Friday, August 23, 2013

Steve Ballmer geht, steigt stock


Der Mitarbeiter mit der Nummer 30 war seit 1980 bei Microsoft. Doch bei der Einschätzung von iPhone und Tablet lag er gründlich daneben

Redmond/Berlin - Der Blick auf den aktuellen Börsenkurs seines Unternehmens dürfte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Freitag endgültig die Laune verdorben haben. Kaum hatte er seinen Rücktritt auf Raten verkündet, schoss die Aktie um sieben Prozent nach oben. Die Börsianer waren mehrheitlich wohl der Meinung, dass Microsoft die enormen Herausforderungen ohne seinen lautstarken Chefverkäufer besser meistern kann. Ballmer wird es kaum getröstet haben, dass dieser Kursgewinn sein persönliches Vermögen wegen seines dicken Aktienpakets um bis zu eine Milliarde Dollar gesteigert hat.
 
 
In einer Mail an seine Mitarbeiter hatte Ballmer zuvor darauf hingewiesen, welche rasante Entwicklung Microsoft genommen hat, seit er im Juni 1980 dem Ruf seines Freundes Bill Gates folgte und Angestellter Nr.
30 bei Microsoft wurde: „Ich bin stolz auf das, was wir erreicht haben. Unser Umsatz ist von 7,5 Millionen Dollar auf fast 78 Milliarden Dollar gestiegen, seit ich bei Microsoft angefangen habe, und wir sind von 30 Mitarbeitern auf fast 100 000 gewachsen.“
Nun aber brauche Microsoft einen Chef, der längere Zeit den Wandel zu einem Spezialisten für Geräte und Dienstleistungen begleiten werde, erklärte Ballmer. Damit bestätigte er den Umbruch, in dem Microsoft steckt: Das reine Software-Geschäft mit dem Betriebssystem Windows und Programmen wie Office reicht nicht mehr aus. Zudem hatte das neue Windows 8 bisher nicht den erhofften Erfolg. „Es gibt nie eine perfekte Zeit für einen solchen Übergang, aber jetzt ist die richtige Zeit“, erklärte Ballmer am Freitag seinen Rückzug. Bill Gates kündigte an, dass er bei der Suche nach einem Nachfolger helfen werde. Neben Gates hatte Ballmer einen entscheidenden Anteil am Erfolg, weil er rund um Microsoft ein komplettes System an Hardware-Partnern und Serviceunternehmen zum Blühen brachte. Ballmer verfügte allerdings nicht über das technologische Gespür, das andere Pioniere der Computerindustrie auszeichnete.
Legendär ist seine Fehleinschätzung des iPhones. Kurz nach der Präsentation des ersten Apple-Smartphones im Jahr 2007 machte sich Ballmer über das Produkt lustig und fragte das Publikum, wer wohl das „teuerste Telefon der Welt“ kaufen werde. Es dauerte Jahre, bis Ballmer Konsequenzen aus seinem Irrtum zog und die Entwicklung eines modernen Smartphone-Systems in Auftrag gab, das sich heute gegen die Konkurrenz von Google und Apple schwertut. Zwischendurch musste er mit den missratenen Produkten Zune (einem iPod-Konkurrenten) und Kin (ein Smartphone für Jugendliche) weitere Nackenschläge hinnehmen.
Ballmer wollte zunächst auch nicht wahrhaben, dass immer mehr Menschen einen Tablet-Computer wie das iPad statt eines traditionellen PC verwenden werden. „Die Menschen werden mehr und mehr PC verwenden. Das wird für viele Jahre gelten, die vor uns liegen“, sagte er noch im Juni 2010. Tatsächlich geht der PC-Absatz zurück. Microsoft spielt zwar inzwischen mit dem Tablet-Computer Surface und dem neuen Windows-System auch in dem neuen Marktsegment mit,der Erfolg ist indes bescheiden.
In der Branche wird mit Respekt zur Kenntnis genommen, dass Ballmer in dieser Phase den Weg für einen Neuanfang frei macht. Allerdings wird die Suche nach einem Nachfolger nicht einfach werden. Die Riege der Stars aus der zweiten Reihe bei Microsoft hat sich gelichtet: Chef-Softwarearchitekt Ray Ozzie verließ 2010 das Unternehmen, Windows-Chef Steve Sinofsky warf im vergangenen November das Handtuch. Unter den Microsoft-Managern ist derzeit Tony Bates der Favorit für die Ballmer-Nachfolge. Der ehemalige Chef des Online-Telefondienstes Skype ist auch für die Businessabteilung bei Microsoft zuständig und gilt als Internetexperte. (dpa)

