beim Laufen über die schon rot zeigende Ampel nehmen – und Autofahrern zeigen, dass die Fußgänger noch zu Recht auf der Fahrbahn sind. Bernd Herzog-Schlagk vom Fachverband FUSS e. V. lobt das Pilotprojekt, weil es eine Art „Gelbphase“ für Fußgänger schafft: Schließlich würde es umgekehrt „keinem Fußgänger im Traum einfallen, Autofahrern zu drohen, wenn diese noch bei Gelb die Kreuzung verlassen“.
Als Alternative testet der Senat ab Anfang Dezember an drei Kreuzungen grün blinkende Fußgängerampeln. Die Botschaft: Gleich wird es Rot, so dass nur schnelle Fußgänger noch losgehen sollten. Diese Variante ist beispielsweise in den USA und Österreich längst üblich. In Berlin wird sie an dem Knoten am Bahnhof Jannowitzbrücke, an der Lüneburger / Paulstraße in Moabit und der Straße des 17. Juni / Yitzhak-Rabin-Straße erprobt. Dass der rein zufällige Premierenfußgänger am Stuttgarter Platz am Donnerstag beim Blinken des roten Ampelmannes zu rennen begannen, war nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Die sogenannte Räumzeit – also der Puffer, bis der Querverkehr Grün bekommt – soll bei neu programmierten Ampeln verlängert werden: Während der „Norm-Fußgänger“ bisher bei mindestens 1,2 Meter pro Sekunde (4,3 km/h) rechtzeitig das rettende Ufer erreicht, sollen künftig 1,0 Meter pro Sekunde (3,6 km/h) genügen.
Als weitere Neuerung werden im nächsten Jahr Ampeln mit einem dritten Feld installiert: Bevor die Fußgänger Rot bekommen, verschwinden nacheinander die Leuchtbalken eines stilisierten Zebrastreifens. Dass diese mutmaßlich erklärungsbedürftige Variante gewählt wurde und kein klassischer Countdown wie anderswo auf der Welt, begründete ein Verkehrsplaner mit den in Berlin üblichen Vorrangschaltungen für die BVG: Ein nahender Bus oder eine Tram könnte mit seiner Grün-Anforderung per Funk die bereits laufenden Sekundenzähler für die Fußgänger durcheinanderbringen.
Die ebenfalls seit 2011 geplanten „Begegnungszonen“ lassen allerdings noch auf sich warten: Wahrscheinlich 2014 sollen solche Bereiche in der Bergmannstraße (Kreuzberg) und der Maaßenstraße (Schöneberg) eingerichtet werden. Hauptbestandteil ist ein Tempolimit von 20 km/h, das durch Engstellen in der Fahrbahn auch durchgesetzt werden soll. Außerdem sind Parkverbote und/oder Mittelstreifen geplant, damit Fußgänger gefahrlos herumlaufen können. An Details wird noch gearbeitet. „Man muss sich auch mal ehrlich machen“, sagte Müller mit Blick auf das Vorhaben, das nur in Bereichen erprobt werden soll, in denen Fußgänger ohnehin längst in der Mehrheit sind. Stefan Jacobs
Wo präsentiert man eine neuartige Fußgängerampel? Im Rotlichtviertel. Am Donnerstag nahm Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Stuttgarter Platz in Charlottenburg die erste von zunächst sechs Ampeln in Betrieb, die Fußgängern helfen sollen, Straßen sicherer und komfortabler als bisher zu überqueren. Weitere Ampeln mit neuartigen Schaltungen sollen demnächst folgen. Außerdem werden mindestens zwei Straßen modellhaft zu „Begegnungszonen“ umgestaltet, in denen Autos zum Langsamfahren gezwungen werden sollen. Alle Vorhaben sollen zunächst exemplarisch getestet werden. Ob sie ausgeweitet werden, wird erst später entschieden.
Mit den Modellprojekten wird die 2011 vom rot-roten Vorgängersenat beschlossene „Fußverkehrsstrategie“ umgesetzt, mit der die umweltfreundlichste und billigste Art der Fortbewegung erleichtert, aber auch die Alterung der Bevölkerung berücksichtigt werden sollen.
