Sunday, December 23, 2012

Berliner Wohnungsmarkt Mangel Regelkreise

Pankow verbietet Luxussanierungen und Umwidmung in Ferienunterkünfte, um vor allem in Prenzlauer Berg preiswertes Wohnen zu erhalten. Die Regeln sollen vorbildhaft für die ganze Stadt sein - und andere Bezirke könnten demnächst folgen.
Berlin - Seit Jahren sucht die Berliner Landespolitik nach Konzepten gegen Wohnungsmangel, steigende Mieten und die Umwandlung von Miet- in lukrative Ferienwohnungen. Jetzt prescht der besonders betroffene Bezirk Pankow mit einem Paket von Verboten vor, die vor allem im populären Ortsteil Prenzlauer Berg preiswertes Wohnen erhalten sollen.
Nach einem jetzt bekannt gewordenen Bezirksamtsbeschluss von vergangener Woche ist künftig Immobilieneigentümern in den sogenannten Erhaltungsgebieten, deren soziale Mischung geschützt werden soll, vieles verboten, was zu einer Wert- und Preissteigerung der Immobilien und zu einer sozialen Entmischung führen könnte.
 So wird ab Anfang Januar die Umwandlung von Wohnraum in Gewerbe nicht mehr vom Bezirk genehmigt, ebenso wenig die Nutzung von Miet- als kommerzielle Ferienwohnungen und die Zusammenlegung von mehreren Wohnungen zu größeren Einheiten.
Pankows stellvertretender Bürgermeister und Stadtentwicklungsstadtrat Jens- Holger Kirchner (Grüne) will damit die Berliner Landesregierung und die rot- schwarze Koalition motivieren, entsprechende Initiativen auf Landesebene zu beschleunigen, wie er dem Tagesspiegel am Sonnabend sagte: „Ehe das dem Senat gelingt, dauert es drei Jahre – wenn wir als Bezirk schon mal etwas tun, kann das die Entwicklung beschleunigen.“ Demnächst will Pankow zudem sein Vorkaufsrecht für Wohnhäuser zum Verkehrswert stärker nutzen, um Immobilienspekulationen zu unterbinden und Häuser in Kooperation mit Wohnungsbaugesellschaften zu erwerben.
Nach Kirchners Darstellung wolle der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg demnächst ähnliche Beschränkungen einführen, um das Angebot an bezahlbaren Mietwohnungen in besonders nachgefragten Vierteln zu schützen. Der Bezirk hatte vergangene Woche auch beschlossen, im Interesse des Milieuschutzes die Umwandlung von Läden in Gastronomiebetriebe in Wohngebieten künftig stärker zu unterbinden, Vorbild war in dem Fall Tempelhof-Schöneberg. Während der Mieterverein den Pankower Plan begrüßt, stößt er beim Eigentümerverband Haus & Grund auf Ablehnung. In der Berliner Regierungskoalition sind die Reaktionen ambivalent. Während es bei der SPD Zustimmung gibt, sagt der CDU- Wohnungspolitiker Matthias Brauner: „Das ist kein Modell für die ganze Stadt.“
Der Mieterverein fordert die Landesregierung dazu auf, Immobilieninvestoren stärker zur Kasse zu bitten. „Das Land Berlin muss seinen Einfluss verstärken, denn die Marktentwicklung ermöglicht den Investoren erhebliche Renditen“, sagte der Geschäftsführer des Mietervereins, Rainer Wild, dem Tagesspiegel. Im Interesse eines sozialen Ausgleichs sei es „legitim, wenn das Land eine Abschöpfung der Renditen vornimmt und die Investoren auf das Gemeinwohl verpflichtet“. Aus Sicht von Immobilieninvestoren war das zu Ende gehende Jahr „ein fantastisches Jahr“, wie der Berliner Niederlassungsleiter des Marktforschungsunternehmens Bulwien-Gasa sagte. „Viele Investoren haben entschieden, sich Berlin noch stärker zu widmen.“

Wowereit Paar Rekord

Vom Auswärtigen Amt ins Rote Rathaus: Dieter Lamlé leitet die Auslandsabteilung der Senatskanzlei Mit Weltläufigkeit wirbt er für die Weltstadt – und hat dabei einen weißen Fleck auf der Landkarte entdeckt.

