Thursday, December 13, 2012

Smoke on the train

Ein S-Bahnzug ist am Donnerstagmorgen am Potsdamer Platz liegen geblieben, weil sich Rauch im Zug entwickelt hatte. Die Ursache dafür ist noch unklar, die Fahrgäste waren aber nicht gefährdet. Anschließend kam es zu Verspätungen.

Am Potsdamer Platz kam es heute Morgen zu einem S-Bahnausfall. Gegen 9 Uhr war dort ein Zug der Linie S2 in Richtung Blankenfelde liegen geblieben, weil sich Rauch im Zug entwickelt hatte. Der Grund dafür ist noch unklar, sagte ein Sprecher der Bahn. Die Fahrgäste wurden gebeten, in einen anderen Zug umzusteigen. Nach circa 14 Minuten wurde der beschädigte Zug auf ein Abstellgleis am Anhalter Bahnhof gefahren, wo weitere Ursachen für den Schaden untersucht werden sollen. Laut Deutscher Bahn war es nur zu kurzfristigen Verspätungen gekommen, die Strecke konnte nach wenigen Minuten wieder freigegeben werden.

Goose und bessere Getreide Deutsch - Leckerbissen für Weihnachten in Mesa

Das mesa restaurant im Grand Hyatt Berlin serviert die traditionelle Seeburger Gans mit Rotkohl, Grünkohl und Kartoffelklößen.

Das mesa Restaurant im Grand Hyatt Berlin belebt die alte Tradition der Weihnachtsgans mit einem Korn der Spirituosen-Manufaktur Berliner Brandstifter neu. Zur Weihnachtszeit wird auf dem großen Marmortisch des Restaurants eine Seeburger Gans vor den Augen der Gäste tranchiert. Serviert wird das klassische Weihnachtsgericht mit Rotkohl, Grünkohl, Kartoffeln und Kartoffelklößen. Nach gutbürgerlicher Art wird jedem Gast nach dem Essen ein Kornbrand gereicht.
Hersteller des Kornbrandsist die Spirituosen-Manufaktur Berliner Brandstifter. Jede Flasche wird von Hand abgefüllt und nummeriert. Seit 2009 führt der gebürtige Berliner Vincent Honrodt die alte Familientradition fort.

Die regionalen Zutaten werden noch heute zum großen Teil biologisch angebaut. Siebenfache Filterung und mehrfache Destillation verleihen der Getreidespirituose mit einem Alkoholgehalt von 38 Volumenprozent ihre außergewöhnlich hohe Reinheit und ihren milden Geschmack. Die New York Times wählte den Kornbrandvon Vincent Honrodt2011 unter die Top 15 der besten Produkte Europas.
Das weihnachtliche Gericht mit einem Korn kostet pro Person 40 Euro, Bestellungen ab vier Personen.Reservierungen 48 Stunden im Voraus unter +49 (0)30 2553 1572 oder per E-Mail an mesa.berlin@hyatt.com.

Monday, December 10, 2012

Berlin ruft Juden traditionelle Lichter entzünden Christen und Muslimen

Nein, mit Zur-Ruhe-Kommen hat das jüdische Lichterfest Chanukka nicht viel zu tun. Jedenfalls nicht für Rabbiner Yehuda Teichtal, der das Jüdische Bildungszentrum Chabad Lubawitsch in Wilmersdorf leitet. Zwei Tage bevor die erste der acht Kerzen am Chanukka-Leuchter angezündet werden muss, sitzt Teichtal dort in seinem Büro, telefoniert häufig und hat eigentlich keine Zeit für Journalisten. „Tut mir leid“, sagt er, „ich muss gleich los. Das Gebet sprechen, beim Gedenken mit Netanjahu am Gleis 17.“
Israels Ministerpräsident hatte am Donnerstag nach den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen mit seiner Frau Sarah das Mahnmal „Gleis 17“ in Grunewald besucht.
 Es erinnert an die Deportationen jüdischer Berliner in die Vernichtungslager der Nazis. Nach dem Gebet für die Opfer musste Teichtal nach London fliegen, gestern Morgen kam er schon wieder zurück, um am Brandenburger Tor den sechs Meter hohen Chanukka-Leuchter aufzustellen.
Den Ort hatte Teichtal im Jahr 2003 sehr bewusst gewählt. „Der Leuchter als Zeichen jüdischen Lebens vor dem Brandenburger Tor – das hat eine große, eine ungeheure Symbolkraft“, sagt er.
Das Lichterfest Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (164 vor Christus). Zuvor war während des legendären Makkabäer-Aufstands die Fremdherrschaft der Seleukiden über Judäa beendet worden. Diese hatten im Tempel einen einzigen Krug mit geweihtem Öl übersehen, der eigentlich nur einen Tag als Brennstoff für das sogenannte ewige Licht gereicht hätte.