Die Ampel an der Kreuzung von Lewishamstraße, Kaiser-Friedrich-Straße und Stuttgarter Platz ist eine von dreien, an denen mit dem Ende der Grünphase das rote Licht für Fußgänger zunächst einige Sekunden lang blinkt. Es signalisiert Fußgängern, die Fahrbahn zu verlassen und nicht mehr zu starten. Ebensolche Schaltungen wurden an der Französischen / Charlottenstraße in Mitte und der Lietzenburger / Joachimstaler Straße in Wilmersdorf aktiviert. Sie sollen Fußgängern das ungute Gefühl beim Laufen über die schon rot zeigende Ampel nehmen – und Autofahrern zeigen, dass die Fußgänger noch zu Recht auf der Fahrbahn sind. Bernd Herzog-Schlagk vom Fachverband FUSS e. V. lobt das Pilotprojekt, weil es eine Art „Gelbphase“ für Fußgänger schafft: Schließlich würde es umgekehrt „keinem Fußgänger im Traum einfallen, Autofahrern zu drohen, wenn diese noch bei Gelb die Kreuzung verlassen“.
Als Alternative testet der Senat ab Anfang Dezember an drei Kreuzungen grün blinkende Fußgängerampeln. Die Botschaft: Gleich wird es Rot, so dass nur schnelle Fußgänger noch losgehen sollten. Diese Variante ist beispielsweise in den USA und Österreich längst üblich. In Berlin wird sie an dem Knoten am Bahnhof Jannowitzbrücke, an der Lüneburger / Paulstraße in Moabit und der Straße des 17. Juni / Yitzhak-Rabin-Straße erprobt. Dass der rein zufällige Premierenfußgänger am Stuttgarter Platz am Donnerstag beim Blinken des roten Ampelmannes zu rennen begannen, war nicht vorgesehen. Im Gegenteil: Die sogenannte Räumzeit – also der Puffer, bis der Querverkehr Grün bekommt – soll bei neu programmierten Ampeln verlängert werden: Während der „Norm-Fußgänger“ bisher bei mindestens 1,2 Meter pro Sekunde (4,3 km/h) rechtzeitig das rettende Ufer erreicht, sollen künftig 1,0 Meter pro Sekunde (3,6 km/h) genügen.
Als weitere Neuerung werden im nächsten Jahr Ampeln mit einem dritten Feld installiert: Bevor die Fußgänger Rot bekommen, verschwinden nacheinander die Leuchtbalken eines stilisierten Zebrastreifens. Dass diese mutmaßlich erklärungsbedürftige Variante gewählt wurde und kein klassischer Countdown wie anderswo auf der Welt, begründete ein Verkehrsplaner mit den in Berlin üblichen Vorrangschaltungen für die BVG: Ein nahender Bus oder eine Tram könnte mit seiner Grün-Anforderung per Funk die bereits laufenden Sekundenzähler für die Fußgänger durcheinanderbringen.
Die ebenfalls seit 2011 geplanten „Begegnungszonen“ lassen allerdings noch auf sich warten: Wahrscheinlich 2014 sollen solche Bereiche in der Bergmannstraße (Kreuzberg) und der Maaßenstraße (Schöneberg) eingerichtet werden. Hauptbestandteil ist ein Tempolimit von 20 km/h, das durch Engstellen in der Fahrbahn auch durchgesetzt werden soll. Außerdem sind Parkverbote und/oder Mittelstreifen geplant, damit Fußgänger gefahrlos herumlaufen können. An Details wird noch gearbeitet. „Man muss sich auch mal ehrlich machen“, sagte Müller mit Blick auf das Vorhaben, das nur in Bereichen erprobt werden soll, in denen Fußgänger ohnehin längst in der Mehrheit sind. Stefan Jacobs
Dahlem Gesundbrunnen
Auf dem früheren Klinikgelände des Oskar-Helene-Heims wird gebaut: Investoren planen ein medizinisches Zentrum und ein Wohnviertel. Und nebenan rollen die Bagger für zwei weitere Projekte.