Geboren wurde er in Südafrika. Zur Schule gegangen ist er in Peru. Das Abitur machte er im Iran, und seine Frau, eine gebürtige Rheinländerin, lernte er in Ruanda kennen. Berlins neuer Protokollchef, Dieter Lamlé, ist eine Leihgabe des Auswärtigen Amts und ein echter Weltbürger. Er selbst nennt das freilich ganz bescheiden „Amtskind“. Denn schon sein Vater war beim Auswärtigen Amt, und da die dort Beschäftigten alle drei bis vier Jahre versetzt werden, ist er als Kind und Jugendlicher eben viel herumgekommen. Nach dem Jurastudium in Regensburg beschloss er, selber Diplomat zu werden. Ruanda war die erste Station. Seine spätere Frau Ulrike war als Ärztin für ein Familienplanungsprojekt dort unterwegs.
 „Irgendwann haben wir beschlossen, unser eigenes Familienprojekt zu gründen.“
Das Ergebnis ist in Gestalt einer Fotocollage in seinem Amtszimmer im Berliner Rathaus zu bewundern. Unter der Überschrift „Papi, du bist der Beste“ strahlen da zwei Jungen und zwei Mädchen ins Zimmer. Die Zwillinge sind 17 Jahre alt und gehen noch zur Schule. Der 21-Jährige Sohn jobbt in Kolumbien, und die 20-Jährige Tochter studiert in Rumänien Medizin. Unterwegs zu sein gehört zur Familienkultur.
Auch beim Auswärtigen Amt gibt es Mitarbeiter, die lieber in Berlin sind, weil die Frauen arbeiten oder die Kinder hier zur Schule gehen. In seiner Familie galt immer die Parole: Gern weit weg, und gern Entwicklungsländer. In den 90ern war er in Indonesien stationiert, über die Jahrtausendwende bei den Vereinten Nationen in New York. Und von 2004 bis 2008 in Lima, seiner Herzensheimat Peru. Nach seiner Rückkehr nach Berlin war er im Menschenrechtsreferat tätig, war Leiter des persönlichen Büros des Staatssekretärs und in der Personalabteilung zuständig für den Höheren Dienst. „Da entscheidet man über Schicksale“. Zwar geht es nach dem Prinzip der Freiwilligkeit, aber weniger beliebte Posten in Afghanistan und im Irak, in Kasachstan oder in der Ukraine müssen eben auch besetzt werden.
Dass er so viele Botschafter auf ihre Posten gebracht hat, kommt ihm nun sehr zugute. Der 52-Jährige ist schließlich nicht nur Chef des Protokolls, sondern auch Leiter der Auslandsabteilung. Insgesamt hat er 25 Mitarbeiter. Wenn er also einen Besuch für den Regierenden Bürgermeister vorbereiten muss oder es Gäste zu empfangen gilt und er Informationen braucht, kann er in alle Welt telefonieren und ziemlich sicher sein, dass er ganz schnell durchdringt zum jeweiligen Botschafter. Gerade bei einer international sehr gefragten Stadt wie Berlin ist das wichtig. „Hier will wirklich jeder herkommen, umgekehrt erhält der Regierende Bürgermeister auch sehr viele Einladungen in alle Welt.“ Die Sogwirkung der Stadt hat ihn seit seinem Amtsantritt im September zunehmend fasziniert. Weltweit gebe es 118 Städte, die Berlin heißen, sagt er, zwei davon auch in Peru. Berlin, Deutschland, ist für ihn die spannendste Stadt, wegen der vielen Facetten. Das war einer der Gründe, weshalb er glücklich war über „die kürzeste Versetzung“, die das Auswärtige Amt zu bieten hat. Von dort sind es ja nur ein paar hundert Meter bis zum Roten Rathaus. Einen der entfernteren Posten, Australien, hat er bereits für eine Städtepartnerschaft im Visier. Auf der großen Weltkarte, die Berlins 18 Städtepartnerschaften markiert, leuchtet da nämlich noch kein Namensschild. Wie intensiv der Austausch ist, das hängt immer auch vom Interesse des jeweiligen Bürgermeisters ab.
Erst mal bereitet er für Anfang Februar eine Reise auf die arabische Halbinsel vor. Da geht es natürlich auch um Wirtschaftsbeziehungen, darum, die richtigen Leute zu treffen. Bevor etwa in Katar Fußball gespielt wird, muss noch einiges gebaut werden. Wie bei großen Staatsbesuchen, muss auch bei solchen Reisen jeder Schritt geplant werden. Und nicht nur bei solchen. Selbst wenn es nur darum geht, den Bürgermeister von Zagreb zum Gendarmenmarkt zu führen, muss vorher feststehen, wo die Autos parken und wo genau man langgeht. Lamlé ist froh, dass der Regierende Bürgermeister so flexibel ist und offen auch für ungewöhnliche Vorschläge für Orte, die man den Gästen zeigen kann. Allerdings erwartet er auch, dass man immer wieder etwas Neues ausprobiert, zum Beispiel nicht immer dasselbe Catering nimmt für Veranstaltungen.
„Think big, kleiner wird’s von allein“, diesen Satz gibt der Protokollchef seinen Mitarbeitern gern mit ins Brainstorming. Er hat verschiedene Leitsätze, einer davon sagt, dass es wichtig ist, die Herzen von Besuchern zu erreichen. Wie man das macht? Zum Beispiel, indem man Besucher aus Asien in Elektroautos über die alte Startbahn des Flughafens Tempelhof fahren lässt. Das macht Spaß und vermittelt gleichzeitig ein Gefühl für Berliner Stadtgeschichte und Mobilität. „Wir müssen gut rüberkommen und den Gast da abholen, wo er ist“, sagt er.
In den Sommerferien geht er mit der Familie regelmäßig privat auf Reisen, eine Mischung zwischen Rucksackabenteuer und Bildungsreise. Zuletzt waren sie in Ägypten, Israel und Jordanien, letztes Jahr haben sie in Indonesien die alte Nanny wiedergetroffen. Manchmal haben sie miteinander schon über Heimat gesprochen. „Heimat ist da, wo wir sind“, war immer die Maxime der Familie, die so oft den Wohnort gewechselt hat. Berlin hat nun gute Chancen, für Dieter Lamlé noch mehr zur Heimat zu werden. Als Protokollchef lernt er die Stadt schließlich so gut kennen, wie kaum einer. Insofern war es für ihn „nur konsequent, diese Aufgabe zu übernehmen“.


