Das Stückchen Apfelkuchen zum Strauß Blumen, die Urlaubsreise zum Haarschnitt – in Berlin gibt es eine Vielzahl an Läden, die mehrere Geschäftszweige unter einem Dach kombinieren. Kombiläden, sozusagen. „Die Gewerbetreibenden haben erkannt, dass sie die Interessen ihrer Kunden durch unterschiedlichste Angebote besser bedienen können“, sagt Leif Erichsen, Sprecher der hiesigen Industrie- und Handelskammer. Einen Grund dafür sieht er in der besonderen Käuferstruktur der Stadt, geprägt durch die Vielzahl von Touristen.
Viele Kunden möchten außer der reinen Ware auch etwas erleben oder genießen. Das Prinzip Kombiladen setzt daher auf den Neugiereffekt, auf Service und das Shoppingerlebnis.
So wird auch die Verweildauer der Kunden im Laden erhöht – das steigert den Umsatz. Beliebteste Nutzungskopplungen, idealerweise für die gleiche Zielgruppe, sind Waren und gastronomische Dienstleistungen. Die Händler können so die abendlichen Ladenschließzeiten umgehen sowie Flächen- und Personalkosten sparen, weil der Florist auch Espresso servieren kann.
Etwa 21 000 Ladengeschäfte gibt es derzeit in Berlin. Wie viele von ihnen Kombiläden sind, sei statistisch nur schwer zu erfassen, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Denn es würden ständig neue Geschäftsmodelle entstehen, etwa wenn der Optiker Zahngold ankauft oder die chemische Reinigung einen Versandhandel anbietet. Strenge Auflagen müssen die findigen Inhaber bei der Gründung ihrer Zwei-in-einem-Läden nicht erfüllen, denn bis auf den Handel mit Lebensmitteln und Gefahrengütern gibt es nur wenig Regulative im Einzelhandel.
„Die Kombiladen-Idee hatten die großen Warenhäuser schon vor 100 Jahren“, sagt Busch-Petersen. Auffällig hingegen sei, dass vermehrt kleinere Geschäfte unterschiedliche Standbeine miteinander kombinieren.
Klein angefangen hatten auch die Hamburger Kaufmänner Max Herz und Carl Tchiling, als sie ab 1949 Röstkaffee per Post verschickten. Das Unternehmen Tchibo lässt sich als Kombiladen-Pionier betrachten. Anfang der siebziger Jahre ergänzte der Betrieb, mit inzwischen mehreren hundert Filialen, sein Sortiment um Gebrauchsartikel wie Frühstücksbrettchen. Knapp 40 Jahre später handelt der ehemalige Kaffeeversand sogar mit klimaschonendem Gas und Fernreisen.
Die meisten der auf diesen Seiten präsentierten Kombiläden haben diese Ambitionen nicht. Trotzdem sind sie gute Beispiele für Berliner Erfindungsreichtum und unternehmerische Kreativität. Lassen Sie sich neugierig machen – und berichten Sie uns von weiteren Entdeckungen - in der Kommentarfunktion unter diesem Artikel!
Thursday, December 6, 2012
C / O am Zoo
Eins ist klar: Die Galerie C/O Berlin muss aus dem alten Postfuhramt an der Oranienburger Straße in Mitte ausziehen, und das bald. Ein aussichtsreicher Kandidat scheint das Amerika-Haus in Charlottenburg zu sein. Das aus den 50er Jahren stammende Baudenkmal am Bahnhof Zoo wird zum Jahreswechsel frei, weil der dreijährige Nutzungsvertrag des Regionalmanagements City West ausläuft. Für die Fotogalerie C/O bestätigte am Donnerstag deren Sprecher Mirko Nowak das Interesse an dem Standort. Es handele sich allerdings „um eine Option unter vielen“.
Noch im August hatte sich C/O-Leiter Stefan Erfurt, wie berichtet, gegen einen Standort am Bahnhof Zoo und generell gegen einen Umzug in einen anderen Bezirk ausgesprochen: Man benötige die „Besucheranbindung“ in Mitte.
Nach wie vor ist die renommierte Fotogalerie auch am ehemaligen Kunsthaus Tacheles an der Oranienburger Straße interessiert. Die schwierige Suche nach neuen Ausstellungshallen habe inzwischen aber auch dazu geführt, dass unter anderem ein Umzug nach Charlottenburg, nach Kreuzberg oder in die alte Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg erwogen werde, sagt Sprecher Nowak. Die Senatskulturverwaltung unterstütze die Bemühungen, Staatssekretär André Schmitz sei „stark engagiert“.
Der Sprecher der Senatskulturverwaltung, Günter Kolodziej, bestätigte „konstruktive Gespräche“ über einen Umzug ins Amerika-Haus. Wie der Tagesspiegel aus mehreren anderen Quellen erfuhr, hat sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vorbehalten, im Erfolgsfall den Durchbruch zu verkünden. Deshalb gibt es aus den beteiligten Landesinstitutionen derzeit nur spärliche Auskünfte. Der Liegenschaftsfonds teilte mit, die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Amerika-Hauses sei noch nicht gefallen.
Nach wie vor ist geplant, die bisher nahe der Urania ansässige Landeszentrale für politische Bildung im Amerika- Haus anzusiedeln. Dem Vernehmen nach könne dieser rund ein Drittel der Fläche genügen. Die C/O-Galerie könnte das Foyer, den größten Teil des Veranstaltungsaals, die zweite Etage und wohl auch Kellerräume als Lager nutzen. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Kulturstadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) zeigte sich überrascht, aber erfreut über die Idee. „Das passt“, sagte er und wies auf die Nachbarschaft zum Museum für Fotografie der Helmut-Newton-Stiftung in der Jebensstraße am Bahnhof Zoo hin.
Das Amerika-Haus war einst ein Informations- und Kulturzentrum der USA. Der derzeitige Mieter, das Regionalmanagement City West, zieht provisorisch in das nahe Bürogebäude „City Light House“ um und sucht noch einen dauerhaften neuen Standort.
Im Postfuhramt hat der neue Eigentümer, der Medizintechnikhersteller Biotronik aus Neukölln, sowohl der Galerie C/O als auch dem Club „Department“ zum Jahresende gekündigt. Doch die Galerie will erst im Frühjahr 2013 ausziehen: „Der Mietvertrag gilt aus unserer Sicht bis Ende März“, sagt Sprecher Nowak. Dementsprechend sollen die laufende Joel-Sternfeld-Retrospektive und die Ausstellung zum „Deutsche Börse Photography Prize 2012“ bis zum 13. Januar gezeigt werden. Anschließend sind zwei weitere Ausstellungen geplant.
Seit dem Jahr 2000 hat C/O jährlich bis zu 15 Ausstellungen gezeigt, darunter etwa Fotos von Annie Leibowitz, Karl Lagerfeld und Robert Mapplethorpe.Rund 70 mögliche Ersatzstandorte haben die drei Gründer erfolglos geprüft. Ihr Favorit war die Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße. Zuletzt wollten sie alte Atelierhäuser im Monbijoupark nutzen. Dafür gab es einen einstimmigen Beschluss der BVV Mitte, aber dann stoppte das Bezirksamt das Vorhaben wegen eines fehlenden Bebauungsplans.