Berlin - Vom traditionsreichen Oskar-Helene-Heim (OHH) ist nicht mehr viel übrig. Seit die Klinik 1999 ins Behring-Krankenhaus verlagert wurde, gibt es auf dem Gelände neben dem gleichnamigen U-Bahnhof in Zehlendorf nur noch einige Arztpraxen und eine Filmfirma, die leer stehende OP-Säle zum Beispiel als Kulissen für „Tatort“-Krimis nutzt. Bis 2014 soll aber wieder mehr Leben einkehren: Am Donnerstag stellten Investoren ihre Pläne für eine Wohnsiedlung und einen Gesundheitsstandort vor.
Das Bauvorhaben ist eines von dreien rund um die Clayallee: Auf der Truman Plaza, wo früher das Deutsch-Amerikanische Volksfest gefeiert wurde, errichtet der Investor Stofanel zurzeit umstrittene große Geschäftshäuser und die Luxuswohnsiedlung „Fünf Morgen Urban Village“.
Auch gegenüber, im einstigen Berliner Hauptquartier der US-Armee, haben Arbeiten für ein Wohnungsbauprojekt namens „Metropolitan Gardens“ begonnen.
Im südlichen Teil des elf Hektar großen Geländes des Oskar-Helene-Heims plant die Berliner Firma „Die Wohnkompanie“ 30 Doppel- und Reihenhäuser sowie zehn weitere Gebäude mit 100 Miet- und Eigentumswohnungen, die laut Geschäftsführer Stephan Allner „für einen Kapitalanleger reserviert“ sind. Die Reihenhäuser im künftigen „Oskar-Helene-Park“ entstehen zur Clayallee hin, zusätzlich gepflanzte Bäume sollen sie vom Lärm der verkehrsreichen Straße abschirmen. Wohnungskäufer werden dort 3800 bis 4450 Euro je Quadratmeter zahlen. Teurer sind die einzelnen Häuser mit bis zu 5200 Euro je Quadratmeter. Als Zielgruppe gelten vor allem „Zehlendorfer der Generation 50 plus“.
Im nördlichen Teil am U-Bahnhof entsteht der Gesundheits-Campus. Diese Idee liegt nicht nur geschichtlich nahe, der Bezirk hatte eine mindestens 50-prozentige Nutzung für medizinische Zwecke auch vorgeschrieben. Steglitz-Zehlendorf hat den stadtweit höchsten Altersdurchschnitt. Andererseits gibt es dort es eine Überversorgung mit Arztpraxen. Deshalb betonen die Planer, man wolle nur Ärzte aus Zehlendorf ansiedeln. „Die Mediziner sollen etwa aus einem Umkreis von drei Kilometer kommen“, sagte Peter Wulff, der sich mit seiner Blue Health GmbH auf den ambulanten Gesundheitsmarkt spezialisiert hat. Er entwickelt das Projekt mit der Planungsgesellschaft KEC des Architekten Jürgen Kahl.
Unter dem Titel „eins – alles für die Gesundheit“ sind eine Privatklinik für Orthopädie und Chirurgie, ein „Meridian Spa“-Wellnesszentrum, ein Radiologie- und ein Krebszentrum und weitere Praxisbereiche geplant. Die momentan auf dem Gelände ansässigen Sport- und Fachärzte können bleiben und erhalten während der Bauzeit provisorische Praxisräume. Außerdem laufen Verhandlungen für ein Vier-Sterne-Hotel mit 110 Zimmern – alternativ ist ein Pflegeheim angedacht. Darüber hinaus gehören eine Apotheke, ein Reformhaus und ein Sanitätsgeschäft zum Konzept.
Ein Ärztehaus ist aber auch nebenan auf der Truman Plaza geplant. Mit dem dortigen Investor Stofanel haben die OHH-Bauherren eine Kooperation vereinbart. Diese sieht vor, dass bestimmte Fachrichtungen nur auf einen der beiden Standorte ziehen.