Thursday, December 20, 2012

Beleidigt Assistent Polizeichef Piraten


Es ist nicht das erste Mal, dass die Piraten im Abgeordnetenhaus durch verbale Entgleisungen auffallen – aber dieses Mal ging es nicht, wie so oft, gegen die eigenen Parteifreunde, sondern gegen Berlins neuen Polizeipräsidenten Klaus Kandt. Mareike Peter, persönliche Mitarbeiterin des Piratenabgeordneten Oliver Höfinghoff, hatte Kandt vor einigen Tagen auf Twitter als „rassistisches Arschloch“ beschimpft.
Das war aber nicht die einzige Entgleisung. Vor einigen Wochen twitterte Peter, als Kandt sich in der Piratenfraktion vorstellte: „Zünd den an, solange er noch da ist.“ Damals bat Fraktionschef Christopher Lauer im Plenum um Entschuldigung.
 Hintergrund ist die Debatte um das sogenannte „Racial Profiling“, die gezielte Kontrolle von Personen, die aussehen, als hätten sie einen Migrationshintergrund, durch die Polizei. Peter wirft Kandt vor, in dem Gespräch Racial Profiling befürwortet zu haben und so institutionellen Rassismus zu fördern. Kandt hingegen will sich zum Inhalt des vertraulichen Gesprächs nicht öffentlich äußern.
„Aufs Schärfste“ hat Fraktionschef Lauer nun die neuerliche Entgleisung verurteilt und sich „geschockt“ gezeigt. Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von einer „völlig inakzeptablen“ und „ehrabschneidenden“ Äußerung. Am Donnerstag reagierte Peter und bat Kandt um Entschuldigung für den Begriff „Arschloch“ – über die Online-Ausgabe der Zeitung „BZ“. „Wenig überzeugend“ findet das Klaus Kandt, erst recht, weil Peter nicht persönlich um Entschuldigung bat. Strafantrag will er dennoch nicht stellen. Peter sagte am Donnerstag, sie habe Kandt nicht persönlich verletzen wollen, habe sich aber auf Twitter nur mit einem Freund unterhalten und „nicht damit gerechnet“, dass ihre Tweets öffentlich wahrgenommen werden.