Monday, August 19, 2013

Junge Menschen wollen Bio


Deutsche Öko-Bauern können die Nachfrage nach ihren Produkten nicht decken. Vor allem die Unter-30-Jährigen kaufen Bio. Die Unternehmen kämpfen um Fördergelder.



Berlin - Nicole Kidman tut es, ihre Kollegin Gwyneth Paltrow auch. Beide Hollywood-Größen ernähren sich vor allem von Bio-Kost. Doch nicht nur in der weiten Welt der Reichen und der Schönen ist „Bio“ in, auch deutsche Normalverbraucher greifen gern ins Bio-Regal. 74 Prozent kaufen zumindest gelegentlich Bio-Ware, hat eine am Montag veröffentlichte Studie des Bundesagrarministeriums ergeben. „Bio liegt weiter voll im Trend“, sagte Ministerin Ilse Aigner (CSU).
Dafür sorgen vor allem die Jungen. 23 Prozent der Unter-30-Jährigen kaufen häufig Bio – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von neun Prozentpunkten. Dagegen nimmt das Interesse der Älteren an Bio-Waren ab.


Hatten im vergangenen Jahr noch 26 Prozent aller Befragten zwischen 50 und 59 erklärt, ausschließlich oder häufig Bio-Produkte in ihren Einkaufskorb zu legen, sind es heute nur noch 19 Prozent. Der Anteil der Bio-Kostverächter ist unter den 50- bis 59-Jährigen sogar um neun Prozentpunkte gestiegen. Unterm Strich fällt das aber nicht groß ins Gewicht. Über alle Altersgruppen hinweg machen derzeit nämlich nur 26 Prozent kategorisch einen Bogen um Bio-Lebensmittel. Die große Mehrheit greift dagegen vor allem bei Obst, Gemüse und Eiern zur Bio-Ware. Bio komme eher aus der Region, enthalte weniger Schadstoffe und den Tieren geht es besser, glauben die Verbraucher.
Aigner sieht die Ergebnisse des „Ökobarometers“ auch als Erfolg ihrer Politik. Sie versprach am Montag eine bessere Förderung des Ökolandbaus, damit dieser die Nachfrage der Kunden noch besser bedienen könne. Bislang gelingt das nämlich nur zum Teil. „In den letzten zehn Jahren hat sich der Öko-Lebensmittelmarkt verdreifacht, die Öko-Flächen haben sich in dieser Zeit aber nur verdoppelt“, sagte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), dem Tagesspiegel. In Deutschland wird Bio auf gut einer Million Hektar angebaut, gemessen an allen Agrarflächen sind das gerade einmal sechs Prozent.
Für viele Landwirte lohne sich der Bio-Anbau nicht, kritisiert Löwenstein. Das liege zum einen an der Energiepolitik: „Wer Mais in der Biogasanlage zu Energie vergärt, kann pro Hektar damit 2000 Euro verdienen“, sagt der Bio-Lobbyist. Der ökologische Anbau von Mais bringe dagegen nur 190 Euro pro Hektar.
Die Bio-Bauern befürchten, dass sich ihre Lage aber bald noch verschlechtert. Denn 2014 tritt die Reform der europäischen Agrarpolitik in Kraft. Die Öko-Landwirte sehen sich als Verlierer. Denn um Geld zu sparen, wird an allen Ecken gekürzt. So werden die Direktzahlungen, die alle Bauern aus dem Brüsseler Agrartopf bekommen, von 2014 bis 2020 um 7,7 Prozent gesenkt, die Förderung von Agrarumweltmaßnahmen („zweite Säule“) aber sogar um gut neun Prozent. Von dieser zweiten Säule profitiert vor allem der Öko-Landbau, den die Kürzungen daher besonders hart treffen.
Mit jährlichen Mindereinnahmen von 500 Millionen Euro rechnet Löwenstein für die deutschen Bio-Bauern allein wegen der Streichungen in der zweiten Säule. Daher soll Aigner einen Teil der Subventionen vom ersten in den zweiten Topf umschichten, fordert der BÖLW. 15 Prozent will Brüssel erlauben. Am kommenden Mittwoch und Donnerstag beraten die Agrarminister von Bund und Ländern. Doch Aigner hat schon klargemacht, dass sie von solchen Umverteilungen nichts hält: Sie will stattdessen mit Sonderzahlungen alle kleinen Betriebe fördern und mit Ausgleichszulagen für Grünland auch konventionelle Landwirte dazu bewegen, mehr für die Umwelt zu tun, heißt es im Ministerium.