Die Baugenehmigung für das Oskar-Helene-Heim liegt noch nicht vor, doch laut Bezirksbaustadtrat Norbert Schmidt (CDU) ist nur noch „etwas Feinabstimmung“ notwendig. Die Investoren wollen im Winter mit den Arbeiten starten. Unberührt bleibt die geschützte große Waldfläche im Westen, an deren Rand ein öffentlicher Fuß- und Radweg den Fischtalpark mit dem U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim verbinden soll. Auch die alte Direktorenvilla und ein Schwesternwohnheim bleiben stehen – alles andere wird abgerissen.
Berlin - Vom traditionsreichen Oskar-Helene-Heim (OHH) ist nicht mehr viel übrig. Seit die Klinik 1999 ins Behring-Krankenhaus verlagert wurde, gibt es auf dem Gelände neben dem gleichnamigen U-Bahnhof in Zehlendorf nur noch einige Arztpraxen und eine Filmfirma, die leer stehende OP-Säle zum Beispiel als Kulissen für „Tatort“-Krimis nutzt. Bis 2014 soll aber wieder mehr Leben einkehren: Am Donnerstag stellten Investoren ihre Pläne für eine Wohnsiedlung und einen Gesundheitsstandort vor.
Das Bauvorhaben ist eines von dreien rund um die Clayallee: Auf der Truman Plaza, wo früher das Deutsch-Amerikanische Volksfest gefeiert wurde, errichtet der Investor Stofanel zurzeit umstrittene große Geschäftshäuser und die Luxuswohnsiedlung „Fünf Morgen Urban Village“.
Auch gegenüber, im einstigen Berliner Hauptquartier der US-Armee, haben Arbeiten für ein Wohnungsbauprojekt namens „Metropolitan Gardens“ begonnen.
Im südlichen Teil des elf Hektar großen Geländes des Oskar-Helene-Heims plant die Berliner Firma „Die Wohnkompanie“ 30 Doppel- und Reihenhäuser sowie zehn weitere Gebäude mit 100 Miet- und Eigentumswohnungen, die laut Geschäftsführer Stephan Allner „für einen Kapitalanleger reserviert“ sind. Die Reihenhäuser im künftigen „Oskar-Helene-Park“ entstehen zur Clayallee hin, zusätzlich gepflanzte Bäume sollen sie vom Lärm der verkehrsreichen Straße abschirmen. Wohnungskäufer werden dort 3800 bis 4450 Euro je Quadratmeter zahlen. Teurer sind die einzelnen Häuser mit bis zu 5200 Euro je Quadratmeter. Als Zielgruppe gelten vor allem „Zehlendorfer der Generation 50 plus“.
Im nördlichen Teil am U-Bahnhof entsteht der Gesundheits-Campus. Diese Idee liegt nicht nur geschichtlich nahe, der Bezirk hatte eine mindestens 50-prozentige Nutzung für medizinische Zwecke auch vorgeschrieben. Steglitz-Zehlendorf hat den stadtweit höchsten Altersdurchschnitt. Andererseits gibt es dort es eine Überversorgung mit Arztpraxen. Deshalb betonen die Planer, man wolle nur Ärzte aus Zehlendorf ansiedeln. „Die Mediziner sollen etwa aus einem Umkreis von drei Kilometer kommen“, sagte Peter Wulff, der sich mit seiner Blue Health GmbH auf den ambulanten Gesundheitsmarkt spezialisiert hat. Er entwickelt das Projekt mit der Planungsgesellschaft KEC des Architekten Jürgen Kahl.
Unter dem Titel „eins – alles für die Gesundheit“ sind eine Privatklinik für Orthopädie und Chirurgie, ein „Meridian Spa“-Wellnesszentrum, ein Radiologie- und ein Krebszentrum und weitere Praxisbereiche geplant. Die momentan auf dem Gelände ansässigen Sport- und Fachärzte können bleiben und erhalten während der Bauzeit provisorische Praxisräume. Außerdem laufen Verhandlungen für ein Vier-Sterne-Hotel mit 110 Zimmern – alternativ ist ein Pflegeheim angedacht. Darüber hinaus gehören eine Apotheke, ein Reformhaus und ein Sanitätsgeschäft zum Konzept.