Aus Sicht von Fraktionschef Lauer ist die Affäre noch nicht ausgestanden: Eine Pressesprecherin der Fraktion kündigte in seinem Namen an, es werde weitere Konsequenzen geben. Welche, ließ sie offen. Eine direkte Handhabe gibt es nicht, da Peter nicht bei der Fraktion, sondern bei Höfinghoff angestellt ist. Dass sie sonst längst gekündigt wäre, ließ Lauer durchblicken.
In der Piratenszene gilt als bekannt, dass Höfinghoff und Peter nicht nur Chef und Mitarbeiterin, sondern auch privat ein Paar sind. Kommentieren will Peter das nicht. Erst kürzlich war auf einer öffentlichen Mailingliste unter den Piraten eine Debatte darüber entbrannt, ob das Anstellungsverhältnis als Vetternwirtschaft zu werten sei. Als Gegenargument wurde vorgebracht, die beiden seien erst zusammengekommen, nachdem Peter ihren Job angetreten habe.


Mit "Go West" ins neue Jahr

Raus aus der Zweitklassigkeit: Die Pet Shop Boys sind Stargäste auf der Berliner Silvesterparty am Brandenburger Tor. Bis zu eine Million Besucher erwarten die Veranstalter in diesem Jahr.

Die Londoner Pet Shop Boys sind erklärtermaßen Berlin-Fans: Die Musiker Neil Tennant und Chris Lowe verbringen hier in der Regel jährlich sechs Wochen, gehen in Clubs, nehmen Songs auf und geben hin und wieder Konzerte auch in kleineren Sälen. Jetzt steht ein Publikumsrekord bevor, denn die Pet Shop Boys sind die Topstars bei der Silvesterfeier am Brandenburger Tor. Die Veranstalter um Willy Kausch erwarten bis zu eine Million Besucher.
Zum Feuerwerk um Mitternacht soll es zunächst ein Instrumental-Intro der Pet Shop Boys geben – und dann „Go West“, einen ihrer größten Hits, plus drei weitere Songs.
 In den vorigen Jahren hatten Kritiker der Riesenparty oft bemängelt, es stünden nur zweitklassige Stars auf der Bühne oder solche, die ihre beste Zeit längst hinter sich haben. Letzteres gilt zum Teil zwar auch für die Pet Shop Boys, die in den 80er und 90er Jahren am bekanntesten waren, aber das Popduo ist auch heute noch eine viel beachtete Band. Eine aktuell erfolgreiche Sängerin, die am Brandenburger Tor auftreten will, ist Loreen, die schwedische Siegerin des diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC). Mit dabei sind unter anderem auch R.I.O. feat. U-Jean, die 2012 mit „Summer Jam“ obere Plätze in den Charts erreichten, sowie Bonnie Tyler, Kate Ryan, Jürgen Drews und die Band „Ewig“, in der Jeanette Biedermann singt.
Das Publikum soll außerdem im Rahmen einer Show zum „größten Dancemob der Welt“ animiert werden und im „Gangnam Style“ tanzen – auch wenn der südkoreanische Rapper Psy, der mit dem gleichnamigen Song einen Hit und das laut „Guinness Buch der Rekorde“ beliebteste Video in der Geschichte von Youtube schuf, nicht selbst in Berlin sein wird.