Wie durch ein Wunder brannte das Licht aber acht Tage lang. Deshalb wird bis heute am Chanukka-Leuchter jeden Tag eine weitere Kerze angezündet – die erste in diesem Jahr am 8. Dezember.
„Eigentlich also am Sonnabend“, sagt Rabbiner Teichtal. „Aber am Brandenburger Tor schaffen wir das wegen des Sabbats erst am Sonntag.“ Dann werden nicht nur Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), US-Botschafter Philip D. Murphy und der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman erwartet, sondern auch katholische und protestantische Pfarrer und Imame aus zahlreichen Berliner Moscheen.
„Wir haben viele Vertreter anderer Religionen eingeladen“, sagt Teichtal, „weil wir glauben, dass die meisten Menschen Frieden wollen. Deshalb strecken wir die Arme aus – gerade in diesen schwierigen Zeiten.“ Natürlich denkt er dabei an die jüngsten antisemitischen Vorfälle und Übergriffe in Berlin: Eine Woche nach der brutalen Attacke auf den Rabbiner Daniel Alter war Teichtals Tochter betroffen. Sie gehörte zu den Mädchen der Jüdischen Schule, die Anfang September als „Judentussen“ beschimpft und durch obszöne Gesten beleidigt wurden.

Wie viele Juden glaubt Yehuda Teichtal, dass die neu aufgeflammten Ressentiments auch etwas mit der Beschneidungsdebatte zu tun haben, „Nicht, dass ich die Debatte ablehne“, sagt er: „Sie ist legitim. Aber der Ton, in dem sie oft geführt wird, die Unwissenheit und manchmal sogar der Hass – das erschreckt mich zutiefst.“
Wie der überfallene Rabbiner Daniel Alter ist Teichtal der Ansicht, dass Juden sich jetzt erst recht zu ihrem Glauben bekennen sollten. Das Chanukka-Fest eignet sich hervorragend dafür, findet er. Schließlich war der Aufstand vor mehr als 2100 Jahren auch eine Reaktion darauf, dass die damaligen Herrscher jüdische Glaubens- und Lebensgrundsätze abschaffen wollten. Auf Beschneidung stand beispielsweise die Todesstrafe.
Zwar ist Chabad Lubawitsch eine orthodoxe Vereinigung, aber keineswegs im Sinne einer rückwärtsgewandten und abgeschotteten Gemeinschaft, sagt Teichtal. Deshalb sei das zum Bildungs- und Familienzentrum mit Synagoge umgebaute ehemalige Bewag-Umspannwerk in der Münsterschen Straße auch eine Begegnungsstätte verschiedener Kulturen: „Wir hatten gerade erst eine Schulklasse aus Neukölln mit vorwiegend muslimischen Schülern hier, wir sind sehr offen.“



Und so lädt der Rabbiner alle zum Lichterzünden ein. „Chanukka erinnert an den Sieg des Lichts über die Dunkelheit, des Friedens über die Tyrannei“, sagt er: „Und daran, dass jene Menschen, die tolerant miteinander umgehen, die Mehrheit sind – auch in Berlin.“ Das Lichterfest bestätige ihn in seinem Engagement, sagt Teichtal. Für ihn sei die Botschaft, dass es nicht ausreiche, nur eine Kerze anzuzünden: „Es muss jeden Tag eine mehr sein. Wir dürfen nicht ruhen, sondern müssen immer noch ein bisschen mehr tun.“

Das Lichteranzünden findet am Sonntag, 9. Dezember um 18.30 Uhr auf dem Pariser Platz statt.