Sport ist ein Geschäft - auch in einer Bar in der Ecke


Ball und Spieler im Fernsehen laufen für Geld, nicht aus reinem Spaß an der Freude, die gesamte Bundesliga ist eine gigantische Kommerz-Veranstaltung. Jetzt beschweren sich die Kneipiers über den Sender Sky, der drastisch die Preise erhöht hat - der eigentliche Preistreiber ist aber jemand anderes.


Es geht wieder ein Juchzen durch Deutschland. Die Fußball-Bundesliga ist in ihre 51. Saison gestartet, und auch Hertha BSC will mit attraktivem Offensivfußball nicht wieder absteigen müssen. Wer nicht ins Olympiastadion geht oder zum Auswärtsspiel fährt, der möchte wenigstens via Pay- TV-Sender Sky hautnah dabei sein.
Das Leben als Fan erfüllt sich für viele Anhänger in der Gemeinschaft. Die Kneipiers haben das längst erkannt und haben über ihre Theken XXL-Fernseher aufgehängt. Dort zeigt Sky die Bundesliga exklusiv, live und in Farbe.
Wie schön, wie grausam. Sky hat die Abopreise für die Kneipenwirte deutlich, die Betroffenen sagen: drastisch erhöht.
Dem Sender wird mit Kündigung gedroht, so viel Bier könne gar nicht verkauft werden, um noch einen befriedigenden Schnitt zu machen.
Sky zahlt für das Recht auf Exklusivübertragung in dieser Saison sagenhafte 486 Millionen Euro an die Deutsche Fußball-Liga, fast das Doppelte der vergangenen Spielzeit. Insgesamt steigerte die Profiliga die Erlöse aus den verkauften Medienrechten von 412 auf 628 Millionen Euro. Der Löwenanteil kommt vom Fernsehen, kommt vom Bezahlsender Sky.
Mit diesem TV-Geld und für dieses TV-Geld laufen Ball und Spieler. Nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus Erwerbssinn. Die Fußball-Bundesliga ist eine kommerzielle Veranstaltung, die aus allen Ecken und Enden ihre Einnahmen zieht. Die Fernsehsender sind in diesen Kreislauf ebenso eingebunden wie der Fan und der Kneipier. Viele zahlen in die Portemonnaies weniger.
Wenn die Wirte klagen, dann klagen sie über ihren Vertragspartner Sky. Der muss aber selber sehen, wie er die von seinem Rechtepartner DFL aufgerufenen Preise refinanziert. Die Vermarktungsgemeinschaft und damit die Vereine der Bundesligen sind die Preistreiber. Das übersieht der Fan an der Theke gerne, denn sein Herz (sein Hirn?) hängt an den Vereinen.
Die neue, übersteigerte Einnahmekultur legt die Organisation der Bundesliga offen. Ein toller Motor, der nur prächtig läuft, wenn auch das Benzin toll ist. Die Spritpreise (!) sind immer ein Ärgernis, die Alternative – Verzicht auf oder Abstriche beim Fußball – ist keine. Wäre auch widersinnig: Die geile Liga muss jetzt megageil werden.