An Superlativen mangelt es den Organisatoren der mittlerweile 18. Silvesterfeier auf der Straße des 17. Juni zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule nicht. Laut Willy Kausch handelt es sich um die weltweit größte Open-Air-Party zum Jahreswechsel. Sie werde nicht nur drei Stunden lang vom ZDF und Deutsche Welle TV übertragen, sondern ausschnittsweise auch von mindestens 150 weiteren Stationen in aller Welt. Vor der Hauptbühne wird eine 300 Quadratmeter große Videowand installiert, damit alle Besucher eine gute Sicht haben. Wie schon im vorigen Jahr führt das Moderatorenduo Joko und Klaas zusammen mit Mirjam Weichselbraun durch das Programm. Unverändert blieben auch die Preise für Essen und Getränke an den 150 Ständen, versprachen die Organisatoren. Man orientiere sich dabei an den Berliner Volksfesten.
Mehr als 1100 Mitarbeiter sollen im Einsatz sein, darunter 400 Ordner. Rund 260 Künstler treten auf drei Bühnen auf. Bereits am 30. Dezember könne man sie bei öffentlichen Proben erleben, heißt es. Das Höhenfeuerwerk um Mitternacht soll elf Minuten dauern und 6000 Raketen in den Himmel schicken. Es wird 1000 Toiletten geben – und erfahrungsgemäß ungefähr 150 Tonnen Müll, die ein Reinigungsunternehmen bereits am Neujahrsmorgen wieder beseitigen will.


Das Brandenburger Tor sei besonders durch die TV-Bilder von der Silvesterfeier zu „einer der visuellen Konstanten“ geworden, die das Bild Berlins im In- und Ausland prägten, sagt Burkhard Kieker, der Chef der Tourismusgesellschaft Visit Berlin. Eine solche Werbung für die Stadt sei „unbezahlbar“.
Von Weihnachten bis Silvester erwartet Kieker rund zwei Millionen Übernachtungsgäste und Tagesbesucher in der Stadt – allerdings nicht nur wegen der Silvesterfeier. Unter anderem tragen auch die vielen Weihnachtsmärkte sowie das Clubleben dazu bei, denn junge Touristen tanzen hier gerne ins neue Jahr. Für Deutsche, die zum Jahreswechsel eine Städtereise planen, sei Berlin vor Hamburg und Paris das beliebteste Ziel, sagte der Tourismuschef. Silvester dürften die Hotelzimmer „weitgehend ausverkauft“ sein. Wer jetzt noch eines suche, solle sich beeilen.

Beleidigt Assistent Polizeichef Piraten


Es ist nicht das erste Mal, dass die Piraten im Abgeordnetenhaus durch verbale Entgleisungen auffallen – aber dieses Mal ging es nicht, wie so oft, gegen die eigenen Parteifreunde, sondern gegen Berlins neuen Polizeipräsidenten Klaus Kandt. Mareike Peter, persönliche Mitarbeiterin des Piratenabgeordneten Oliver Höfinghoff, hatte Kandt vor einigen Tagen auf Twitter als „rassistisches Arschloch“ beschimpft.
Das war aber nicht die einzige Entgleisung. Vor einigen Wochen twitterte Peter, als Kandt sich in der Piratenfraktion vorstellte: „Zünd den an, solange er noch da ist.“ Damals bat Fraktionschef Christopher Lauer im Plenum um Entschuldigung.
 Hintergrund ist die Debatte um das sogenannte „Racial Profiling“, die gezielte Kontrolle von Personen, die aussehen, als hätten sie einen Migrationshintergrund, durch die Polizei. Peter wirft Kandt vor, in dem Gespräch Racial Profiling befürwortet zu haben und so institutionellen Rassismus zu fördern. Kandt hingegen will sich zum Inhalt des vertraulichen Gesprächs nicht öffentlich äußern.
„Aufs Schärfste“ hat Fraktionschef Lauer nun die neuerliche Entgleisung verurteilt und sich „geschockt“ gezeigt. Innensenator Frank Henkel (CDU) sprach von einer „völlig inakzeptablen“ und „ehrabschneidenden“ Äußerung. Am Donnerstag reagierte Peter und bat Kandt um Entschuldigung für den Begriff „Arschloch“ – über die Online-Ausgabe der Zeitung „BZ“. „Wenig überzeugend“ findet das Klaus Kandt, erst recht, weil Peter nicht persönlich um Entschuldigung bat. Strafantrag will er dennoch nicht stellen. Peter sagte am Donnerstag, sie habe Kandt nicht persönlich verletzen wollen, habe sich aber auf Twitter nur mit einem Freund unterhalten und „nicht damit gerechnet“, dass ihre Tweets öffentlich wahrgenommen werden.