Im „Department“ dreht sich die Discokugel nur noch an vier Wochenenden, anders als die Galerie muss der Club wohl zum Jahresende schließen. Geschäftsführer Felix Brandts rechnet damit, „dass wir Silvester hier die letzte große Party feiern“. Die Hoffnung auf eine Verlängerung hätten er und sein Geschäftspartner Tawan Tehrani aufgegeben. Der Club in dem großen Kuppelsaal gehörte zu einer der beliebtesten Party-Locations in Berlin.
Erst vor knapp einem Jahr hatten Tehrani und Brandt das „Department“ eröffnet, das früher als „Rodeo“ bekannt war. Bereits die vormaligen Betreiber Martin Hötzl und Daniel Bertzen erlebten ein ewiges Hin und Her, weil nie klar war, wann mit dem Umbau des Postfuhramts begonnen wird. Alle paar Monate wurde eine neue Abschiedsparty gefeiert. Doch Silvester, so scheint es, wird es tatsächlich die letzte sein.
Auch Tehrani und Brandts begeben sich nun wieder auf die Suche nach einer neuen Location.
Noch im August hatte sich C/O-Leiter Stefan Erfurt, wie berichtet, gegen einen Standort am Bahnhof Zoo und generell gegen einen Umzug in einen anderen Bezirk ausgesprochen: Man benötige die „Besucheranbindung“ in Mitte.
Nach wie vor ist die renommierte Fotogalerie auch am ehemaligen Kunsthaus Tacheles an der Oranienburger Straße interessiert. Die schwierige Suche nach neuen Ausstellungshallen habe inzwischen aber auch dazu geführt, dass unter anderem ein Umzug nach Charlottenburg, nach Kreuzberg oder in die alte Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg erwogen werde, sagt Sprecher Nowak. Die Senatskulturverwaltung unterstütze die Bemühungen, Staatssekretär André Schmitz sei „stark engagiert“.
Der Sprecher der Senatskulturverwaltung, Günter Kolodziej, bestätigte „konstruktive Gespräche“ über einen Umzug ins Amerika-Haus. Wie der Tagesspiegel aus mehreren anderen Quellen erfuhr, hat sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vorbehalten, im Erfolgsfall den Durchbruch zu verkünden. Deshalb gibt es aus den beteiligten Landesinstitutionen derzeit nur spärliche Auskünfte. Der Liegenschaftsfonds teilte mit, die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Amerika-Hauses sei noch nicht gefallen.
Nach wie vor ist geplant, die bisher nahe der Urania ansässige Landeszentrale für politische Bildung im Amerika- Haus anzusiedeln. Dem Vernehmen nach könne dieser rund ein Drittel der Fläche genügen. Die C/O-Galerie könnte das Foyer, den größten Teil des Veranstaltungsaals, die zweite Etage und wohl auch Kellerräume als Lager nutzen. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Kulturstadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) zeigte sich überrascht, aber erfreut über die Idee. „Das passt“, sagte er und wies auf die Nachbarschaft zum Museum für Fotografie der Helmut-Newton-Stiftung in der Jebensstraße am Bahnhof Zoo hin.
Das Amerika-Haus war einst ein Informations- und Kulturzentrum der USA. Der derzeitige Mieter, das Regionalmanagement City West, zieht provisorisch in das nahe Bürogebäude „City Light House“ um und sucht noch einen dauerhaften neuen Standort.
Im Postfuhramt hat der neue Eigentümer, der Medizintechnikhersteller Biotronik aus Neukölln, sowohl der Galerie C/O als auch dem Club „Department“ zum Jahresende gekündigt. Doch die Galerie will erst im Frühjahr 2013 ausziehen: „Der Mietvertrag gilt aus unserer Sicht bis Ende März“, sagt Sprecher Nowak. Dementsprechend sollen die laufende Joel-Sternfeld-Retrospektive und die Ausstellung zum „Deutsche Börse Photography Prize 2012“ bis zum 13. Januar gezeigt werden. Anschließend sind zwei weitere Ausstellungen geplant.
Seit dem Jahr 2000 hat C/O jährlich bis zu 15 Ausstellungen gezeigt, darunter etwa Fotos von Annie Leibowitz, Karl Lagerfeld und Robert Mapplethorpe.Rund 70 mögliche Ersatzstandorte haben die drei Gründer erfolglos geprüft. Ihr Favorit war die Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße. Zuletzt wollten sie alte Atelierhäuser im Monbijoupark nutzen. Dafür gab es einen einstimmigen Beschluss der BVV Mitte, aber dann stoppte das Bezirksamt das Vorhaben wegen eines fehlenden Bebauungsplans.
Im „Department“ dreht sich die Discokugel nur noch an vier Wochenenden, anders als die Galerie muss der Club wohl zum Jahresende schließen. Geschäftsführer Felix Brandts rechnet damit, „dass wir Silvester hier die letzte große Party feiern“. Die Hoffnung auf eine Verlängerung hätten er und sein Geschäftspartner Tawan Tehrani aufgegeben. Der Club in dem großen Kuppelsaal gehörte zu einer der beliebtesten Party-Locations in Berlin.
Erst vor knapp einem Jahr hatten Tehrani und Brandt das „Department“ eröffnet, das früher als „Rodeo“ bekannt war. Bereits die vormaligen Betreiber Martin Hötzl und Daniel Bertzen erlebten ein ewiges Hin und Her, weil nie klar war, wann mit dem Umbau des Postfuhramts begonnen wird. Alle paar Monate wurde eine neue Abschiedsparty gefeiert. Doch Silvester, so scheint es, wird es tatsächlich die letzte sein.
Auch Tehrani und Brandts begeben sich nun wieder auf die Suche nach einer neuen Location.
Cleared den Ring, kommt das Christkind
Hereinspaziert zum Staunen, Lachen und Träumen: Traditionell zur Adventszeit beginnt die Saison der großen und kleinen Weihnachtszirkusse in Berlin.
Information zum DatenschutzWenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter oder Google in die USA übertragen und unter Umständen auch dort gespeichert.Soziale Netzwerke dauerhaft einschaltenDauerhaft aktivieren und Datenübertragung zustimmen oder deaktivieren:Facebook aktivierenTwitter aktivierenGoogle+ aktivierenWeihnachtszirkus, Roncalli,William,CabuwaziKeine Geburtstagsparty ohne Flaschendrehen, das Spiel kennt jedes Kind. Doch wer kann über die gläsernen Hälse aufrechtstehender Bierflaschen einmal rundherum im Kreis spazieren und tanzen? Diesen Flaschenlauf bringt derzeit – angeblich als Einziger weltweit – nur Michael Ortmeier fertig. Und dabei hat der 27-jährige Bayer ein berühmtes historisches Vorbild. Schon im frühen 19. Jahrhundert verblüffte der französische Artist Jean-Baptiste Auriol im Pariser Cirque Olympique sein Publikum mit dieser Balancenummer. Kaum einer hat’s nach dem Franzosen erneut perfekt vorgeführt – bis zur Adventssaison 2012. Ab 19. Dezember zeigt Michael Ortmeier das Kunststück fast täglich in der Manege des Roncalli-Weihnachtszirkus im Tempodrom.