Es hat etwas Rührend-Verständliches, wie der Sport mit einer Wohlfühloase verwechselt wird. Bitte kein Kommerz, keine Homophobie, kein Doping, keine Politik, keine Wetten. Ein Spiel nach den Regeln von gut, schön, wahr. Das mag noch beim Sportabzeichen funktionieren, bei der durchkapitalisierten Variante reimt sich Leistung auf Geld. Kommerzielle Unterhaltung – nichts dagegen – mit den Begleiterscheinungen von Politik, Doping etc. Nie war Sport grausamer, ehrlicher, faszinierender.
Kein Umstand macht vor der Fußballkneipe kehrt. An der Theke „Zum gemütlichen Dicken“ geht es niemals zu wie im Teletubby-Land. Aufgewacht, Kneipiers und Hertha-Fans: Ehe der Kommerzsport seine tragenden Eckpfeiler zum Einstürzen bringt, wird der Zapfhahn trocken – und der Ball eckig.

Aufsichtsrat beschließt eine Teilöffnung bis zum Herbst


Der Minibetrieb in Schönefeld ist doch noch nicht genehmigt, die Flughafengesellschaft will den Antrag für den BER-Umbau am Nordpier aber noch in dieser Woche stellen. Hartmut Mehdorn möchte so den Echtbetrieb testen – auf den Tickets der Flugreisenden wird dann aber trotzdem nicht "BER" stehen.

Die Flughafengesellschaft will noch diese Woche den Bau-Änderungsantrag für den Umbau des Nordpiers am BER für eine vorübergehende Abfertigung von Passagieren bei der Genehmigungsbehörde einreichen. Das hat Vorstandschef Hartmut Mehdorn am Montag im BER-Sonderausschuss des Potsdamer Landtages angekündigt. Der Aufsichtsrat hatte letzten Freitag grünes Licht gegeben, diesen Kleinst-Start des Hauptstadt-Airports weiterzuverfolgen, es aber an eine Bedingung geknüpft.
Wenn die Baugenehmigung vorliegt, was nicht vor Herbst 2013 realistisch ist, muss Mehdorn damit noch einmal in den Aufsichtsrat. Erst dann wird endgültig über die nötigen Investitionen und den Testbetrieb im Nordpier entschieden. Über ein „Go oder ein No“, sagte Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke ), der selbst im Aufsichtsrat sitzt. Vorher dürfe der Flughafen nicht mit Umbauarbeiten beginnen

Ob die Zeit reicht, den Nordpier, wie von Mehdorn gewünscht, März/April 2014 in Betrieb zu nehmen, ist unklar. Mehdorn sagte, es gehe eher um eine „Ummöblierung“, um den vorübergehenden Einbau von Check-In-Schalter und Gepäckbändern, die für andere Teile des Airports geplant waren. „Es geht nicht um eine BER–Eröffnung, sondern eher um eine kleine Erweiterung des existierenden Flughafens Schönefeld/Alt“. Dessen Kürzel SXF stünde auch auf den Tickets, nicht BER.
Alles hängt von der Genehmigung ab. Wenn die Unterlagen vollständig und schlüssig seien, könne der Antrag zügig bearbeitet werden, hatte der für die Bauaufsicht zuständige Vize-Landrat des Kreises Dahme-Spreewald, Carl-Heinz Klinkmüller, bereits im Vorfeld gesagt. Doch deutete Flughafenstaatssekretär Rainer Bretschneider im Ausschuss an, dass die Genehmigungsfragen dennoch schwierig sind. Mehdorn selbst schloss ein Scheitern nicht aus. „Wenn es mit der Genehmigung nicht geht, dann sind wir ein bisschen traurig.“

Die nächsten Schritte auf dem Weg zur Gesamteröffnung will Mehdorn im Oktober mitteilen – wahrscheinlich ohne einen festen Termin zu nennen. Der Aufsichtsrat hatte am Freitag beide Konzepte der Geschäftsführung diskutiert: einen vorgezogenen Flugbetrieb im Kleinformat vom Nordpier aus, wie es Mehdorn will, oder einen Gesamtumzug aller Fluggesellschaften vom bisherigen Flughafen Schönefeld, wie es Technikchef Horst Amann vorschlug. Letzteres wurde verworfen. „Das verfolgen wir nicht weiter“, sagte Mehdorn.