Ein Ärztehaus ist aber auch nebenan auf der Truman Plaza geplant. Mit dem dortigen Investor Stofanel haben die OHH-Bauherren eine Kooperation vereinbart. Diese sieht vor, dass bestimmte Fachrichtungen nur auf einen der beiden Standorte ziehen.
Die Baugenehmigung für das Oskar-Helene-Heim liegt noch nicht vor, doch laut Bezirksbaustadtrat Norbert Schmidt (CDU) ist nur noch „etwas Feinabstimmung“ notwendig. Die Investoren wollen im Winter mit den Arbeiten starten. Unberührt bleibt die geschützte große Waldfläche im Westen, an deren Rand ein öffentlicher Fuß- und Radweg den Fischtalpark mit dem U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim verbinden soll. Auch die alte Direktorenvilla und ein Schwesternwohnheim bleiben stehen – alles andere wird abgerissen.
Weihnachtsbaum am Haken
Feierstimmung in Mariendorf: Die Fichte für den Breitscheidplatz ist gefällt. Zwölf Männer und acht Liter Glühwein – ein Ortstermin.
Nein, nein, dass der Baum endlich weg ist, sei eine prima Sache, sagt die Nachbarin, als alles vorbei ist und der Weihnachtsbaum auf dem Tieflader liegt. So ein Flachwurzler direkt am Haus sei schließlich nicht ungefährlich, keinen Halt in der Erde, die Wurzeln drücken gegen den Keller, alles nicht so dolle. Wenn dann noch die Sitkalaus den Baum befällt, reicht ein Sturm und das Dach ist kaputt, na schönen Dank.
Mariendorf, Donnerstagmorgen: Reinhold Becker, 65, graue Haare, goldene Brille, Baumspender für den Weihnachtsmarkt: „Das ist keine Tanne, sondern eine Stechfichte, aber schreiben Sie ruhig Tanne“, empfiehlt er. Viel wichtiger ist doch, dass der Baum, der am heutigen Freitag auf dem Breitscheidplatz aufgestellt werden soll, den Menschen Freude macht, wenn der Weihnachtsmarkt am 26. November startet.
Also endlich mal ein richtiger Baum an der Gedächtniskirche und keine Abknicktanne. Auch keine Kunstbäume aus Schrott oder leuchtende Plastikkegel. Mit anderen Worten: ein Baum, wie er selten auf dem Breitscheidplatz zu sehen ist – ein guter Baum. Und die nächste gute Nachricht ist nicht fern: Nadelbäume sind in Berlin nicht geschützt, Herr Becker kann einfach drauflosfällen lassen.
Alles super in Mariendorf also, und wenn es nach Herrn Becker geht, beginnt die Party gleich heute. Acht Liter Glühwein hat er besorgt, für Anwohner und Handwerker, von denen ein gutes Dutzend um den 15 Meter hohen Baum herumsteht, raucht, friert, nichts trinkt.
Jetzt kommt der Kran, zwölf Tonnen pro Achse, macht bei vier Achsen insgesamt 48 Tonnen, sagt der Firmenchef, ein Mann der Zahlen, signalrote Jacke. Mit sieben Mann sei man „angetreten“, entschlossen blickende Arbeiter, die nicht den Eindruck erwecken, als könne irgendwas schiefgehen. „Wir sind schließlich Profis“, sagt einer von ihnen, tritt auf die Straße und beginnt mit wuchtigen Bewegungen, den Verkehr umzulenken. Als die Fotografen kommen, zuppelt der Chef einer Tischlerei das Werbeschild seiner Firma vor deren Objektive. „Das machen wir hier immer so“, sagt er. Aber auch die Arbeitnehmerseite hat medial aufgerüstet: Im Kran-Führerhäuschen weht die rote Fahne der IG Bau, darunter eine Flasche Wasser. Dann kommt Stefan Bork, Baumpfleger seit sechs Jahren, und klettert in die Fichte. „In diesem Moment haben Ihre Männer Hand angelegt an den Baum. Damit ist er in Ihren Besitz übergegangen“, sagt Reinhold Becker, weihevoller Ton, zu Michael Roden. Der ist Chef der Berliner Schausteller, die Kosten für das Baumfällen – geschätzt mehrere hundert Euro – gehen auf seinen Deckel.