Herrreinspaziert! Was für ein Zirkus, was für ein Spektakel! In der Adventszeit und über die Feiertage bis zur ersten Januarwoche kann man wieder staunen, lachen und träumen in Berlin. Immer wenn das Christkind naht, beginnt die Saison der großen und kleinen Weihnachtszirkusse in der Stadt. Schließlich gehört das Manegenvergnügen für viele Familien so selbstverständlich zum Fest wie der Weihnachtsbraten. Man hat allerdings die Qual der Wahl. Insgesamt sieben Zirkusshows sind im Angebot.
Beim Zirkus Roncalli, der zum neunten Male in Berlin gastiert, kehrt der 65-jährige Unternehmensgründer und Direktor Bernhard Paul zurück in die Manege, setzt seine Knollennase auf und spielt nach einer längeren Auszeit wieder seine Paraderolle: den Clown Zippo. Und zwar gemeinsam mit dem belgischen Clownstar Jan van Dyke. Keine Frage: Auch den Klassiker „Bienchen, Bienchen, gib mir Honig“ geben die beiden zum Besten.
Was zaubert Roncalli-Chef Paul während der Show noch aus seiner Wundertüte? Etliche neue Artisten hat er verpflichtet, so den Schweizer Claude Criblez, der wundersame Flugobjekte durch die Luft steuert. Oder die Kolumbianer Los Nablos auf dem Teufelsrad, Pony-Flüsterer Karl Trunk mit Shetty „Chocolate“, Leonid Beljakow mit seinem dressierten Boxer-Weibchen „Klitschko“ – und eben Flaschenläufer Michael Ortmeier. Den hat Bernhard Paul vom Fleck weg engagiert, als der junge Kunstturner und Geograf sein Können vor einem Jahr in der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ erstmals öffentlich zeigte. Noch während der Sendung rief Paul Showmaster Thomas Gottschalk an und verkündete, dass er auf einen Nachfolger von Jean-Baptiste Auriol schon lange gewartet habe. Ortmeier hatte den Job.
Die zweite zirzensische Weihnachtsbescherung ist ab 14. Dezember am Olympiastadion zu sehen. Dort hat der „Berliner Weihnachts-Circus“ bereits zum 18. Mal sein großes Zelt aufgebaut. Erneut stehen, bunt gemixt mit Artistik, außergewöhnliche Tierdressuren im Mittelpunkt. Elefanten, Giraffen, Nashörner, Kamele und Flusspferde marschieren auf, eine Provokation für manche Tierschützer. Doch der Zirkus geht in die Offensive, verweist auf seine „artgerechte Tierhaltung“. Was noch zum Programm gehört? Pferdedressuren, ulkige Hundenummern, Stunts in der Motorradkugel, fliegende Akrobaten, das Live-Orchester.
Die Nummern drei und vier im Manegenreigen heißen „Menschen, Tiere, Sensationen“, kurz: MTS, und Zirkus Williams. „MTS“ hat Tradition, gehört seit Jahrzehnten zum Berliner Advent und wird vom Zirkus Berolina ab 22. Dezember in Waltersdorf bei Schönefeld präsentiert. Große Pferdedressuren wie einst zur Kaiserzeit sind zu bewundern, auch viel Artistik vom Salto Mortale am Trapez bis zu Hochseilradlern. Die Williams-Show „Zirkusträume“ startet mit einem Mix aus Dressuren und Artistik am 20. Dezember in Hohenschönhausen.
Aber Zirkus macht auch im kleineren Rahmen Laune. So bei den Kinder- und Jugendzirkussen „Schatzinsel“ und „Cabuwazi“. Im Kreuzberger Schatzinsel-Zelt kann man einen „wundersamen Weihnachtsmarkt“ erleben, in den Cabuwazi-Zelten in Friedrichshain, Treptow, Altglienicke und Marzahn gibt es jeweils verschiedene Programme – in Treptow beispielsweise droht ein Weihnachtsmuffel das Fest zu vermiesen. Und die Nachwuchskünstler von Cabuwazi in Marzahn spielen sogar auf einer ganz großen Bühne mit: bei der Adventsshow des Wintergarten-Varietés „Zimt & Zauber“.
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Herrreinspaziert! Was für ein Zirkus, was für ein Spektakel! In der Adventszeit und über die Feiertage bis zur ersten Januarwoche kann man wieder staunen, lachen und träumen in Berlin. Immer wenn das Christkind naht, beginnt die Saison der großen und kleinen Weihnachtszirkusse in der Stadt. Schließlich gehört das Manegenvergnügen für viele Familien so selbstverständlich zum Fest wie der Weihnachtsbraten. Man hat allerdings die Qual der Wahl. Insgesamt sieben Zirkusshows sind im Angebot.
Beim Zirkus Roncalli, der zum neunten Male in Berlin gastiert, kehrt der 65-jährige Unternehmensgründer und Direktor Bernhard Paul zurück in die Manege, setzt seine Knollennase auf und spielt nach einer längeren Auszeit wieder seine Paraderolle: den Clown Zippo. Und zwar gemeinsam mit dem belgischen Clownstar Jan van Dyke. Keine Frage: Auch den Klassiker „Bienchen, Bienchen, gib mir Honig“ geben die beiden zum Besten.
Was zaubert Roncalli-Chef Paul während der Show noch aus seiner Wundertüte? Etliche neue Artisten hat er verpflichtet, so den Schweizer Claude Criblez, der wundersame Flugobjekte durch die Luft steuert. Oder die Kolumbianer Los Nablos auf dem Teufelsrad, Pony-Flüsterer Karl Trunk mit Shetty „Chocolate“, Leonid Beljakow mit seinem dressierten Boxer-Weibchen „Klitschko“ – und eben Flaschenläufer Michael Ortmeier. Den hat Bernhard Paul vom Fleck weg engagiert, als der junge Kunstturner und Geograf sein Können vor einem Jahr in der ZDF-Show „Wetten, dass..?“ erstmals öffentlich zeigte. Noch während der Sendung rief Paul Showmaster Thomas Gottschalk an und verkündete, dass er auf einen Nachfolger von Jean-Baptiste Auriol schon lange gewartet habe. Ortmeier hatte den Job.
Die zweite zirzensische Weihnachtsbescherung ist ab 14. Dezember am Olympiastadion zu sehen. Dort hat der „Berliner Weihnachts-Circus“ bereits zum 18. Mal sein großes Zelt aufgebaut. Erneut stehen, bunt gemixt mit Artistik, außergewöhnliche Tierdressuren im Mittelpunkt. Elefanten, Giraffen, Nashörner, Kamele und Flusspferde marschieren auf, eine Provokation für manche Tierschützer. Doch der Zirkus geht in die Offensive, verweist auf seine „artgerechte Tierhaltung“. Was noch zum Programm gehört? Pferdedressuren, ulkige Hundenummern, Stunts in der Motorradkugel, fliegende Akrobaten, das Live-Orchester.