Im Nordpier will Mehdorn mit bis zu zehn Abflügen am Tag 71 der 107 „Objekte“ im Flughafensystem im Echtbetrieb testen lassen. Dazu gehören neben auch Parkhäuser, Energiezentralen, Zugangskontrollstellen sowie die Gebäude der Feuerwehr und der Bodenverkehrsdienste. Zudem sollen mit der dort vorgezogenen Inbetriebnahme alle 56 übergreifenden technischen Systeme im Echtbetrieb erprobt werden. Es gehe darum, die Abläufe „nicht in Trockenübungen“ einzuspielen, sagte Mehdorn. Ziel sei es auch, Mitarbeiter aus Schönefeld und Tegel an ihre künftigen Jobs am BER heranzuführen, „das ist Eure neue Welt.“

Thursday, August 15, 2013

Amerikanische Praktikant bei Volkswagen


Nicht nur in Deutschland, auch in den USA herrscht Fachkräftemangel. VW ergreift in seinem Werk in Tennessee die Initiative - und bildet Mechatroniker nach deutschem Standard aus.

Für deutsche Firmen gibt es in den USA kaum ein größeres Problem, als an qualifiziertes Personal zu kommen. Sie nennen es den „skills gap“, die US-Regierung spricht vom Fachkräftemangel und eigentlich jeder Deutsche, der ein wenig Zeit in den Vereinigten Staaten verbringt, wünscht diesem Land vor allem ein besseres Ausbildungssystem. Qualifikation ist hier keine Selbstverständlichkeit. Konzerne aus Deutschland, die in den USA investieren, gehen deshalb eigene Wege und schulen ihren Nachwuchs selbst – nach deutschen Standards. In dieser Woche hat erstmals eine in den USA ausgebildete Mechatroniker-Klasse nach dreijähriger Lehrzeit zugleich mit ihrem US-Abschluss ein DIHK- Zertifikat erhalten.


Noch vor der eigentlichen Eröffnung seiner neuen Passat-Fabrik in Chattanooga, Tennessee, im Jahr 2011 hatte der VW-Konzern Ausbildungsplätze für Mechatroniker ausgeschrieben. Zwölf haben jetzt ihren Abschluss gemacht. Bei der Abschlussfeier, zu der VW auch den Tagesspiegel eingeladen hatte, lobten die Vertreterin der deutsch-amerikanischen Handelskammer, Martina Stellmaszek, und der Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam, das Ausbildungsprogramm als wegweisend. Er sei hier, weil „es eine unserer höchsten Prioritäten ist, den skills gap zu schließen“, sagte der Gouverneur.
Deutsche Investitionen in den USA machen nach Angaben der deutschen Botschaft in Washington 8,6 Prozent der ausländischen Gesamtinvestitionen aus, mehr als 3400 deutsche Firmen haben hier einen Standort aufgebaut und dabei etwa 600 000 Arbeitsplätze geschaffen. Aber sie alle, berichtet der Leiter der Wirtschaftsabteilung der deutschen Botschaft, Peter Fischer, nennen immer ein zentrales Problem: „Was die Amerikaner ausbilden, ist unzureichend.“ VW hat das Problem auf seine Weise gelöst und ein eigenes Ausbildungszentrum geschaffen, in dem sie die Lehrlinge nach dem deutschen dualen System in Zusammenarbeit mit einem lokalen College ausbilden. Siemens oder Wacker Chemie gehen ähnlich vor. Mindestens 20 Unternehmen, schätzt die Botschaft, haben es inzwischen aufgegeben, auf Nachwuchs von den normalen amerikanischen Colleges zu setzen. Praxis steht dort nicht auf dem Stundenplan. In Charlotte, North Carolina, ist in Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen ein Ausbildungszentrum entstanden. Ganz in der Nähe unterhält BMW seine US-Fertigung.
Im September soll ein ähnlicher Ausbildungsschwerpunkt wie in Charlotte mit Firmen aus dem Automobilzuliefererbereich in Montana an den Start gehen. Und die deutsche Botschaft unterstützt Unternehmen bei der Suche nach qualifiziertem Personal mit einer Initiative, um ebensolche Projekte zu fördern. „Die Skills Initiative der Botschaft stößt auf eine rege Nachfrage“, zieht Fischer eine erste Zwischenbilanz des im Mai 2012 gestarteten Projekts, „wir arbeiten inzwischen mit mehr als zehn Bundesstaaten zusammen“.
Der Mangel an Fachkräften ist übrigens kein spezielles Problem der deutschen Wirtschaft. Auch US-Präsident Barack Obama hat sich den Wiederaufbau des Produktionsstandortes USA auf die Fahnen geschrieben, ein Maßnahmenpaket dazu auf den Weg gebracht und in seiner Rede zur Lage der Nation im Februar 2013 explizit das deutsche duale Ausbildungssystem gelobt. VW übrigens hat reichlich Bedarf in Chattanooga: In den nächsten Monaten wird entschieden, ob in dem Werk eine neue Geländelimousine mit Hybridantrieb für den nordamerikanischen Markt gebaut wird.