Strangers in den Hintergrund

Ein kleines Zimmer in einem Hinterhof in Mitte, direkt neben der Charité in der Luisenstraße. Vier zusammengestellte Tische stehen mittig im Raum, darauf etliche Laptops, Monitore, Tablet-Computer und Smartphones. Dazwischen Kabelwirrwar und ein Modellauto, gelb natürlich, wie die New Yorker Taxis. So sieht es aus, wenn sich vier junge Menschen zusammentun, um eine App zu entwickeln, eine mobile Anwendung für Smartphones. „Bettertaxi“ soll Taxifahren nachhaltig, günstiger und bargeldlos möglich machen. Und vor allem günstiger. Denn ab dem kommenden Frühjahr soll die App auch als eine Art Mitfahrzentrale für Taxifahrten fungieren. Gemeinsam in einem Taxi, obwohl man sich nicht kennt, sogenanntes Taxi-Sharing, gibt es in Berlin bislang noch nicht – zumindest nicht organisiert.
 Die Idee ist einfach: Der Nutzer tippt Start und Ziel seiner Route ein, dann macht die App Vorschläge, mit welchen anderen Fahrgästen er sich das Fahrzeug und damit auch die Kosten teilen kann. Diese Vermittlungsarbeit kostet einen Euro, gezahlt wird nur, wenn es zur erfolgreichen Sammelfahrt kommt. „Es lohnt sich besonders für längere Strecken und zu hoch frequentierten Orten wie etwa dem Flughafen“, sagt Niels Beisinghoff, 35, der vor knapp zwei Jahren die Idee zur App hatte. Gemeinsam mit seinem Cousin Marius Schatke, 25, Fredrik Forstbach und Timo Euteneuer tüftelt er hier im Hinterhaus an der Weiterentwicklung seiner Idee. In dem Hochhaus neben der Charité sitzen lauter Berliner Start-up-Firmen, die ein „Exist“-Stipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie erhalten; kofinanziert wird das ganze vom Europäischen Sozialfonds.
Seit Oktober ist die Grundversion bereits fürs iPhone und Android-Systeme verfügbar. Momentan ist es vor allem eine andere App, deren Aufkleber auf vielen Taxis der Stadt zu sehen ist: Mytaxi. Dennoch glauben die Macher, dass ihr Konzept vor allem in Berlin auf große Zustimmung stoßen wird. Auch wegen des „Better“ im Namen. Damit rechtfertigen die jungen Unternehmer ihren Anspruch auf Nachhaltigkeit. „Wir möchten, dass der Nutzer sein eigenes Auto gar nicht mehr braucht“, sagt Beisinghoff. Das Unternehmen möchte gern den CO2-Fußabdruck verwischen. Für jede über die App gebuchte Fahrt investiert Bettertaxi in Projekte des TÜV-geprüften Hamburger Unternehmens „Arktik“, das Windräder und Klimaschutzprogramme finanziert. „Bei einer Fahrt von zehn Kilometern fallen etwas zwei Kilogramm CO2 an“, sagt Beisinghoff. „Auf dem Weltmarkt kosten die ungefähr drei Cent. Dieses Geld investieren wir.“ Den Passagier kostet das nichts. Der zahlt nur seine Taxifahrt, deren Preis durch die deutsche Taxigebührenordnung festgeschrieben ist. Die Macher von Bettertaxi erhoffen sich davon größeres Interesse unter den umweltbewussten Berlinern.
Einen Nachteil haben die Sammelfahrten: Sie sind nur mit Kartenzahlung buchbar. Zur Anmeldung gibt der Fahrgast seine Kontoinformationen an und der Fahrpreis wird nach erfolgreicher Fahrt abgebucht – ähnlich wie bei anderen Car-Sharing-Angeboten. Auch deswegen ist man beim Taxiverband skeptisch, dass sich das Taxi-Sharing durchsetzen wird.
Die App funktioniert momentan nur in Berlin, soll aber bald in allen deutschen Großstädten verfügbar sein. Das Unternehmen ist derzeit mit den Zentralen im Gespräch. „Wir sind in erster Linie Taxi-App, ein Massengeschäft“, erklärt Beisinghoff. Ganz im Sinne ihrer Idee hat nur einer der vier Gründer noch einen privaten Pkw – Fredrik Forstbach ist das sichtlich peinlich. „Ich habe vor kurzem einen Sohn bekommen“, sagt er entschuldigend. „Und der ist ziemlich lauffaul."

Pirates aussetzt Beitrag zusätzliche Gewinne - aber nur teilweise


"Transparenz muss gelebt werden", hieß es im Wahlprogramm der Berliner Piraten. Einer der Abgeordneten aber gibt sich störrisch, wenn es um die Veröffentlichung seiner Nebeneinkünfte geht. Nun ist eine satirische Webseite online gegangen, um Alexander Morlang unter Druck zu setzen.