Die Nummern drei und vier im Manegenreigen heißen „Menschen, Tiere, Sensationen“, kurz: MTS, und Zirkus Williams. „MTS“ hat Tradition, gehört seit Jahrzehnten zum Berliner Advent und wird vom Zirkus Berolina ab 22. Dezember in Waltersdorf bei Schönefeld präsentiert. Große Pferdedressuren wie einst zur Kaiserzeit sind zu bewundern, auch viel Artistik vom Salto Mortale am Trapez bis zu Hochseilradlern. Die Williams-Show „Zirkusträume“ startet mit einem Mix aus Dressuren und Artistik am 20. Dezember in Hohenschönhausen.
Aber Zirkus macht auch im kleineren Rahmen Laune. So bei den Kinder- und Jugendzirkussen „Schatzinsel“ und „Cabuwazi“. Im Kreuzberger Schatzinsel-Zelt kann man einen „wundersamen Weihnachtsmarkt“ erleben, in den Cabuwazi-Zelten in Friedrichshain, Treptow, Altglienicke und Marzahn gibt es jeweils verschiedene Programme – in Treptow beispielsweise droht ein Weihnachtsmuffel das Fest zu vermiesen. Und die Nachwuchskünstler von Cabuwazi in Marzahn spielen sogar auf einer ganz großen Bühne mit: bei der Adventsshow des Wintergarten-Varietés „Zimt & Zauber“.
Sunday, December 2, 2012
Brandenburg-Zeit regierte Beschwerden
Der Absturz der Berliner Genossen sorgt im Nachbarland für Angst: Die Basis der Linken in Brandenburg drängt auf ein schärferes Profil im rot-roten Bündnis. Auf einem Parteitag am Adventssonntag fielen dazu kritische Worte wie selten zuvor.
Brandenburgs Linke will bis zur Landtagswahl 2014 in der rot-roten Regierung stärker gegenüber der SPD auftrumpfen. Das hat Landtagsfraktionschef Christian Görke am Sonntag auf dem Landesparteitag in Frankfurt (Oder) angekündigt. Er verteidigte die Regierungsleistungen der Linken und versprach: „Wir werden uns klarer zu Wort melden, auch innerhalb der Koalition.“
Zuvor war von vielen Rednern aus der Parteibasis deutlich wie selten zuvor Kritik am Erscheinungsbild, am mangelnden Profil, aber auch an der fehlenden Streitkultur in der Linken geübt worden, die in allen Umfragen der letzten Zeit auf 20 Prozent – hinter der CDU – abgestürzt ist.
Bei den Brandenburger Linken wächst die Angst vor dem Schicksal der Genossen in Berlin, wo die Partei nach zehnjähriger Regierungszeit 2011 dramatische Verluste eingefahren hatte.
Zwar unterstützte in der Generalaussprache niemand offen den Bundestagsabgeordneten Wolfgang Neskovic, der im Vorfeld mit der mageren rot-roten Bilanz, der SPD-Folgsamkeit der Linken und ihrem Umgang mit Kritikern abgerechnet hatte. Selbst Basisvertreter hatten kein Verständnis für das Vorgehen von Neskovic, der wie angekündigt dem Parteitag fernblieb, mit Unterstützung der Vize-Bundeschefin Sahra Wagenknecht aber gegen breiten Widerstand bei den Landes-Linken in der Lausitz erneut für den Bundestag kandidieren will. In der Sache steht er mit seinen Warnungen nicht allein. „Wir müssen wieder den Mut haben, über rote Ampeln zu gehen“, sagte etwa der Neuenhager Ortschef Sven Kindervater. Der Barnimer Kreischef Sebastian Walter forderte einen anderen Umgang mit den massiven Protesten von Lehrern und Polizisten gegen die rot-rote Sparpolitik: „Das sind keine Minderheiten. Wir müssen das ernster nehmen.“
Bundestagsabgeordnete Dagmar Enkelmann, parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion und neue Chefin der Rosa-Luxemburg-Stiftung, lobte Erfolge der Linken in der rot-roten Koalition, fügte aber hinzu: „Wir haben Glaubwürdigkeit verloren.“ Es sei ein Fehler, dass die Linke das Volksbegehren für ein striktes Nachtflugverbot am Hauptstadtflughafen BER nicht mittrage. „Wenn es jetzt erfolgreich ist, erwartete ich eure Unterstützung für die Forderungen!“, sagte Enkelmann an die Adresse der Landtagsfraktion.
Andere Redner mahnten eine offenere Streitkultur an. So beklagte der Frankfurter Stadtchef Rene Wilke „Rechtfertigungsmechanismen“, wenn Kritik geübt werde, und die Einteilung der Partei „in Macher und Kritiker“. Er forderte mehr Mut, Fehler einzugestehen: „Auch wir haben die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen.“ Der Landtagsabgeordnete Jürgen Maresch, der mit seinem Nein zur Polizeireform und der Zwangsfusion der Lausitzer Hochschulen aus der Partei- und Koalitionslinie ausschert, berichtete über Druck: „Ich habe inzwischen Angst, meine Meinung in der Fraktion und Partei offen zu sagen.“ In dem Zusammenhang widersprach Gerrit Große, Landtagsabgeordnete und Vize-Parlamentspräsidentin, offen Parteichef Stefan Ludwig, der mit Blick auf die Wahlkämpfe vor allem Geschlossenheit gefordert hatte. Große sagte, die Linke brauche „Vielstimmigkeit“ im Inneren.
Überhaupt blieb Parteichef Ludwig, der erst im Februar gewählt worden war, auf dem Parteitag blass, was viele ernüchterte. Seine Auftaktrede habe keine Akzente gesetzt, sei nicht auf die Stimmungen an der Basis eingegangen, habe keine Linie vorgegeben, hieß es. Als Ziel der Linken bei der Bundestagswahl 2013 gab Ludwig ein Ergebnis von „25 Prozent plus X“ aus. Bei der Bundestagswahl 2009 war die Linke stärkste Partei in Brandenburg geworden.
Es waren andere, die in die Bütt gingen, damit der Parteitag nicht aus dem Ruder lief, etwa Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski oder Wirtschaftsminister Ralf Christoffers. Der warnte davor, „in gute Linke, bessere Linke und noch bessere Linke“ einzuteilen. „Wir sollten innerparteilich abrüsten.“ Die Berliner Linke-Politikerin Katina Schubert, Abgesandte der Bundesspitze, sagte: „Wer einen Politikwechsel in Deutschland will, muss die einzige rot-rote Regierung stützen.“ In Berlin würden viele Genossen, die damals Rot-Rot kritisch sahen, nun mit der Großen Koalition merken, „was damals erreicht wurde und heute nicht mehr möglich ist“.
Brandenburgs Linke will bis zur Landtagswahl 2014 in der rot-roten Regierung stärker gegenüber der SPD auftrumpfen. Das hat Landtagsfraktionschef Christian Görke am Sonntag auf dem Landesparteitag in Frankfurt (Oder) angekündigt. Er verteidigte die Regierungsleistungen der Linken und versprach: „Wir werden uns klarer zu Wort melden, auch innerhalb der Koalition.“
Zuvor war von vielen Rednern aus der Parteibasis deutlich wie selten zuvor Kritik am Erscheinungsbild, am mangelnden Profil, aber auch an der fehlenden Streitkultur in der Linken geübt worden, die in allen Umfragen der letzten Zeit auf 20 Prozent – hinter der CDU – abgestürzt ist.