Air Berlin wird auf dem Boden bleiben


Die Fluggesellschaft schreibt weiter rote Zahlen, sogar das Eigenkapital ist negativ.

Berlin - Air Berlin kommt auf seinem Sanierungskurs nur wenig voran. Mitarbeiter müssen gehen, Strecken wurden gestrichen, Flugzeuge verkauft – doch ob Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ihr Gewinnziel erreicht, ist offen. Der Vorstand geht zwar davon aus, dass eine „schwarze Null“ vor Zinsen und Steuern in diesem Jahr erreichbar ist. Allerdings werde diese Vorgabe wegen der schwachen Konjunktur und der harten Konkurrenz „zunehmend anspruchsvoller“, sagte Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer am Donnerstag.
Air Berlin hatte nach jahrelangen Verlusten einen harten Sanierungskurs eingeleitet. Mit 900 Stellen soll im Zuge des Sparprogramms „Turbine“ rund jeder zehnte Arbeitsplatz wegfallen.

In Dresden, Erfurt, Dortmund, Münster und Hannover will Air Berlin keine Maschinen mehr stationieren.
Es ist eine ganze Palette von Problemen, die Air Berlin das Geschäft schwer macht. Da sind zum einen externe Einflüsse wie etwa der immer noch relativ hohe Ölpreis, die Luftverkehrsabgabe und die Verzögerungen beim neuen Hauptstadtflughafen. Hinzu kommen hausgemachte Probleme: So hat Air Berlin in der Vergangenheit viele Fluggesellschaften übernommen und dabei zu sehr auf Wachstum gesetzt und zu wenig auf die Profitabilität geachtet. „Es fehlt auch eine klare Strategie“, kritisiert Analyst Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe. Air Berlin sei weder ein Billigflieger noch könne das Unternehmen mit der Lufthansa mithalten. „Dazu wären viel mehr Finanzmittel nötig“, meint Hein.
Doch eben diese fehlen. Air Berlin hat nicht nur sein Eigenkapital aufgebraucht, es ist sogar negativ. Das heißt: Die Schulden des Unternehmens sind größer als das Vermögen. Dies sei eine Folge der traditionell schwachen Ertragslage in den ersten sechs Monaten sowie der Einmalbelastungen aus dem Sparprogramm, sagte Finanzchef Ulf Hüttmeyer am Donnerstag. „In den folgenden Quartalen erwarten wir, dass sich das Eigenkapital wieder erholen wird“, fügte er hinzu. „Die Zielgröße, mittelfristig eine Eigenkapitalquote von 15 bis 20 Prozent zu erreichen, bleibt unverändert erhalten.“
Negatives Eigenkapital – das gab es bei Air Berlin auch schon im ersten Quartal. Mit dem Anteilseigner Etihad Airways im Rücken sei die Situation aber keinesfalls aussichtslos, sagt Hein. „Mit Etihad sollte Air Berlin überleben.“ Die Fluggesellschaft des Emirats Abu Dhabi hält knapp 30 Prozent der Air-Berlin-Anteile. Analyst Hein sieht Air Berlin auf dem richtigen Weg. „Das Management hat die richtigen Maßnahmen ergriffen“, sagt er. Es gehe darum, das Profil der Fluggesellschaft zu schärfen, mehr Langstrecke zu fliegen und zugleich die Zahl der Stationen und der Flugzeuge zu reduzieren. „Air Berlin muss schlanker und effizienter werden“, sagt der Analyst. Dabei werde der Wettbewerb für Air Berlin mit der neu aufgestellten Lufthansa-Tochter Germanwings allerdings nicht einfacher werden.
Im zweiten Quartal dämmte Air Berlin den Verlust unter dem Strich auf 38 Millionen Euro ein. Ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Minus von fast 100 Millionen Euro gestanden. Der Umsatz sank um knapp zwei Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Unter anderem, weil Air Berlin das Flugangebot zusammengestrichen hat und die Maschinen mit mehr Passagieren besser ausgelastet waren, fiel der Verlust vor Steuern und Zinsen mit acht Millionen Euro um gut zwei Drittel geringer aus als ein Jahr zuvor.
Frische Kredite benötigt Air Berlin unterdessen nicht. „Wir stehen mit der Liquidität um vieles, vieles besser da als vor einem Jahr“, sagte Prock-Schauer. Mittelfristig könnte die Gesellschaft allerdings neue Aktien ausgeben, um ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen. mit