Eine Motorsäge wird angesetzt, einmal brumm und aus. „Der Baum ist gefällt“, jubelt ein Radiosprecher in sein Mikrofon, „Jaja“, sagt Michael Roden. Seite 16
Nein, nein, dass der Baum endlich weg ist, sei eine prima Sache, sagt die Nachbarin, als alles vorbei ist und der Weihnachtsbaum auf dem Tieflader liegt. So ein Flachwurzler direkt am Haus sei schließlich nicht ungefährlich, keinen Halt in der Erde, die Wurzeln drücken gegen den Keller, alles nicht so dolle. Wenn dann noch die Sitkalaus den Baum befällt, reicht ein Sturm und das Dach ist kaputt, na schönen Dank.
Mariendorf, Donnerstagmorgen: Reinhold Becker, 65, graue Haare, goldene Brille, Baumspender für den Weihnachtsmarkt: „Das ist keine Tanne, sondern eine Stechfichte, aber schreiben Sie ruhig Tanne“, empfiehlt er. Viel wichtiger ist doch, dass der Baum, der am heutigen Freitag auf dem Breitscheidplatz aufgestellt werden soll, den Menschen Freude macht, wenn der Weihnachtsmarkt am 26. November startet.
Also endlich mal ein richtiger Baum an der Gedächtniskirche und keine Abknicktanne. Auch keine Kunstbäume aus Schrott oder leuchtende Plastikkegel. Mit anderen Worten: ein Baum, wie er selten auf dem Breitscheidplatz zu sehen ist – ein guter Baum. Und die nächste gute Nachricht ist nicht fern: Nadelbäume sind in Berlin nicht geschützt, Herr Becker kann einfach drauflosfällen lassen.
Alles super in Mariendorf also, und wenn es nach Herrn Becker geht, beginnt die Party gleich heute. Acht Liter Glühwein hat er besorgt, für Anwohner und Handwerker, von denen ein gutes Dutzend um den 15 Meter hohen Baum herumsteht, raucht, friert, nichts trinkt.
Jetzt kommt der Kran, zwölf Tonnen pro Achse, macht bei vier Achsen insgesamt 48 Tonnen, sagt der Firmenchef, ein Mann der Zahlen, signalrote Jacke. Mit sieben Mann sei man „angetreten“, entschlossen blickende Arbeiter, die nicht den Eindruck erwecken, als könne irgendwas schiefgehen. „Wir sind schließlich Profis“, sagt einer von ihnen, tritt auf die Straße und beginnt mit wuchtigen Bewegungen, den Verkehr umzulenken. Als die Fotografen kommen, zuppelt der Chef einer Tischlerei das Werbeschild seiner Firma vor deren Objektive. „Das machen wir hier immer so“, sagt er. Aber auch die Arbeitnehmerseite hat medial aufgerüstet: Im Kran-Führerhäuschen weht die rote Fahne der IG Bau, darunter eine Flasche Wasser. Dann kommt Stefan Bork, Baumpfleger seit sechs Jahren, und klettert in die Fichte. „In diesem Moment haben Ihre Männer Hand angelegt an den Baum. Damit ist er in Ihren Besitz übergegangen“, sagt Reinhold Becker, weihevoller Ton, zu Michael Roden. Der ist Chef der Berliner Schausteller, die Kosten für das Baumfällen – geschätzt mehrere hundert Euro – gehen auf seinen Deckel.