Aus Sicht von Fraktionschef Lauer ist die Affäre noch nicht ausgestanden: Eine Pressesprecherin der Fraktion kündigte in seinem Namen an, es werde weitere Konsequenzen geben. Welche, ließ sie offen. Eine direkte Handhabe gibt es nicht, da Peter nicht bei der Fraktion, sondern bei Höfinghoff angestellt ist. Dass sie sonst längst gekündigt wäre, ließ Lauer durchblicken.
In der Piratenszene gilt als bekannt, dass Höfinghoff und Peter nicht nur Chef und Mitarbeiterin, sondern auch privat ein Paar sind. Kommentieren will Peter das nicht. Erst kürzlich war auf einer öffentlichen Mailingliste unter den Piraten eine Debatte darüber entbrannt, ob das Anstellungsverhältnis als Vetternwirtschaft zu werten sei. Als Gegenargument wurde vorgebracht, die beiden seien erst zusammengekommen, nachdem Peter ihren Job angetreten habe.


Sechs weitere Provinzen Registrierung der Beschwerden gate "Maerker"

Vom Schlagloch bis zu Rattenplage : Die Internetseite "Maerker" ermöglicht es Bürgern, sich mit ihren Anliegen direkt an Bezirke zu wenden. Nach Lichtenberg sind nun auch sechs weitere Bezirke dabei.

Seit vier Jahren können sich Brandenburger in 48 Kommunen über das Internetportal „Maerker“ bei ihrer Gemeinde beschweren, wenn sie Missstände wie Müllberge, defekte Ampeln und Ähnliches entdecken. Symbole geben Auskunft darüber, welchen Bearbeitungsstatus der Hinweis hat. Vor einem Jahr schloss sich der Bezirk Lichtenberg dem Angebot an.
Nun wird „Maerker“ auf Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg, Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf ausgeweitet, wie die Innenverwaltung mitteilte. Das Angebot soll dort Anfang kommenden Jahres starten.
In Lichtenberg wird das Angebot gut angenommen.

Wer im Internet das Ordnungsamt Lichtenberg besucht, kann das Symbol „Maerker“ anklicken und dann in einer Maske auf dem Bildschirm seine Beobachtung oder Beschwerde eintragen. Die Angabe einer Mailadresse ist Pflicht. Das Bezirksamt verspricht, binnen drei Tagen „verbindlich über die Bearbeitung zu informieren“. Oder, falls die regionale Behörde nicht zuständig ist, das Problem unverzüglich weiterzuleiten. Jeder Bürger erhält eine Antwort und wird mithilfe einer Ampel über den Stand der Dinge informiert. Rot: Der Hinweis ist noch nicht gesichtet. Gelb: Die Sache ist in Arbeit. Grün: Die Angelegenheit ist erledigt. Oder Grün-Gelb: der Missstand kann leider nicht behoben werden.


In Brandenburg ist „Maerker“ ein echter Renner. Auch Potsdam und viele Berlin-nahe Gemeinden machen mit, über 10 000 Bürger haben das Onlineportal dort schon genutzt.

Nun soll auch geprüft werden, ob für Smartphones und Tablets eine mobile Applikation (App) des künftigen Berliner „Maerker“-Portals entwickelt werden kann. Die Stadt Potsdam beispielsweise bietet eine solche App längst an, unter Einbeziehung einer GPS-gestützten Ortung. In Berlin begnügen sich SPD und CDU vorerst damit, vom Senat einen Bericht bis Ende April und ein „Finanzierungskonzept für den Dauerbetrieb“ zu verlangen.