dpa

USA ruft ihre Staatsbürger aus Ägypten zurück


Die Situation in Ägypten eskaliert weiter. Die USA rufen ihre Bürger auf, das Land zu verlassen, der UN-Sicherheitsrat kommt noch am Donnerstagabend zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Das Ausmaß der Kämpfe der letzten Tage wird erst nach und nach sichtbar.

Nach den tödlichen Unruhen in Ägypten wird der UN-Sicherheitsrat nach Diplomatenangaben noch am Donnerstagnachmittag (23.30 Uhr MESZ) zu einer Dringlichkeitssitzung in New York zusammentreten. Zuvor hatten Frankreich, Großbritannien und Australien laut Diplomatenkreisen eine solche Sondersitzung der 15 Mitgliedstaaten beantragt.
Die USA hatten kurz zuvor ihre Bürger zum Verlassen Ägyptens aufgerufen. Grund seien die politischen und sozialen Unruhen in dem Land. Die US-Botschaft bleibe aber vorerst geöffnet.
US-Bürger seien dringend dazu aufgerufen, Demonstrationen in Ägypten zu meiden. Selbst friedliche Proteste könnten sich schnell in gewalttätige Zusammenstöße verwandeln.
Den Anweisungen vor Ort sei unbedingt Folge zu leisten, hieß es. Außerdem sollten Reisende sich ausweisen können, ein Handy bei sich tragen und sich in örtlichen Medien über die Sicherheitslage zu informieren. Die Unruhen hatten seit Mittwoch Hunderte Tote gefordert.
Große Sorgen bereitet nach Ansicht des US-Außenamts die geschlechtsbezogene Gewalt, die auch Ausländer treffen kann. Frauen seien im Umfeld der Proteste mehrfach Ziel sexueller Übergriffe geworden.
Obwohl die schwersten Zusammenstöße aus Metropolregionen wie Kairo, Alexandria und Port Said gemeldet wurden, habe es zuletzt auch aus anderen Regionen Berichte über bewaffnete Angriffe gegeben, teilte das US-Außenamt mit.
EU-Diplomaten wollen Montag über die Lage in Ägypten beraten
Hochrangige EU-Diplomaten wollen am Montag bei einem Treffen in Brüssel über die Lage in Ägypten beraten. Bei der Zusammenkunft werde es auch um mögliche Schritte der Europäischen Union (EU) gehen, sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Donnerstagabend. Die Botschafter wollten auch über eine Sitzung der EU-Außenminister sprechen. Eine Entscheidung über einen Zeitpunkt für solch ein Treffen sei aber noch nicht getroffen worden. Zuvor hatte das italienische Außenministerium mitgeteilt, dass die EU-Außenminister wahrscheinlich in der nächsten Woche zusammenkommen wollten.
Mehrere skandinavische Reiseveranstalter entschieden, ihre Urlauber aus dem Land zurückzuholen. Das meldete die dänische Nachrichtenagentur Ritzau am Donnerstagabend. Betroffen seien mehrere hundert Dänen, Norweger und Schweden. Die Reiseveranstalter Star Tour, Ving, Apollo und Spies wollten ihre Gäste bis spätestens Montag wieder nach Hause holen.