Bei den Brandenburger Linken wächst die Angst vor dem Schicksal der Genossen in Berlin, wo die Partei nach zehnjähriger Regierungszeit 2011 dramatische Verluste eingefahren hatte.
Zwar unterstützte in der Generalaussprache niemand offen den Bundestagsabgeordneten Wolfgang Neskovic, der im Vorfeld mit der mageren rot-roten Bilanz, der SPD-Folgsamkeit der Linken und ihrem Umgang mit Kritikern abgerechnet hatte. Selbst Basisvertreter hatten kein Verständnis für das Vorgehen von Neskovic, der wie angekündigt dem Parteitag fernblieb, mit Unterstützung der Vize-Bundeschefin Sahra Wagenknecht aber gegen breiten Widerstand bei den Landes-Linken in der Lausitz erneut für den Bundestag kandidieren will. In der Sache steht er mit seinen Warnungen nicht allein. „Wir müssen wieder den Mut haben, über rote Ampeln zu gehen“, sagte etwa der Neuenhager Ortschef Sven Kindervater. Der Barnimer Kreischef Sebastian Walter forderte einen anderen Umgang mit den massiven Protesten von Lehrern und Polizisten gegen die rot-rote Sparpolitik: „Das sind keine Minderheiten. Wir müssen das ernster nehmen.“
Bundestagsabgeordnete Dagmar Enkelmann, parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion und neue Chefin der Rosa-Luxemburg-Stiftung, lobte Erfolge der Linken in der rot-roten Koalition, fügte aber hinzu: „Wir haben Glaubwürdigkeit verloren.“ Es sei ein Fehler, dass die Linke das Volksbegehren für ein striktes Nachtflugverbot am Hauptstadtflughafen BER nicht mittrage. „Wenn es jetzt erfolgreich ist, erwartete ich eure Unterstützung für die Forderungen!“, sagte Enkelmann an die Adresse der Landtagsfraktion.
Andere Redner mahnten eine offenere Streitkultur an. So beklagte der Frankfurter Stadtchef Rene Wilke „Rechtfertigungsmechanismen“, wenn Kritik geübt werde, und die Einteilung der Partei „in Macher und Kritiker“. Er forderte mehr Mut, Fehler einzugestehen: „Auch wir haben die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen.“ Der Landtagsabgeordnete Jürgen Maresch, der mit seinem Nein zur Polizeireform und der Zwangsfusion der Lausitzer Hochschulen aus der Partei- und Koalitionslinie ausschert, berichtete über Druck: „Ich habe inzwischen Angst, meine Meinung in der Fraktion und Partei offen zu sagen.“ In dem Zusammenhang widersprach Gerrit Große, Landtagsabgeordnete und Vize-Parlamentspräsidentin, offen Parteichef Stefan Ludwig, der mit Blick auf die Wahlkämpfe vor allem Geschlossenheit gefordert hatte. Große sagte, die Linke brauche „Vielstimmigkeit“ im Inneren.
Überhaupt blieb Parteichef Ludwig, der erst im Februar gewählt worden war, auf dem Parteitag blass, was viele ernüchterte. Seine Auftaktrede habe keine Akzente gesetzt, sei nicht auf die Stimmungen an der Basis eingegangen, habe keine Linie vorgegeben, hieß es. Als Ziel der Linken bei der Bundestagswahl 2013 gab Ludwig ein Ergebnis von „25 Prozent plus X“ aus. Bei der Bundestagswahl 2009 war die Linke stärkste Partei in Brandenburg geworden.
Es waren andere, die in die Bütt gingen, damit der Parteitag nicht aus dem Ruder lief, etwa Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski oder Wirtschaftsminister Ralf Christoffers. Der warnte davor, „in gute Linke, bessere Linke und noch bessere Linke“ einzuteilen. „Wir sollten innerparteilich abrüsten.“ Die Berliner Linke-Politikerin Katina Schubert, Abgesandte der Bundesspitze, sagte: „Wer einen Politikwechsel in Deutschland will, muss die einzige rot-rote Regierung stützen.“ In Berlin würden viele Genossen, die damals Rot-Rot kritisch sahen, nun mit der Großen Koalition merken, „was damals erreicht wurde und heute nicht mehr möglich ist“.
Henkel erkennt Verbot der NPD, eine gute Chance,
Am Donnerstag werden die Bundesländer wohl ein neues NPD-Verbotsverfahren beschließen. Auch Berlins Innensenator Frank Henkel unterstützt das Vorhaben. Bundesinnenminister Friedrich knirscht allerdings mit den Zähnen.
Die Bundesländer werden in dieser Woche voraussichtlich einen neuen NPD-Verbotsantrag beschließen. Der Ausgang gilt jedoch als völlig ungewiss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bekräftigte am Sonntag seine Skepsis und kündigte an, den Ministerpräsidenten und dem Bundeskabinett nochmals die Risiken zu verdeutlichen. Dies sei die Pflicht der Innenminister, „und ich werde das auch machen“, sagte Friedrich „Spiegel Online“.
Damit droht auf der Innenministerkonferenz an diesem Mittwoch ein Konflikt.
Anders als Friedrich halten inzwischen fast alle Länder eine Neuauflage des Verbotsverfahrens gegen die NPD für geboten. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier(CDU), rechnet mit breiter Zustimmung für den Vorstoß. Am Donnerstag wollen die Ministerpräsidenten darüber entscheiden.
Caffier - Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern - rechnet bei dem Treffen im Ostseebad Warnemünde allerdings noch mit intensiven Gesprächen. „Ich gehe davon aus, dass wir bis zur letzten Minute diskutieren“, sagte er in Schwerin. Dabei sei Bewegung zu erkennen. Als Skeptiker unter den Ländern gelten noch Hessen und das Saarland. Niedersachsen hatte am Freitag eingelenkt.
Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) räumt einem neuen NPD-Verbotsverfahren gute Chancen ein. Juristische Bedenken dürften zwar nicht wegdiskutiert werden - „ohne Risikobereitschaft wird es aber nicht gehen“, sagte Henkel der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er erwarte, dass auch Skeptiker Friedrich zum Schluss für ein Verbot plädierten. Dafür sprächen die umfangreiche Materialsammlung und die hohe Erwartungshaltung in der Bevölkerung. Bei der Beweisführung komme es ihm darauf an, enge Verbindungen zwischen der NPD und gewaltbereiten, rechtsextremen Gruppen zu belegen - etwa den Autonomen Nationalisten (AN) in Berlin. „Wenn uns
das gelingt, wiegt das sehr schwer“, sagte Henkel.
Neben Friedrich sieht auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ein Verbotsverfahren skeptisch. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck mahnte am Sonntag: „Das Stellen eines NPD-Verbotsantrages ist weder eine innenpolitische Mutprobe noch ein antifaschistischer Lackmustest. Es ist eine juristische Frage, die mit kühlem Kopf entschieden werden sollte.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bislang erklärt, sie wolle zunächst die Auswertung belastender Daten abwarten. Die dazu eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe listet in ihrem Abschlussbericht laut „Spiegel“ Hetzreden, Aufrufe und Artikel von mehr als 400 NPD-Mitgliedern auf.