Saturday, December 15, 2012

Vergessen Sie die Entstehung von Nussbaum Büro in Brand

Ulrich Nußbaums Büro ist am Sonnabend ausgebrannt. Offenbar hatte niemand die Kerzen auf seinem Adventskranz ausgepustet.

Finanzsenator Ulrich Nußbaum kam schon eine Stunde nach dem Brand mit dem Taxi. Sein Büro in der Senatsverwaltung für Finanzen war am Sonnabendnachmittag durch einen Brand weitgehend zerstört worden. Ausgelöst wurde das Feuer nach Informationen des Tagesspiegels durch ein vergessenes Adventsgesteck mit brennender Kerze. Sicherheitspersonal der holländischen Botschaft auf der anderen Seite der Klosterstraße in Mitte hatten den Brand entdeckt, mehrere Dachfenster waren mit lautem Knall geborsten. Die Wachleute riefen um 13.55 Uhr die Feuerwehr. Die ersten Fahrzeuge waren nach Minuten da, die zentrale Feuerwache im Osten der Stadt ist nur wenige 100 Meter entfernt.

Die Sprecherin der Finanzverwaltung, Kathrin Bierwirth, sagte zur Brandursache kein Wort. Auch ein Sprecher der Feuerwehr machte keine Angaben. Wie es hieß, soll Landesbranddirektor Wilfried Gräfling, der ebenfalls zur Einsatzstelle geeilt war, dem Senator zugesichert haben, dass ausschließlich die Finanzverwaltung die Öffentlichkeit informiert – ein sehr unübliches Verfahren.
Behördensprecherin Bierwirth sagte nach dem Feuer nur wenige Sätze vor dem Portal des Altbaus. „Die Ursache ist unbekannt. Das Feuer ist sofort gelöscht worden.“ Nach ihren Angaben muss der Senator „in den kommenden Tagen in ein anderes Büro umziehen, und es müssen Papiere neu ausgedruckt werden.“ Die Brandmeldeanlage habe ausgelöst.
Diese Angabe stimmt dem Vernehmen nach aber nur sehr bedingt.  Die automatische Anlage löste demnach erst aus, nachdem die ersten Feuerwehrleute die Tür zu Nußbaums Büro öffneten. Denn Detektoren gibt es nur auf dem Flur, nicht im Büro des Senators. Dies sei nicht optimal, sagte ein Experte.

In dem Raum sollen extrem hohe Temperaturen geherrscht haben. Der eigentliche Brandschaden beschränkt sich auf die Sitzecke mit Sofa, Couchtisch und Adventsgesteck, das komplette restliche Büro wurde jedoch durch Rauchgase unbrauchbar gemacht, darunter Telefon, Schreibtisch und PC.
Die Kriminalpolizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung. Bei der ersten Befragung soll Ulrich Nußbaum der Kripo gesagt haben, dass er sein Büro am Freitag gegen 17 Uhr verlassen habe. Die Frage, ob die Kerzen brannten, als er ging, soll der Senator nicht beantwortet haben. Nach Angaben Bierwirths ist das Büro immer offen, damit Mitarbeiter Akten hineinlegen können, Nußbaum soll nicht einmal einen Schlüssel haben. Ob nach Nußbaum noch jemand im Büro war, ist unklar


Vor zwei Wochen hatte die Berliner Feuerwehr ihre alljährliche Kampagne „Vorweihnachtszeit – sichere Zeit“ gestartet. Im vergangenen Jahr hatte es in den Adventswochen 25 Brände in Wohnungen gegeben, die durch Kränze oder Weihnachtsbäume ausgelöst wurden. Feuerwehrleute kommentierten den Brand beim Senator gestern mit einem Wort: „Peinlich.“
Unerwünschten Kontakt mit der Feuerwehr hatte in diesem Jahr auch Nußbaums Chef, der Regierende Bürgermeister. Im Juni hatte es in Klaus Wowereits Privatwohnung gebrannt, vermutlich weil Lebensgefährte Jörn Kubicki im Bett geraucht hatte. Für den Regierenden war es bereits der zweite Brand: 2007 hatte ein Kracher die frühere Wohnung am Kurfürstendamm in Brand gesetzt.