Mit diesen Worte warben die Piraten einst für sich: „Transparenz ist keine Anordnung, Transparenz muss gelebt werden“, heißt es im Wahlprogramm aus dem vergangenen Jahr. Störrisch gibt sich Alexander Morlang, eines der Fraktionsmitglieder im Abgeordnetenhaus, wenn es darum geht, dieses Versprechen im Kleinen in die Tat umzusetzen.
Im Wahlprogramm heißt es unmissverständlich, jeder Abgeordnete habe „Auskunft über die Art und Höhe seiner Bezüge neben der Diät“ zu geben. Von Morlang aber war in Sachen Nebeneinkünfte, anders als von seinen Fraktionskollegen, monatelang nichts zu erfahren. Seit einigen Wochen wuchs der Unmut unter Parteifreunden, am vergangenen Donnerstag gingen die Kritiker in die Offensive: Die Jungen Piraten, die Jugendorganisation der Partei, schaltete die satirische Webseite morlangseinkuenfte.de online.

Ein „Details“-Button führt vermeintlich zu genauen Auskünften über die Nebeneinkünfte – verspringt aber, wann immer der Nutzer versucht, ihn anzuklicken.
Kurz darauf, am Montag, tauchte erstmals eine Angabe auf Morlangs Homepage auf. Der zeitliche Zusammenhang ist aber blanker Zufall – sagt zumindest der Abgeordnete. Zu erfahren ist bisher die Summe der Nebeneinkünfte im Jahr 2012: null Euro. Warum es so lange gedauert hat, eine solche Angabe zu machen? „Ich hatte viel um die Ohren, deswegen hat sich das verzögert“, sagt Morlang. Bis Montagnachmittag war allerdings noch nicht zu erfahren, wie es im Jahr 2011 aussah. Morlang sagt, er „prüfe“ gerade, ob er nur vor oder auch nach der Wahl Nebeneinkünfte hatte.

Auf seiner Homepage schreibt der Pirat, er habe große Mengen Papierkram zu sortieren, und das dauere so lange, wie es dauere. Rund fünfzehn Monate sind seit der Abgeordnetenhauswahl vergangen, Morlang aber gibt sich in Sachen Transparenz gelassen: „Anfeindungen, Druck, Beleidigungen und anderes werden diesen Vorgang nicht beschleunigen.“


Der Kampf für die großen Flüchtlingslager im Winter

Ob am Brandenburger Tor oder am Oranienplatz in Kreuzberg: Die in Berlin protestierenden Flüchtlinge frieren. In der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule will die Kreuzberger Fraktion nun überwintern. Doch der Protest soll auch weitergehen.
Utopia versinkt im Schnee. Und auch der Schriftzug „für eine herrschaftsfreie Gesellschaft“. Der steht gleich unter dem rot gepinselten Wort „Utopia“ auf dem Transparent am Eingang der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg. Die wirbelnden Flocken verhüllen den revolutionären Aufruf, als wollte der Winter den Aktivisten in die Parade fahren. Aber die lassen sich auch vom Wetter nicht vertreiben. Martin Schwarz, dick vermummt gegen den Frost, schleppt einen großen Kochtopf am Transparent vorbei. „Ein heißes Süppchen muss jetzt sein“, ruft der 33-Jährige, bevor er in einem Eingang verschwindet.