Eine Motorsäge wird angesetzt, einmal brumm und aus. „Der Baum ist gefällt“, jubelt ein Radiosprecher in sein Mikrofon, „Jaja“, sagt Michael Roden. Seite 16
Tuesday, January 31, 2012
Wegen Haftbedingungen : Berlin droht Klagewelle von Häftlingen
In Berliner Gefängnissen herrschen beengte Zustände. Mehrere Häftlinge haben das Land deshalb auf Schadenersatz verklagt. - FOTO: DPA
Wie der Tagesspiegel aus Justizkreisen erfuhr, bereiten Dutzende ehemaliger und noch einsitzender Häftlinge solche Anträge vor – teilweise mit Aussicht auf mehrere 10 000 Euro Entschädigung. Bislang sind schon Urteile in erster Instanz gefällt worden, bei denen Ex-Häftlingen bis zu 4000 Euro zugesprochen wurden.
In einem aktuellen Fall steht im April eine Entscheidung an. Dem dazugehörigen Antrag auf Prozesskostenhilfe durch den Kläger hat das Landgericht stattgegeben. Prozesskostenhilfe wird nur bei hinreichender Erfolgsaussicht gewährt. Die Richter gehen von einer aussichtsreichen Klage auf 38 400 Euro Entschädigung für den Ex-Häftling aus.
Die Summe stünde ihm womöglich deshalb zu, weil er 1182 Tage in der Justizvollzugsanstalt Tegel unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert war: So war der Mann unter anderem 354 Tage im Haus I der Anstalt untergebracht. Allein für diese Zeit, erklärte das Gericht, dürften „50 Euro je Tag gerechtfertigt“ sein. Hintergrund ist ein Urteil des Berliner Verfassungsgerichtshofs von 2009, wonach Zellen in Haus I von 5,25 Quadratmeter Größe gegen die Menschenwürde verstoßen. Der Mann wird von dem Anwalt Bernd Brunn vertreten, der weitere 270 Mandanten in ähnlichen Fällen betreut.
„Das ist ein Thema, was uns beschäftigt“, sagte der neue Berliner Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) am Dienstag. Er werde für menschenwürdige Haftbedingungen sorgen. Heilmann wies auch darauf hin, dass noch kein Urteil rechtskräftig sei. In dem aktuellen Fall sprechen die Richter von einer „vorsätzlichen weiteren Benutzung der Zellen durch den Antragsgegner trotz der Entscheidung des Verfassungsgerichtshof“, was eine Entschädigung nach sich ziehen dürfte. Schon kurz nach dem Urteil 2009 hatte die frühere Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) gesagt, die Entscheidung mache „erhebliche praktische Schwierigkeiten“. Berliner Gefängnisse sind seit Jahren überfüllt. Zwar wird das Haus I kaum noch belegt. Umfassend umgebaut worden ist es aber nicht. Noch sind dort 22 Männer untergebracht. Derzeit wird im brandenburgischen Großbeeren eine neue Anstalt gebaut. Dort sollen 650 Gefangene untergebracht und Haus I in Tegel geschlossen werden.
Allerdings ist auch das Haus III in der Justizvollzugsanstalt Tegel umstritten, wo 311 Männer einsitzen. Hier könnten für viele Kläger 25 Euro Entschädigung pro Tag anfallen. Die Ansprüche dürften Anwälten zufolge erst nach drei Jahren verloren gehen. Zahlreiche Anwälte sagten, dass sie für ihre Mandanten ähnliche Klagen vorbereiteten. „Die Aussichten sind gut“, sagte Rechtsanwältin Diana Blum. Nicht ausgeschlossen sei, dass man für viele Mandanten mehrere 10 000 Euro einfordere, erklärte Sebastian Scharmer, Ex-Sachverständiger im Rechtsausschuss des Bundestages. Der Anwalt vertritt auch Berliner Sicherungsverwahrte, die nach einem aufsehenerregenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2011 freigelassen werden müssen oder deutlich bessere Unterbringungen zu bekommen haben: „Auch dabei stehen Entschädigungen an.“ Dies sei das „gute Recht“ der Häftlinge, sagte Benedikt Lux, Rechtsexperte der Berliner Grünen. „Es war lange bekannt, dass sich Berlin durch die Zustände haftbar macht.“ Wer Entschädigungen beansprucht, muss Juristen zufolge aber nicht nur unter Platzmangel, sondern etwa auch unter langen Verschlusszeiten gelitten haben.
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