Erst nach und nach wird das Ausmaß der Kämpfe zwischen dem Militär und den Anhängern Mursis bekannt

Erst jetzt, einen Tag nach den Auseinandersetzungen zwischen den militärischen Machthabern und den islamistischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi wird das ganze Ausmaß der bürgerkriegsähnlichen Kämpfe in Ägypten sichtbar. Die Behörden erhöhten am Donnerstag fast stündlich die Opferzahlen. Am Abend waren 638 Tote offiziell bestätigt. Verletzt worden seien 4201 Menschen. Die oppositionellen Muslimbrüder gehen von mehr als 3000 getöteten Menschen aus.
Während es in der Hauptstadt Kairo zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten kam, gab es weltweit Kritik an dem brutalen Vorgehen der militärischen Übergangsregierung. Das Auswärtige Amt verschärfte die Reisehinweise für Ägypten.

Ägyptisches Innenministerium weist Polizei an, mit scharfer Munition zu schießen

Das ägyptische Innenministerium hat die Polizei am Donnerstag angewiesen, mit scharfer Munition auf Plünderer und Saboteure zu schießen. Damit solle verhindert werden, dass öffentliche Gebäude in Brand gesetzt und Waffen aus Polizeistationen gestohlen werden. Zuvor hatte es einen Angriff auf ein Regierungsgebäude in Gizeh bei Kairo gegeben. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen haben mutmaßliche Extremisten zudem im Norden der Sinai-Halbinsel fünf Soldaten getötet.





In der Hafenstadt Alexandria sollen vier Menschen getötet worden sein, als sich Anwohner einem Protestmarsch der Muslimbrüder entgegenstellten. Auch Angriffe auf Christen haben dramatisch zugenommen. Landesweit seien mehrere Dutzend Kirchen angegriffen und teilweise verwüstet worden, berichtete die staatliche Zeitung „Al Ahram“ unter Berufung auf die Kirchenführung der Kopten, der christlichen Minderheit am Nil.

Untersuchungshaft für Mursi um 30 Tage verlängert

Ein ägyptischer Untersuchungsrichter hat die Untersuchungshaft für den gestürzten Präsidenten Mursi um 30 Tage verlängert. Dies berichtete die offizielle ägyptische Nachrichtenagentur Middle East News Agency. Mursi war am 3. Juli durch das Militär abgesetzt worden und befindet sich an einem geheimen Ort. Die Islamisten wollen die Proteste nach den Freitagsgebeten fortsetzen. Das ägyptische Nachrichtenportal „youm7“ berichtete, Sicherheitskräfte befürchteten eine neue Welle der Gewalt.

Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach Ägypten ab

Das Auswärtige Amt rät von Reisen in das nordafrikanische Land, insbesondere ins Nildelta, nach Kairo und Oberägypten dringend ab. Auch vor Reisen auf den Nord-Sinai wird gewarnt. Die Teilreisewarnung gelte derzeit nicht für die Touristengebiete am Roten Meer und auf der Sinai-Halbinsel im Küstenstreifen zwischen Scharm el Scheich und Nuwaiba.

Obama sagt gemeinsame Militärmanöver mit Ägypten ab

US-Präsident Barack Obama sagte die für September geplanten Militärmanöver mit den ägyptischen Streitkräften ab. Ägypten sei auf einem „gefährlichen Weg“, sagte Obama bei einer Pressekonferenz. Die Regierungen in Berlin, Paris, London und Rom bestellten am Donnerstag die ägyptischen Botschafter ein, die Regierung in der Türkei forderte eine rasche Debatte des UN-Sicherheitsrats. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) kündigte Konsequenzen aus der blutigen Räumung von Protestlagern der Islamisten an. Dazu liefen derzeit internationale Abstimmungen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), brachte eine zeitweilige Aussetzung der wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit mit Ägypten ins Gespräch. (mit AFP, dpa, rtr)