sich ein. Es sind die Flüchtlinge und ihre Helfer vom Camp am Kreuzberger Oranienplatz, aber auch die Mitglieder einer Initiative, die in einem Teil des weitgehend leer stehenden Schulhauses ein selbstverwaltetes Kultur- und Sozialzentrum schaffen will.
In der Gerhart-Hauptmann-Schule an der Ecke Reichenberger/Ohlauer Straße wird seit zwei Jahren nicht mehr unterrichtet. Nur ins Parterre des Hauptgebäudes ist inzwischen das Drogenhilfsprojekt „Fixpunkt“ eingezogen. Deshalb wird im Schulhaus weiterhin geheizt, es gibt Wasser und Strom. Ein guter Grund für die bis zu 40 Flüchtlinge am Oranienplatz und ihre Unterstützer aus der linken Szene, die Schule zu besetzen. Wie berichtet, drangen sie am Samstagnachmittag dort ein. Ihr bisheriges Zeltcamp, in dem sie seit Oktober leben, erfordert mehr und mehr den Überlebenswillen von Polarforschern.
Aymen aus dem Sudan steht am Infopoint des Camps am Oranienplatz und fröstelt selbst im wattierten Anorak. In seiner Heimat, die er „aus politischen Gründen“ verlassen musste, ist es jetzt tropisch warm. Etwa 30 Grad. In Kreuzberg schläft der 19-Jährige mit acht Mann in einem Zelt. „Immer nur kalt“, sagt er. Dicke Schlafsäcke und Gasheizungen sind da, reichen aber nicht aus. Nur ab und zu wärmt er sich tagsüber in einer Kneipe auf. Deshalb hofft Aymen nun auf das Schulhaus. „Allerdings“, sagt er und schaut dabei sehr entschlossen, „bleiben wir auch hier, am Oranienplatz. Auf jeden Fall.“ Und eine Sprecherin der Flüchtlingsinitiative bestätigt das. Die Schule brauche man im Winter „als Rückzugsort, zum Aufwärmen“. Dann zeigt sie auf die kleine Zeltstadt, auf deren Planen Schnee lastet. „Das ist unser zentraler Protestort. Gegen die Lagerpflicht und Residenzpflicht für Flüchtlinge und für den Stopp aller Abschiebungen. Daran halten wir fest.“

Ob die Besetzer vorerst geduldet werden oder nicht, darüber will das Bezirksamt am Dienstag beraten. Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) vertrat aber schon am Sonnabend eine liberale Linie. Bis zum Frühjahr könnten die Flüchtlinge wohl unterkommen, sagte er. Danach aber müsse das Hauptgebäude wieder frei sein für andere Interessenten, die sich dort voraussichtlich einmieten wollten. Dazu gehörten die Freie Schule Kreuzberg und ein Geburtshaus. Für die zweite Gruppe der Besetzer jedoch, die Aktivisten, die in einem Schulbungalow auf dem Gelände ein selbstverwaltetes Zentrum einrichten will, hat Schulz weniger Sympathien. „Die werden wir nicht dulden“, sagt er. Und denkt dabei vermutlich auch an die leidvolle Erfahrung des Bezirks mit den einstigen Besetzern des Künstlerhauses Bethanien. Nach der Aktion 2005 zog sich der Konflikt dort jahrelang hin.

Doch auch die Kiezinitiative gibt sich hart. Kochgeschirr, rote Gasflaschen, Tische schleppen junge Frauen und Männer im Schneetreiben zu dem ungeheizten Flachbau. Am Abend ist schon ein Konzert geplant. „So ein Zentrum braucht der Kiez“, sagt ein Sprecher. Das müsse auch Franz Schulz einsehen.

Am Hauptgebäude gegenüber hängt über zwei Etagen ein Plakat gegen Abschiebungen. Im Foyer, gleich links, heizt ein Radiator, rechts blickt Gerhart Hauptmann auf einer Fotografie streng von der Wand. Und ein paar Meter weiter fläzt sich Manfred Fischer mit seinem Laptop auf ein zerschlissenes Sofa, das die Besetzer vermutlich dort hingeschleppt haben. Der 22-Jährige ist hier der Aufpasser. „Bis hierher okay“, sagt er. „Oben ist Presse unerwünscht.“ Unterdessen wird der Flockenwirbel immer dichter. Die Transparente sind endgültig verweißt. Utopia ist verschwunden