Die Bundesländer werden in dieser Woche voraussichtlich einen neuen NPD-Verbotsantrag beschließen. Der Ausgang gilt jedoch als völlig ungewiss. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bekräftigte am Sonntag seine Skepsis und kündigte an, den Ministerpräsidenten und dem Bundeskabinett nochmals die Risiken zu verdeutlichen. Dies sei die Pflicht der Innenminister, „und ich werde das auch machen“, sagte Friedrich „Spiegel Online“.
Damit droht auf der Innenministerkonferenz an diesem Mittwoch ein Konflikt.
Anders als Friedrich halten inzwischen fast alle Länder eine Neuauflage des Verbotsverfahrens gegen die NPD für geboten. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier(CDU), rechnet mit breiter Zustimmung für den Vorstoß. Am Donnerstag wollen die Ministerpräsidenten darüber entscheiden.
Caffier - Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern - rechnet bei dem Treffen im Ostseebad Warnemünde allerdings noch mit intensiven Gesprächen. „Ich gehe davon aus, dass wir bis zur letzten Minute diskutieren“, sagte er in Schwerin. Dabei sei Bewegung zu erkennen. Als Skeptiker unter den Ländern gelten noch Hessen und das Saarland. Niedersachsen hatte am Freitag eingelenkt.
Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) räumt einem neuen NPD-Verbotsverfahren gute Chancen ein. Juristische Bedenken dürften zwar nicht wegdiskutiert werden - „ohne Risikobereitschaft wird es aber nicht gehen“, sagte Henkel der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er erwarte, dass auch Skeptiker Friedrich zum Schluss für ein Verbot plädierten. Dafür sprächen die umfangreiche Materialsammlung und die hohe Erwartungshaltung in der Bevölkerung. Bei der Beweisführung komme es ihm darauf an, enge Verbindungen zwischen der NPD und gewaltbereiten, rechtsextremen Gruppen zu belegen - etwa den Autonomen Nationalisten (AN) in Berlin. „Wenn uns
das gelingt, wiegt das sehr schwer“, sagte Henkel.
Neben Friedrich sieht auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ein Verbotsverfahren skeptisch. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck mahnte am Sonntag: „Das Stellen eines NPD-Verbotsantrages ist weder eine innenpolitische Mutprobe noch ein antifaschistischer Lackmustest. Es ist eine juristische Frage, die mit kühlem Kopf entschieden werden sollte.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bislang erklärt, sie wolle zunächst die Auswertung belastender Daten abwarten. Die dazu eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe listet in ihrem Abschlussbericht laut „Spiegel“ Hetzreden, Aufrufe und Artikel von mehr als 400 NPD-Mitgliedern auf.
außerhalb Berlusconiland
Die Demokratische Partei (PD) ruft italienische Staatsbürger weltweit zur Vorwahl für den Hauptkandidaten für die kommende Parlamentswahl auf. Wie Berlins Italiener sich an der Vorwahl in der Heimat beteiligten - ein Ortsbesuch.
Pizza oder Pasta? Die Wahl ist oftmals qualvoll genug. Wenn man sich aber beim Italiener zwischen zwei potenziellen Regierungschefs entscheiden muss, kann das um einiges komplizierter werden. Im Schöneberger Restaurant A’Muntagnola stehen zwar die Namen der Kandidaten nicht auf der Speiseliste. Doch die Italiener, die sich in diesen Tagen in Berlin befinden, konnten hier am 2. Dezember neben einer Pizza Capricciosa auch eine neue politische Führung für die Mitte-Links Koalition bestellen.
Die Demokratische Partei (PD) ruft italienische Staatsbürger weltweit zur Vorwahl für den Hauptkandidaten für die kommende Parlamentswahl auf.
„Uns geht es darum, dass sich möglichst viele Italiener an diesem demokratischen Entscheidungsprozess beteiligen”, sagt die PD-Abgeordnete Laura Garavini. So entstanden in Städten, in denen viele Italiener leben, improvisierte Wahllokale.
Von dieser Entscheidung könnte die politische Zukunft Italiens abhängen. Laut Umfragen ist die PD mit etwa 30 Prozent der Stimmen die stärkste politische Kraft im Land. Nur zwei der fünf Kandidaten, die am 25. Oktober antraten, hatten es zur Stichwahl am Sonntag geschafft: Der PD-Parteivorsitzende Pierluigi Bersani und der junge Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi. Bersani und Renzi verkörpern zwei unterschiedliche politische Modelle. Der 61-jährige Parteivorsitzende, der seine Karriere in der Kommunistischen Partei (PCI) begann, steht für politische Erfahrung und Kontinuität. Der 24 Jahre jüngere Renzi, über den Silvio Berlusconi einmal sagte, er bedauere, er wäre nicht in seiner Partei, ist das Sprachrohr derjenigen, die sich eine liberaldemokratische Wende wünschen. Am Ende setzte sich Bersani klar durch.
Man könnte erwarten, dass die jüngere Generation ein Faible für den Bürgermeister hat. Schaut man sich aber erste Ergebnisse in Berlin an, dann ist das nicht der Fall. Mehr als die Hälfte der etwa 170 Wähler, die für die erste Runde im Restaurant A’Muntagnola erschienen, sind jünger als Renzi. Nur 19 aber stimmten insgesamt für ihn.
Nach Botschaftsangaben ist die Zahl der Italiener in Berlin in den letzten zwei Jahren um etwa zwanzig Prozent gestiegen. Viele davon sind gut ausgebildete junge Menschen, die einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit suchen.
Irene Orrico, 26, kam vor drei Jahren, um Sprachwissenschaften zu studieren. „Nach all den Jahren unter Berlusconi konnte ich mich einfach nicht mehr mit meinem Land identifizieren”, sagt sie. In Berlin ging ihr Wunsch nach Freiheit und Stabilität in Erfüllung. Jetzt wünscht sie sich dasselbe für Italien. Für sie ist Renzis marktwirtschaftsfreundliche Politik der falsche Weg. Auch die ehemalige WDR-Journalistin Lilia Bevilacqua, 70, hat sich für Bersani entschieden. „Er steht für Stabilität“, sagt sie, „und das braucht Italien im Moment sehr“. Seit über dreißig Jahren wohnt sie in Berlin. Doch die politische Lage in ihrem Heimatland hat sie nie aus dem Blick verloren. Immer wieder versuchte sie, ihren deutschen Freunden zu erklären, dass Italien nicht Berlusconiland sei. „Durch Berlusconis Regierungsstil fühlen sich viele Deutsche in ihren Vorurteilen gegenüber Italien bestätigt. Es ist traurig“, sagt sie.