Saturday, December 8, 2012

Mehr von seinen Stein

Berlins Stadtplaner träumen, wenn es an die großen Straßen der Hauptstadt geht, von Boulevards, Alleen gar, und dem Flaneur sei bitte nichts zu schwör. Als Vorbild gilt seit mehr als hundert Jahren Paris, das stolzeste Selbstbild aber liefern Unter den Linden – wenn deren Bäume nicht gerade U-Bahnbaumäßig abgehackt sind – und der Kurfürstendamm. Mit zum Bild gehören da die begrünten Mittelstreifen. Straßenmitten, die urberlinisch auch Damm heißen: „Jehn wa mal übern Damm!“ Solche Mitteldämme sind tatsächlich eine schöne Berliner Eigenart.
 Paris hat sie nämlich nicht. Nicht einmal auf den schier endlos breiten Champs-Élysées. Auch in London, Wien, München oder Mailand gehören solche Unterteilungen von Pracht- und Geschäftsstraßen nicht zum Bild. Eine grandiose Ausnahme, mit ihren Cafés, Blumenständen und Straßenkünstlern, ist nur die Mittelpromenade der Ramblas von Barcelona.
Jetzt macht die Tauentzienstraße Furore. Sie ist eigentlich keine halbe Meile lang, gut 500 Meter, aber noch immer ganz Berlins meistbesuchte Einkaufsmeile. Geteilt wird auch die durch einen ausladenden Mittelstreifen. Tagesspiegel-Kolumnist Harald Martenstein hat sich erst unlängst über dessen Neugestaltung empört: eine Reihe riesiger grauer Granitwannen mit struppigen Eiben gefüllt. Vielen Lesern und Passanten gefällt das genauso wenig. Doch über den Mittelstreifen motzen außer den Autofahrern, die sich ohnehin mehr Fahrbahnen wünschen, auch die Gewerbetreibenden. Gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit, herrscht hier zwischen Breitscheidplatz und dem KaDeWe am Wittenbergplatz vor den Läden heftiges Schieben und Drängen. Also hätten man gerne breitere Gehwege. Und für die Radfahrer, die am U-Bahnhof Wittenbergplatz die vergessenen Fahrradständer beklagen, fehlen überhaupt eigene Radwege.
Was hier passiert ist, kann als Gesamtberliner Lehrstück gelten. Erst gräbt die BVG jahrelang, um die U-Bahndecken und allerlei sonst zu sanieren. Dann wird auf der dicht frequentierten Straße eine weitere Baustelle eröffnet, die mit ortsüblichen Verzögerungen einem aufwendigen „Verschönerungsprojekt“ dienen soll. Zwar ist man damit bis Adventsbeginn an der Mündung zum Kurfürstendamm und zum Breitscheidplatz nicht ganz fertig geworden, doch die granitgraue Mittelstreifenanlage mit den tristen Zwerg-Eiben, ohne Beleuchtung und Sitzbänke, präsentiert auf einem der belebtesten Areale der Stadt schon jetzt: die Imitation eines Friedhofs.

Nicht zuletzt wegen des teils mangelhaften und spät gelieferten, aber angeblich preisgünstigen, chinesischen (!) Granits hat das Ganze fast zwei Millionen Euro gekostet, ungefähr zu gleichen Teilen von der BVG und der Stadt getragen. Verantwortlich sind der federführende Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, die mitwissende Senatsbaudirektion und das unterstützende „Regionalmanagement City West“, eine Berliner Marketing-Initiative. Deren Vertreter saßen auch in einer etwa 15-köpfigen Jury, die, von noch einmal so vielen Beratern begleitet, den Wettbewerb für die neue Tauentzien-Gestaltung Anfang 2010 entschieden hat.
Man könnte nun meinen, das Friedhofsgrün sei nur Abdecker für den Winter. Bis im Frühjahr dann tausend Blumen blühen. Der Bezirk indes rühmt die jetzige Anlage als „pflegeleicht“. Auf die Frage, ob sich da noch etwas korrigieren ließe, sagt Bezirksstadtrat Marc Schulte, der Chef des Charlottenburger Amts für Stadtentwicklung: „Für die Planung war ich nicht verantwortlich, ich saß auch nicht in der Jury, das war mein Vorgänger.“ Schulte findet die Gestaltung prinzipiell „okay“, hätte aber trotzdem nichts gegen ein paar Blumen und bessere Sitzgelegenheiten. „Wenn das die anliegenden Gewerbetreibenden wünschen und bezahlen“, sagt er. „Allerdings gilt für den Entwurf auch das Urheberrecht.“

Nach dem Plan der Garten- und Landschaftsarchitekten des Berliner Büros „Lützow 7“ sind die Eiben Dauergewächse. Die geäußerte Kritik ficht Jan Wehberg, Leiter von „Lützow 7“, nicht an: „Wir haben nur Hecken-Bepflanzung vorgesehen, die Eiben waren eine Wahl des Auftraggebers.“ Die Eiben seien jedoch ordentliche Gewächse. „Wenn sie mal richtig angewachsen sind und geschnitten werden, sieht das harmonischer aus als heute.“ Weniger trist, sagt Wehberg, wäre die Wirkung auch, wenn aus Kostengründen nicht die vorgesehene LED-Beleuchtung der Beete gestrichen worden wäre – ebenso wie bessere Sitzgelegenheiten. Jetzt gibt es als Unterlage nur billige, kalte Plastikfolien auf den nackten Kanten der Granitwannen.
Wehberg, ein renommierter Stadtlandschaftsarchitekt, dessen Büro beispielsweise auch den Garten des Kanzleramts und die Grünanlage vorm Reichstag gestaltet hat, klagt seinerseits über „Funktionäre statt eigenverantwortlicher Bauherren“ als Partner bei kommunalen und staatlichen Projekten, und wundert sich: „Berlin, der Bund und der Bezirk Mitte sind offenbar zu arm, um vor dem deutschen Parlament noch Rasen und Hecken zu schneiden und angemessen zu pflegen.“ Auch die Behelfscontainer der Besucherschleusen vor dem Reichstag sind seiner Meinung nach „vom hässlichen Provisorium zur Dauereinrichtung geworden“.
Die Hauptstadt taumelt dahin. Sie möchte die Kriegs- und Nachkriegszerstörungen in Ost und West beheben und wieder mehr stadtbürgerliche Identität stiften. Doch geschieht das oft ganz geschmacksunsicher. Ausgerechnet den Tauentzien hatte vor 150 Jahren Preußens Gartenbaugenie Peter Joseph Lenné angelegt. Postkarten um 1900 zeigen eine Idylle, gesäumt von großbürgerlichen Wohnhäusern. Das kann man auf einer Shoppingmeile von heute nicht mehr erwarten. Aber auch vor der jetzigen Umgestaltung gab’s an der geschäftigen Straße noch Blumenbeete und bequeme Bänke. Tatsächlich will man sich heute inmitten des Verkehrs gar nicht aufhalten, die Fußgänger sind hier keine Flaneure, sie streben zu den Schaufenstern und in die Geschäfte. Darum hätten sie gerne breitere Gehwege gehabt, und ohne eine so monoton monumental bepflanzte und versteinerte Straßenteilung wäre auch für die Fahrradfahrer noch reichlich Platz gewesen.

Berlin tut sich selbst bei eher einfachen urbanistischen Fragen plan- und kopflos schwer. So will man immer mehr „Inseln“ im Verkehr schaffen. Und produziert durch aufwendige Mittelstreifen, Straßenteiler, Haltestellen nur mehr Staus, Abgase, Ärger. Beispiele sind in Mitte, auf der zweiten großen Einkaufsmeile, die wechselnden Verschmälerungen der Friedrichstraße, bis hin zum je einspurigen Verkehr durch übergroße Straßenbahninseln zwischen Friedrichstadt-Palast und der Kreuzung Hannoversche Straße/Torstraße. Neuer Mittelstreifen-Unfug droht womöglich auch am offenen Ausgang der Linden gegenüber dem künftigen Stadtschloss.
Eine Insel wollte wiederum der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf mit der Umgestaltung des Lehniner Platzes am Rand des oberen Kurfürstendamms schaffen. Gegenüber dem Mendelsohnbau der Schaubühne wurden die dort ohnehin raren Parkplätze gestrichen, stattdessen ist nun alles zugepflastert und auf dem von grauen Stahlhelm-Laternen neu gesäumten Leerraum ein riesiges schwarzes Steinrechteck verlegt. Das soll seit dem Frühjahr 2012 ein Wasserbassin sein, sieht aber aus wie eine monströse Grabplatte – und wirkt als Affront gegen den rund und leicht geschwungenen Mendelsohnbau. Vor allem bedeutet es für spielende Kinder wegen der glatten Kanten eine ständige Sturzgefahr. Dies und eine hier direkt neben dem Ku’damm-Verkehr von niemandem genutzte Boule-Bahn hat als Entwurf des Berliner Büros für Landschaftsarchitektur Häfner/Jimenez gut 750 000 Euro gekostet. Gleichwohl ist Charlottenburg-Wilmersdorf so arm, dass inzwischen für gefällte Bäume von den privaten Anliegern vorm Nachpflanzen 500 Euro erbeten werden. Stadtentwicklung kann statt Entwicklung auch Verwirrung sein.
Friedhof und Einkaufsmeile, Boulevard und Grabplatte. Für den Verkehr und den Flaneur ist’s ein Malheur.