Diejenigen, die wie Bevilacqua lange in Berlin sind, kennen sich schon seit mehreren Jahren. Im A’Muntagnola herrscht die Atmosphäre eines Treffens alter Freunde. Man umarmt und küsst einander. Der Restaurantbesitzer Pino Bianco empfängt alle mit einem Lächeln. Seit mehr als 20 Jahren ist sein Restaurant ein Treffpunkt für die italienische Gemeinde. Er ist einer der wenigen, die sich für Matteo Renzi entschieden haben. Die Entscheidung habe er in den letzten Tagen getroffen. Ihm gefiel die Art und Weise, wie Bersani dem Gegner Unregelmäßigkeiten beim Umwerben unentschlossener Wähler vorgeworfen hat. „Ich war lange in der Italienischen Kommunistischen Partei“, sagt er. „Wir haben früher in der Partei viele solche Maßregelungen gesehen. Um wieder auf die Beine zu kommen, muss sich Italien von solchen Denkstrukturen befreien und einen neuen Anfang wagen.“
Pizza oder Pasta? Die Wahl ist oftmals qualvoll genug. Wenn man sich aber beim Italiener zwischen zwei potenziellen Regierungschefs entscheiden muss, kann das um einiges komplizierter werden. Im Schöneberger Restaurant A’Muntagnola stehen zwar die Namen der Kandidaten nicht auf der Speiseliste. Doch die Italiener, die sich in diesen Tagen in Berlin befinden, konnten hier am 2. Dezember neben einer Pizza Capricciosa auch eine neue politische Führung für die Mitte-Links Koalition bestellen.
Die Demokratische Partei (PD) ruft italienische Staatsbürger weltweit zur Vorwahl für den Hauptkandidaten für die kommende Parlamentswahl auf.
„Uns geht es darum, dass sich möglichst viele Italiener an diesem demokratischen Entscheidungsprozess beteiligen”, sagt die PD-Abgeordnete Laura Garavini. So entstanden in Städten, in denen viele Italiener leben, improvisierte Wahllokale.
Von dieser Entscheidung könnte die politische Zukunft Italiens abhängen. Laut Umfragen ist die PD mit etwa 30 Prozent der Stimmen die stärkste politische Kraft im Land. Nur zwei der fünf Kandidaten, die am 25. Oktober antraten, hatten es zur Stichwahl am Sonntag geschafft: Der PD-Parteivorsitzende Pierluigi Bersani und der junge Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi. Bersani und Renzi verkörpern zwei unterschiedliche politische Modelle. Der 61-jährige Parteivorsitzende, der seine Karriere in der Kommunistischen Partei (PCI) begann, steht für politische Erfahrung und Kontinuität. Der 24 Jahre jüngere Renzi, über den Silvio Berlusconi einmal sagte, er bedauere, er wäre nicht in seiner Partei, ist das Sprachrohr derjenigen, die sich eine liberaldemokratische Wende wünschen. Am Ende setzte sich Bersani klar durch.
Man könnte erwarten, dass die jüngere Generation ein Faible für den Bürgermeister hat. Schaut man sich aber erste Ergebnisse in Berlin an, dann ist das nicht der Fall. Mehr als die Hälfte der etwa 170 Wähler, die für die erste Runde im Restaurant A’Muntagnola erschienen, sind jünger als Renzi. Nur 19 aber stimmten insgesamt für ihn.
Nach Botschaftsangaben ist die Zahl der Italiener in Berlin in den letzten zwei Jahren um etwa zwanzig Prozent gestiegen. Viele davon sind gut ausgebildete junge Menschen, die einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit suchen.
Irene Orrico, 26, kam vor drei Jahren, um Sprachwissenschaften zu studieren. „Nach all den Jahren unter Berlusconi konnte ich mich einfach nicht mehr mit meinem Land identifizieren”, sagt sie. In Berlin ging ihr Wunsch nach Freiheit und Stabilität in Erfüllung. Jetzt wünscht sie sich dasselbe für Italien. Für sie ist Renzis marktwirtschaftsfreundliche Politik der falsche Weg. Auch die ehemalige WDR-Journalistin Lilia Bevilacqua, 70, hat sich für Bersani entschieden. „Er steht für Stabilität“, sagt sie, „und das braucht Italien im Moment sehr“. Seit über dreißig Jahren wohnt sie in Berlin. Doch die politische Lage in ihrem Heimatland hat sie nie aus dem Blick verloren. Immer wieder versuchte sie, ihren deutschen Freunden zu erklären, dass Italien nicht Berlusconiland sei. „Durch Berlusconis Regierungsstil fühlen sich viele Deutsche in ihren Vorurteilen gegenüber Italien bestätigt. Es ist traurig“, sagt sie.
Diejenigen, die wie Bevilacqua lange in Berlin sind, kennen sich schon seit mehreren Jahren. Im A’Muntagnola herrscht die Atmosphäre eines Treffens alter Freunde. Man umarmt und küsst einander. Der Restaurantbesitzer Pino Bianco empfängt alle mit einem Lächeln. Seit mehr als 20 Jahren ist sein Restaurant ein Treffpunkt für die italienische Gemeinde. Er ist einer der wenigen, die sich für Matteo Renzi entschieden haben. Die Entscheidung habe er in den letzten Tagen getroffen. Ihm gefiel die Art und Weise, wie Bersani dem Gegner Unregelmäßigkeiten beim Umwerben unentschlossener Wähler vorgeworfen hat. „Ich war lange in der Italienischen Kommunistischen Partei“, sagt er. „Wir haben früher in der Partei viele solche Maßregelungen gesehen. Um wieder auf die Beine zu kommen, muss sich Italien von solchen Denkstrukturen befreien und einen neuen Anfang wagen.“
Seit 40 Jahren ist die Academy Orchestra aus jungen Musikern aus der Philharmonie. Dinner heute.
Auf so ein Probespiel warten viele: Der 23-jährige Thomas Schleicher steht mit seiner Trompete den Berliner Philharmonikern gegenüber – es ist schon eine Ehre, überhaupt eingeladen zu werden. 20 andere Bewerber sind ebenfalls zum Vorspielen für die Orchester-Akademie gekommen, unter ihnen die 20-jährige Noemi Makkos, die Schleicher bereits seit längerem kennt: Beide haben zuvor am Salzburger Mozarteum studiert. Jeder der Bewerber spielt perfekt, da kommt es auf die kleinsten Nuancen an. Nur zwei Plätze für Trompeter vergibt die Akademie diesmal. Nach drei Runden sind sie besetzt – die Wahl ist auf Schleicher und Makkos gefallen.
Damit ist ein Traum wahr geworden: Im September haben die beiden ihr zweijähriges Stipendium bei der Akademie begonnen, die am Sonntag ihr 40. Jubiläum feiert. Sie üben regelmäßig in der Philharmonie, bekommen Einzelunterricht und arbeiten mit dem Orchester – eine Mischung aus Post-graduate-Studium und Praktikum. „Es ist das Ziel jedes klassischen Musikers, bei den Berliner Philharmonikern zu spielen“, sagt Schleicher, „als Kind hätte ich mir nie träumen lassen, mal hier zu sein.“ Die aus Ungarn stammende Makkos nickt zustimmend.
Das strenge Auswahlverfahren für die 20- bis 25-jährigen Bewerber hat sich seit 1972 nicht verändert, erklärt Juliane Wandel, die Geschäftsführerin der Orchester-Akademie. In jenem Jahr war das Nachwuchsförderprogramm von Herbert von Karajan gegründet worden. Es war die erste Akademie zur Förderung des Profimusiker-Nachwuchses überhaupt, eine geniale Idee. Bald gründeten auch andere Orchester nach dem Vorbild der Philharmoniker eigene Akademien.
Die Anfänge waren zunächst bescheiden: Drei Plätze gab es im Gründungsjahr, aber die Kapazitäten wuchsen schnell, heute sind es 30. Bei den Probespielen kommen auf einen Platz bis zu 80 Bewerber. Auf die Frage, welche Instrumente am schwierigsten zu besetzen seien, antwortet Juliane Wandel: alle. „Es kann sogar sein, dass nach der ersten Probespiel-Runde abgebrochen wird und es heißt: Diesmal ist kein geeigneter Kandidat dabei.“
Ziel der Orchester-Akademie ist es, jungen Musikern, die bereits einen exzellenten Hochschulabschluss gemacht haben, die Möglichkeit zu geben, im richtigen Orchesterbetrieb zu spielen – denn diese Erfahrung fehlt vielen. „Es ist ein ganz anderes Gefühl im Orchester zu spielen“, sagt Makkos. „Das erste Konzert hier war für mich etwas echt Besonderes: Der Saal war voll besetzt und wir haben Charles Ives’ zweite Symphonie unter der Leitung von Ingo Metzmacher gespielt.“ Diese positiven Erfahrungen kann Schleicher nur bestätigen: „Man wird hier wirklich gut aufgenommen.“ Im wahrsten Sinne des Wortes: 32 der derzeit 128 Mitglieder der Berliner Philharmoniker sind ehemalige Stipendiaten. Der aus Nürnberg stammende Schleicher ist momentan einer der wenigen aus Deutschland. Im Durchschnitt betrage die Verteilung je ein Drittel aus Deutschland, Europa und aller Welt“, sagt Wandel. Mehr als 600 Musiker aus allen Nationen haben die Akademie seit der Gründung erfolgreich durchlaufen.
Ein ambitioniertes Projekt, das nur dank Mäzenen aus Industrie, Wirtschaft und Bankwesen möglich ist. Einige der Spender fördern die Akademie seit 1972. Dennoch ist es laut Wandel gegenwärtig schwieriger als früher, die Finanzierung zu stemmen, da viele Unternehmen eher dazu tendieren, Sport zu fördern. Aktuell belaufen sich die Kosten eines Stipendiums auf etwa 20 000 Euro, der jährliche Haushalt der Akademie liegt bei etwa 600 000 Euro.
Zum Jubiläum am heutigen Sonntag haben sich mehr als 300 ehemalige Akademisten angesagt. 128 von ihnen werden unter Simon Rattle bei einem Festkonzert am Nachmittag Anton Bruckners achte Symphonie spielen. Thomas Schleicher freut sich schon auf seine Vorgänger: „Ich will auf jeden Fall mit den früheren Stipendiaten ins Gespräch kommen!“ Gelegenheit dazu wird er haben, er nimmt vor dem Konzert noch an einer Podiumsdiskussion teil. Das Thema? Natürlich die Geschichte der Akademie.
Philharmonie, Herbert-von-Karajan- Straße 1, Tiergarten, Festkonzert: Sonntag 16 Uhr, 23–70 Euro. Im Foyer läuft eine Ausstellung zur Orchester-Akademie
Damit ist ein Traum wahr geworden: Im September haben die beiden ihr zweijähriges Stipendium bei der Akademie begonnen, die am Sonntag ihr 40. Jubiläum feiert. Sie üben regelmäßig in der Philharmonie, bekommen Einzelunterricht und arbeiten mit dem Orchester – eine Mischung aus Post-graduate-Studium und Praktikum. „Es ist das Ziel jedes klassischen Musikers, bei den Berliner Philharmonikern zu spielen“, sagt Schleicher, „als Kind hätte ich mir nie träumen lassen, mal hier zu sein.“ Die aus Ungarn stammende Makkos nickt zustimmend.
Das strenge Auswahlverfahren für die 20- bis 25-jährigen Bewerber hat sich seit 1972 nicht verändert, erklärt Juliane Wandel, die Geschäftsführerin der Orchester-Akademie. In jenem Jahr war das Nachwuchsförderprogramm von Herbert von Karajan gegründet worden. Es war die erste Akademie zur Förderung des Profimusiker-Nachwuchses überhaupt, eine geniale Idee. Bald gründeten auch andere Orchester nach dem Vorbild der Philharmoniker eigene Akademien.
Die Anfänge waren zunächst bescheiden: Drei Plätze gab es im Gründungsjahr, aber die Kapazitäten wuchsen schnell, heute sind es 30. Bei den Probespielen kommen auf einen Platz bis zu 80 Bewerber. Auf die Frage, welche Instrumente am schwierigsten zu besetzen seien, antwortet Juliane Wandel: alle. „Es kann sogar sein, dass nach der ersten Probespiel-Runde abgebrochen wird und es heißt: Diesmal ist kein geeigneter Kandidat dabei.“
Ziel der Orchester-Akademie ist es, jungen Musikern, die bereits einen exzellenten Hochschulabschluss gemacht haben, die Möglichkeit zu geben, im richtigen Orchesterbetrieb zu spielen – denn diese Erfahrung fehlt vielen. „Es ist ein ganz anderes Gefühl im Orchester zu spielen“, sagt Makkos. „Das erste Konzert hier war für mich etwas echt Besonderes: Der Saal war voll besetzt und wir haben Charles Ives’ zweite Symphonie unter der Leitung von Ingo Metzmacher gespielt.“ Diese positiven Erfahrungen kann Schleicher nur bestätigen: „Man wird hier wirklich gut aufgenommen.“ Im wahrsten Sinne des Wortes: 32 der derzeit 128 Mitglieder der Berliner Philharmoniker sind ehemalige Stipendiaten. Der aus Nürnberg stammende Schleicher ist momentan einer der wenigen aus Deutschland. Im Durchschnitt betrage die Verteilung je ein Drittel aus Deutschland, Europa und aller Welt“, sagt Wandel. Mehr als 600 Musiker aus allen Nationen haben die Akademie seit der Gründung erfolgreich durchlaufen.
Ein ambitioniertes Projekt, das nur dank Mäzenen aus Industrie, Wirtschaft und Bankwesen möglich ist. Einige der Spender fördern die Akademie seit 1972. Dennoch ist es laut Wandel gegenwärtig schwieriger als früher, die Finanzierung zu stemmen, da viele Unternehmen eher dazu tendieren, Sport zu fördern. Aktuell belaufen sich die Kosten eines Stipendiums auf etwa 20 000 Euro, der jährliche Haushalt der Akademie liegt bei etwa 600 000 Euro.
Zum Jubiläum am heutigen Sonntag haben sich mehr als 300 ehemalige Akademisten angesagt. 128 von ihnen werden unter Simon Rattle bei einem Festkonzert am Nachmittag Anton Bruckners achte Symphonie spielen. Thomas Schleicher freut sich schon auf seine Vorgänger: „Ich will auf jeden Fall mit den früheren Stipendiaten ins Gespräch kommen!“ Gelegenheit dazu wird er haben, er nimmt vor dem Konzert noch an einer Podiumsdiskussion teil. Das Thema? Natürlich die Geschichte der Akademie.
Philharmonie, Herbert-von-Karajan- Straße 1, Tiergarten, Festkonzert: Sonntag 16 Uhr, 23–70 Euro. Im Foyer läuft eine Ausstellung zur Orchester-Akademie
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